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Blumenthaler Marktplatz ohne Kaffeeausschank
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Warum der Inhaber der Bücherstube an den Behörden scheiterte

Sylvia Wörmke 12.05.2019 5 Kommentare

Der Blumenthaler Marktplatz: Der Inhaber der Bücherstube (rechtes Gebäude) möchte in den Sommermonaten Tische sowie Stühle aufstellen und Kaffee ausschenken.
Der Blumenthaler Marktplatz: Der Inhaber der Bücherstube (rechtes Gebäude) möchte in den Sommermonaten Tische sowie Stühle aufstellen und Kaffee ausschenken. (Sebi Berens)

Der Inhaber der Blumenthaler Bücherstube am Marktplatz hadert mit den Behörden und der Bürokratie. Er ist bitter enttäuscht, dass er auf dem Marktplatz in den Sommermonaten keine Tische und Stühle aufstellen darf, um dort Kaffee auszuschenken. Einerseits hat er eigene wirtschaftliche Interessen im Blick. Es geht ihm aber auch darum, „die Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz zu verbessern und ihn aufzuwerten“. Seit zwei Jahren ist er mit Ordnungsamt, Bauamt und Amt für Straßen und Verkehr (ASV) ständig wegen der Sondernutzung in Kontakt. Nun kam die endgültige Ablehnung – und dafür muss er noch Gebühren bezahlen, was ihn erst recht ärgert. 

Vor zwei Jahren kam der Buchhändler – er möchte nicht mit Namen genannt werden – auf die Idee, im Bereich der Eiche Tische aufzustellen. Damit wollte er auch verhindern, dass der Marktplatz von Fahrzeugen befahren wird, zum Be- und Entladen sowie zum Parken direkt vor den Geschäften. Er stellt sich vor, dass die Tische in den Sommermonaten morgens aufgestellt und abends wieder abgeräumt werden, Kunden dort gemütlich sitzen, ein Buch lesen und „Kaffee aus fairem Handel trinken können“. Es geht ihm um Nachhaltigkeit. Plastikgeschirr soll es nicht geben. 

Auch Veranstaltungen könnte er sich vorstellen. Das solle ganz zwangslos sein. „Es ist keine Gastronomie.“ Der Buchhändler verspricht sich neben Kundschaft für den eigenen Laden eine Belebung des Marktplatzes. Die Sondernutzung habe auch eine maßgebliche Bedeutung für Kultur und Bildung. Damit begründete der Inhaber der Bücherstube auch die Anträge auf Sondernutzung.

Zuerst lehnte das Ordnungsamt den Antrag ab. Begründung: Es gebe schon einen Nutzungsvertrag für das Aufstellen von Bänken und Pflanzenkübeln, der eine zusätzliche Sondernutzung in Form der Aufstellung von Tischen und Stühlen aus Platzgründen nicht ermögliche. Es ging um den Bereich der Eiche. 

"Keine Mittel und Wege"

Der Buchhändler zeichnete Skizzen, wo die Tische aufgebaut werden könnten. Der neue Antrag landete beim Bauamt. Das musste das Amt für Straßen und Verkehr am Verfahren beteiligen beziehungsweise anhören. Ausdrücklich nimmt der Inhaber der Bücherstube die Mitarbeiter des Bauamtes in Schutz. „Die Sachbearbeiterin hat sich sehr viel Mühe gegeben. In letzter Konsequenz gab es aber keine Mittel und Wege.“ Das ASV hatte nämlich das Ansinnen abgelehnt.

Im Ablehnungsschreiben werden diverse Paragrafen der Bremischen Landesbauordnung und des Landesstraßengesetzes aufgezählt. Hauptgrund der Ablehnung: „Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn die Sondernutzung die Sicherheit oder Leichtigkeit des Verkehrs oder straßen- und städtebauliche oder andere öffentliche Belange beeinträchtigen würde oder ihr Gründe der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung entgegenstehen.“ Dies soll hier vorliegen.

Das ASV bezieht sich auf den Standort für Tische und Stühle. Der Zugang zum Eingangsbereich des Marktplatzes dürfe nicht eingeengt werden. Außerdem müsste der Geh- und Radweg vom Servierpersonal ständig überquert werden. Darum sieht das ASV die Sicherheit und Leichtigkeit der Straßenverkehre, also in diesem Fall der Fußgänger und Radfahrer, erheblich beeinträchtigt.

"Absolut unverständlich"

Eine Rücksprache im Amt brachte den Buchhändler auch nicht weiter – also hat er nun aufgegeben und ist maßlos enttäuscht. Kunden von ihm auch, die er hinter sich weiß. „Für mich ist es absolut unverständlich, warum man der Bücherstube solche Steine in den Weg legt“, sagt eine Stammkundin. Der Buchhändler fühlt sich nicht nur von den Behörden im Stich gelassen, sondern auch vom Beirat Blumenthal und dem Ortsamt. Er kritisiert die fehlende Unterstützung.

Das lässt Beiratssprecherin Ute Reimers-Bruns aber so nicht stehen. „Wir haben als Beirat das Anliegen Ernst genommen und es auch unterstützt.“ Eine Anfrage von Behördenseite zu der Sondernutzung sei zum Beispiel befürwortet worden. „Alle Beiratsfraktionen unterstützen ihn“, sagt sie. Sie kann verstehen, dass der Inhaber der Bücherstube enttäuscht ist und findet es auch nicht in Ordnung, dass er von einem Ressort zum nächsten geschickt worden sei. Sie weiß aber auch, dass sich viele im Bauressort für das Anliegen eingesetzt hätten. Es sei wohl an den Gegebenheiten gescheitert. 

Dass die Bänke und Blumenkübel sich mit dem Aufstellen von Tischen nicht vereinbaren lassen, kann sie nicht nachvollziehen und auch nicht die Gefahrenlage für Fußgänger und Radfahrer. Ute Reimers-Bruns verweist auf die für sie vergleichbare Situation am Marktplatz Lesum. Dort müsse das Personal des Restaurants auch die Straße zum Servieren überqueren. Sie meint, dass hier mit zweierlei Maß gemessen werde. Auf jeden Fall versichert sie dem Inhaber der Bücherstube, dass der Beirat nicht so schnell aufgeben werde.


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Leserkommentare
Opferanode am 20.10.2019 15:14
@ Bunker
Bei Ihnen weiß ich nicht immer, ob Sie das ernst meinen, was Sie schreiben. Kann ja auch ironisch gemeint sein?
Wenn Sie von ...
alterwaller am 20.10.2019 15:01
INITIATIVEN !!!

Zu hoch, zu flach, zu breit, zu lang. Die Fenster passen nicht zum Umfeld und was ist mit begrünten Dächern ? Da wird ...