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Vulkan-Werft sortiert sich neu

Michael Brandt 20.09.2019 0 Kommentare

Der Hammerkran war über Jahrzehnte eines der Nordbremer Wahrzeichen. Er gehörte zur Silhouette des Stadtteils.
Der Hammerkran war über Jahrzehnte eines der Nordbremer Wahrzeichen. Er gehörte zur Silhouette des Stadtteils. (Christian Kosak)

Vulkan-Schiffbau soll völlig neu geordnet werden – unter dieser Überschrift berichtete DIE NORDDEUTSCHE am 21. September 1994 über geplante Veränderungen beim Werftkonzern, die sich auch auf den Standort Vegesack auswirkten. In Kurzform: Bis zu diesem Zeitpunkt haben in Fähr-Lobbendorf unter dem Namen Vulkan die Bereiche Schiffbau, Marine-Schiffbau und Maschinenbau in einem Unternehmen gearbeitet. Das wurde jetzt komplett neu aufgedröselt. Eine schwer nachvollziehbare Konstruktion aus Holding, Zwischenholdings und Management-Ebenen sollte sich fortan um den Schiffbau kümmern.

Aus heutiger Sicht lässt sich in dem Bericht zwischen den Zeilen schon das kommende Unheil ablesen. Die Aussagen der Geschäftsleitung bei einer Betriebsversammlung klingen wie eine Beschwörung, dass sich die Entwicklung zum Besseren wenden werde. Die Maschinenfabrik hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Personal eingespart und sollte mit dem Dieselmotorenwerk Rostock fusionieren. Vielen ist der markante DMR-Hammerkran noch in Erinnerung, der viele Jahre an der Vulkan-Pier stand. In Warnemünde sollte eine neue Montagehalle für 140 Millionen Mark gebaut werden und die Auftragsbücher seien voll, hieß es.

Heute soll der Hammerkran wieder sichtbar werden. Zwar haben sich schon seinerzeit Pläne zerschlagen, den Kran als Relikt zu sichern. Derzeit verfolgt der Verein Maritime Tradition Vegesack Nautilus aber Pläne, ein großes Modell anfertigen zu lassen und dieses dann an der Maritimen Meile aufzustellen. Finanziert werden soll das Projekt über Spenden.

In derselben Ausgabe der NORDDEUTSCHEN, ein paar Seiten weiter hinten, ging es ebenfalls um die Beteuerungen eines Arbeitgebers, in diesem Fall Warncke Eis in Brundorf. Hintergrund der Befürchtungen, der Standort könnte geschlossen werden, waren internationale Deals: Der Konzern Unilever musste Warncke abgeben, weil zu ihm schon Langnese gehörte. Die Brundorfer Eisfabrik wurde von Nestlé gekauft. Im Bericht unter der Überschrift „Mit Nestlé weiter auf Erfolgskurs?“ hieß es weiter: „Kaum wurde die Nachricht vom Warncke-Verkauf bekannt, als schon Gerüchte kursierten, der Schweizer Konzernriese wolle die Brundorfer Eisfabrik schließen.“ Nestlé aber wolle die Eiskrem zu diesem Zeitpunkt vielmehr in den Mittelpunkt seines Portfolios rücken, habe deshalb weltweit Eisfabriken gekauft.

Die damaligen Chefs in Brundorf hofften gar, Nestlé könne in der Gemeinde Schwanewede eine eigene Eismarke herstellen. Warncke ging es zu diesem Zeitpunkt gut. Das Eis aus Brundorf wurde unter anderem nach Dänemark und England geliefert, von 700 Beschäftigten und einem Gewinnplus von 40 Prozent war im Text die Rede.

Dennoch bedeutete der Eigentümerwechsel den Anfang vom Ende. Nestlé stellte 1996 die Produktion unter dem Namen Warncke ein, Warncke wurde in das Unternehmen Motta Eiskrem GmbH überführt. Motta hingegen stellte 2004 die Produktion ein. Das Tiefkühlhaus existiert weiterhin“, das Unternehmen Nordfrost lagert dort Lebensmittel.

Nun aber genug mit den miesepetrigen Nachrichten. Immer wieder stößt man beim Blättern in den alten Ausgaben auf Nachrichten aus dem Vereinsleben und auf Veranstaltungen, die es nicht bis in die Gegenwart geschafft haben. Zuletzt hatten wir an dieser Stelle über ein Treffen der U-Boot-Modellbauer berichtet. Am 22. September schrieb unsere Zeitung über ein weiteres Beispiel: Die 4. Norddeutsche Meisterschaft der Wellensittich-Züchter-Vereinigung fand in Ritterhude statt. Ein sprachlicher Randaspekt: Veranstaltungsorte mussten damals noch nicht „Arena“ oder „Forum“ heißen, und deshalb trafen sich die 28 Züchter mit ihren 458 Wellensittichen auch ganz bodenständig in der „Mehrzweckhalle Ritterhude“. Bewertet wurden Schecken und Hennen, in Hellblau und Hellgrün, mitunter auch in Opalin-Graugrün. Auch eine Vogelbörse gab es. „Der starke Besuch der Schau in Ritterhude bestärkte die Züchter und Organisatoren in ihrer Einschätzung, dass die Liebe zu dieser Tierart zunimmt“, schilderte der Berichterstatter. Wer sich Wellensittiche anschauen will: Die letzte Ausstellung in der Region liegt zwar schon etwas zurück, aber am 5. und 6. Oktober findet die DSV-Bundesschau 2019 in Brüggen statt.

Gut Ding will mitunter mehr als 25 Jahre haben. Der Blumenthaler Beirat vertrat Im Jahr 1994 eine Position, die jetzt gerade ganz sachte wieder an Aufmerksamkeit gewinnt. Im Bericht „Gegen Erhöhung der Fährtarife“ vom 23. September heißt es, der Beirat sperre sich gegen eine Erhöhung der Tarife: „Gleichzeitig forderte er die verantwortlichen Politiker auf, die Fähren in die Verkehrsgemeinschaft Bremen/Niedersachsen einzubeziehen und zu subventionieren. Ziel müsse die kostenlose Benutzung der Fährschiffe sein. Die Nordbremer Bevölkerung dürfe nicht darunter leiden, dass sie anders als die Bewohner der Innenstadt nicht die Möglichkeit hab, Brücken zu benutzen. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Die Koalitionäre machen sich in Bremen gerade Gedanken darüber, wie ein kostenfreier ÖPNV erreicht werden kann. Ob dieses Ansinnen die Fähren mit einschließt, dazu sagt der Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode nichts. Der ADFC jedenfalls will Bewegung in die Sache bringen und fängt am Wochenende auf dem E-Day in Blumenthal an, Unterschriften zu sammeln. Die Radfahrer-Lobby will erreichen, dass wenigstens Fußgänger und Radfahrer als die umweltverträglichsten Verkehrsteilnehmer umsonst zwischen Bremen-Nord und der Wesermarsch pendeln dürfen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...