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Berufsbildende Schulen Wesermarsch
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Wandertage in Göteborg

Barbara Wenke 08.07.2019 0 Kommentare

Der angehende Erzieher Jonas Hotze absolvierte im Rahmen seiner Erzieher-Ausbildung ein siebenwöchiges Praktikum in Schweden.
Der angehende Erzieher Jonas Hotze absolvierte im Rahmen seiner Erzieher-Ausbildung ein siebenwöchiges Praktikum in Schweden. (Christian Kosak)

„Zu Anfang hatte ich ganz schön Angst.“ Jonas Hotze lacht. Heute kann er sich gar nicht mehr erklären, warum. Mit Kindern arbeiten ist der große Wunsch des angehenden Erziehers. Das hat er sieben Wochen lang getan. Nichts anderes. Und doch war alles anders als bei seinen Praktika in den Kindergärten in Lemwerder. Denn Jonas Hotze machte ein Praktikum in einer Kita in Göteborg, da musste der 20-Jährige durchweg Englisch sprechen.

Kurz vor den Osterferien hat Jonas Hotze am „ELieA“-Projekt der Berufsbildenden Schulen (BBS) für den Landkreis Wesermarsch teilgenommen. „ELieA“ steht für „zukünftige Erzieher und Erzieherinnen am Lernort Praxis im europäischen Ausland“. Durch das Programm Erasmus plus der Europäischen Union konnte er ein siebenwöchiges Praktikum in der schwedischen Hauptstadt absolvieren. Jetzt gab es den Europass, das dazugehörige Zertifikat.

„Es war schon immer mein Traum ins Ausland zu gehen“, erzählt der junge Mann aus Lemwerder. Irgendetwas sei aber immer dazwischen gekommen. Da er sich stark sozial engagiere, habe er nicht den richtigen Zeitpunkt finden können. „Ich wollte meine Aufgaben hier nicht einfach liegen lassen“, sagt Jonas Hotze. Zudem bereiteten ihm seine Sprachkenntnisse Sorge. „Ich war in der Schule in Englisch nicht wirklich gut.“ 

Doch die Lehrkräfte der Fachschule für Sozialpädagogik an den Berufsbildenden Schulen Wesermarsch sowie die Mitschüler überredeten den 20-Jährigen, es zu versuchen. Als dann ein Praktikumsplatz in dem internationalen Kindergarten in Schweden frei wurde, griff Jonas Hotze zu. Seit zwei Jahren treiben die BBS ihre Internationalisierung voran. „Aufgrund der voranschreitenden Europäisierung und Globalisierung wollen wir unsere Schüler befähigen, sich auf dem internationalen Arbeitsmarkt zu bewerben“, begründet Englischlehrerin Friederike Sattler, die an den BBS für Internationalisierung und Schulpartnerschaften zuständig ist, das Engagement. „Für die Teilnehmer bieten sich einmalige Erfahrungen. Außerdem trägt Internationalität dazu bei, Toleranz zu lernen.“

Den Auftakt der Internationalisierung machten im Jahr 2017 im Übrigen die Tierpfleger aus Brake, die dank der EU-Förderung Praktika in Wales und Schweden absolvieren konnten. 2018 folgten die angehenden Kaufleute. Nun sind also die Erzieher an der Reihe. Das Förderprogramm „ELieA“ ist damit noch nicht abgeschlossen. Insgesamt zwölf Schülerinnen oder Schüler können am Programm teilnehmen. Sechs haben es im Frühjahr 2019 getan. Im kommenden Frühjahr können also noch einmal sechs angehende Erzieherinnen und Erzieher ein siebenwöchiges Praktikum im Ausland absolvieren. Auf die aufwendige Suche nach einer Einrichtung, die Willens ist, Praktikanten in ihren Alltag zu integrieren, muss sich dabei kein Interessent begeben. Die Pädagoginnen Marianne Abend und Friederike Sattler haben im Vorfeld vier Partnerbetriebe für die BBS-Schüler akquiriert. „Die vier passen allesamt zu den Inhalten unserer Ausbildung“, betont Friederike Sattler. Marianne Abend, die selbst Erzieherin war und jetzt an den BBS unterrichtet, kann den Interessenten die Vorteile eines Auslandsaufenthalts aus erster Hand berichten. Sie hatte während ihrer Ausbildung vier Monate in Irland verbracht.  

Auch Jonas Hotze steht gern als Informant zur Verfügung. Er hat in Göteborg einen Kindergarten kennengelernt, in dem es sehr diszipliniert zuging. „Die Kinder saßen dort wie in der Schule.“ Zwischenrufe seien verpönt, berichtet der angehende Erzieher. „Hier ist es ein bisschen lockerer“, hat der 20-Jährige festgestellt. Besonderen Wert legte die „Gotenburgs Preschool“ auf demokratisches Verhalten. „Selbst Spiele wurden abgestimmt“, erzählt Hotze und staunt immer noch.

Begeistert war der junge Lemwerderaner davon, „wie viel die Erzieher mit den Kindern rausgegangen sind. Unter zwei Stunden sind wir nie wieder reingekommen.“ Er sei überrascht gewesen, welche Strecken selbst die Kleinsten schon ohne Murren zurücklegten. „Der Wald mit einem kostenlosen Tiergehege war ein bis zwei Kilometer von unserem Kindergarten entfernt. Da sind wir oft hin gelaufen.“ Die Schweden seien sehr daran interessiert, dass ihre Kinder einen Bezug zur Natur aufbauen, untermauert Friederike Sattler. „Die versuchen, schon früh, Verantwortung für die Natur an ihre Kindern weiterzugeben.“

Als spannend empfand Jonas Hotze auch die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Elternhaus. "Die Eltern müssen jeden Tag zehn Minuten vor dem Ende der Gruppenzeit kommen, damit kurz zwischen Personal und Eltern gesprochen werden kann.

Praktika auch in Polen und Slowenien

Die weiteren Partnereinrichtungen der BBS neben der „Gotenburgs Preschool“ in Göteborg sind das „Togher Family Centre“ im irischen Cork, das slowenische „Vrtec Ljutomer“ unweit der kroatischen Grenze sowie ein Kindergarten in der polnischen Stadt Radomsko. Für das nächste siebenwöchige Auslandspraktikum, das auch im Jahr 2020 wieder direkt vor den Osterferien stattfindet, stehen je zwei Plätze in Schweden, Polen und Slowenien zur Verfügung.

Für das Auslandspraktikum können sich sozialpädagogische Assistenten sowie angehende Erzieher im ersten Lehrjahr bewerben. Friederike Sattler betont ausdrücklich, dass sich auch Schüler bewerben können, die kein betuchtes Elternhaus in der Hinterhand haben. „Geld spielt eine untergeordnete Rolle.“ Das Erasmus-Programm decke Reise- und Unterhaltskosten.

„Ich habe kein Geld zugezahlt“, bekräftigt Jonas Hotze. Mit ein bisschen Planung, bei der die BBS helfen, sei ein für den Praktikanten kostenloser Aufenthalt möglich. Der Lemwerderaner verzichtete beispielsweise auf das eigene Auto, für das die Fährfahrt extrem teuer geworden wäre. Stattdessen reiste er per Fernreisebus nach Göteborg, was gerade einmal mit 100 Euro zu Buche schlug.

Die Erfahrungen, die er vor Ort gesammelt hat, möchte der 20-Jährige nicht mehr missen. „Ich habe den Kindern englische Bücher vorgelesen“, staunt Jonas Hotze noch immer über sich selbst. „Ein Auslandsaufenthalt formt die Persönlichkeit“, sagt Friederike Sattler. „Und die Erfahrungen, die die Auszubildenden im Ausland sammeln, können ihnen und ihren Ausbildungsbetrieben Anregungen für die Arbeit in Deutschland bieten.“ Gespannt wartet die Koordinatorin auf Bewerbungen für die sechs Praktikumsstellen im Frühjahr 2020 in Schweden, Polen und Slowenien. Diese sind in englischer Sprache mit Lebenslauf und Angabe der gewünschten Partnereinrichtung per Mail an Friederike Sattler (fsattler@bbs-wesermarsch.de) zu senden.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...