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Wie aus Kuhmilch Käse wird

Gabriela Keller 22.05.2019 0 Kommentare

Fünf Liter Milch werden die Käseherstellung gebraucht. Mit dem blauen Behälter wird die Menge genau bemessen.
Fünf Liter Milch werden die Käseherstellung gebraucht. Mit dem blauen Behälter wird die Menge genau bemessen. (Bernd Kramer)

Harriersand. Angelika Meyerdierks öffnet die Scheunentür. Zwölf Kinder stapfen in Gummistiefeln der Landwirtin hinterher. Durch einen Vorraum geht es über eine Holzrampe in die Milchkammer. Ein großer Edelstahltank steht dort. Meyerdierks dreht den Hahn auf. Gespannt schauen die Mädchen und Jungen zu, wie die Milch aus dem Tank in einen Eimer plätschert. Damit geht es gleich in die Küche, zum Käsemachen.

Vorschulkinder aus dem DRK-Kindergarten Moormannskamp in Ritterhude sind an diesem Vormittag zu Gast auf dem Bioland-Bauernhof der Familie Schröder/Meyerdierks auf Harriersand. Seit drei Jahren kommen die Fünf- und Sechsjährigen aus dem Kindergarten ein Mal im Jahr auf den Hof, um mit Bäuerin Angelika Meyerdierks Käse herzustellen. In diesem Jahr ist die Aktion erstmals eingebettet in das landesweite Projekt „Landwirtschaft für kleine Hände“ des niedersächsischen Landfrauenverbandes Hannover. Mehr als 50 Betriebe beteiligen sich an einer Aktionswoche vom 20. bis 24. Mai. Unter dem Motto „Mit allen Sinnen auf dem Bauernhof“ können Kindergarten-Gruppen Landwirtschaft auf den Höfen hautnah erleben.

Auf Harriersand geht es um die Milch und was sich Leckeres daraus machen lässt. Zum Beispiel ein Mozzarella-Käse, den sie an diesem Tag selber herstellen. „Die Kinder kennen den Käse und finden es toll, ihn selber zu machen“, erzählt Erzieherin Ursula Dobers. Mit Angelika Meyerdierks hat sie einst eine Ausbildung zur Kinderpflegerin absolviert, seitdem sind beide befreundet. Über den persönlichen Kontakt entstand die Idee für die Käseaktion auf dem Hof. „Die Kinder erfahren, wie viel Arbeit in den Produkten steckt, die es fertig im Supermarkt gibt. Sie haben aber auch ihren Spaß und erleben, wie schön es auf einem Bauerhof sein kann“, sagt die stellvertretende Kindergarten-Leiterin Esther Kagel. Zwischen Herd und Kuhstall lernen die Kinder jede Menge über die Arbeit eines Milchbetriebes. 74 Milchkühe gehören zum 72 Hektar großen Betrieb, der seit 2001 anerkannter Bioland-Hof ist. Die Kühe, die auf der Weide grasen, bekommen die Kinder später noch zu sehen. Erstmal geht es in die Küche.

Mit einem Messbecher füllen die Kleinen fünf Liter Milch in einen großen Kochtopf und bringen sie zum Köcheln. Ein Knirps misst mit einem Thermometer die Temperatur. „Wenn die Temperatur knapp unter 30 Grad liegt, könnten wir den Joghurt einrühren“, erklärt Angelika Meyerdierks, die selbst bis vor gut einem Jahr als Erzieherin in Schwaneweder Kindergärten gearbeitet hat. Zwei Becher Joghurt kommen in den Topf, jeder darf mal umrühren. In der Zwischenzeit wird der nächste Arbeitsschritt vorbereitet. In einer Tasse und einem Becher löst Meyerdierks kleine weiße Tabletten in Wasser auf. „Das sind Labtabletten. Die machen die Milch dick, damit daraus Käse wird“, erklärt sie den Kindern. Während das Lab sich auflöst, können die Kleinen Molke probieren. Die wässrige grünlich-gelbe Restflüssigkeit entsteht bei der Käseherstellung. Die Meinungen sind geteilt. „Lecker“, findet Sarah. „Schmeckt irgendwie komisch“, meint ein Junge und verzieht sein Gesicht. „Ein bisschen sauer“, lautet Oles Urteil.

Besuch im Melkstand

Das Milch-Joghurt-Gemisch im Topf braucht noch Zeit, um einzudicken. Marijke Schröder, die Tochter von Angelika Meyerdierks, nimmt die Kinder an die Hand und führt sie zum Melkstand. Die 27-Jährige hat ökologische Agrarwissenschaft studiert und eine Zusatzqualifikation als Bauernhofpädagogin erworben. Seit zwei Jahren führt sie zusammen mit ihrem Vater Gunter Schröder den Betrieb, in dem neben ihrer Mutter Angelika auch noch ein Melkhelfer mitarbeitet. „Zwei Mal am Tag müssen die Kühe gemolken werden“, erklärt Marijke Schröder den Kindern. Dafür bekommt jede Kuh ein Melkgeschirr unter das Euter, Schläuche mit vier Zitzenbechern. Marijke Schröder zeigt den Kindern, wie ein Geschirr funktioniert. Sie können den Saugeffekt sogar fühlen. Jedes darf seinen Finger mal in einen Zitzenbecher stecken. „Cool“, meint ein Junge. Im Melkstand erfährt die Gruppe auch, was der Unterschied zwischen einem Rind und einer Kuh ist. „Erst wenn ein Rind ein Kalb bekommt, ist es eine Kuh und kann Milch geben.“ Das ist das Stichwort. Auf zu den Kuhbabys. Fünf Kälber – das jüngste Tier zwei, das älteste fünf Wochen alt – teilen sich ein großes Iglu auf dem Hof. „Das ist unser Kindergarten“, sagt Angelika Meyerdierks. Daneben stehen kleinere Einzeliglus. „In die kommen die Kälber direkt nach der Geburt.“ Maximal für eine Woche, so sehen es die Auflagen für einen Bioland-Milchbetrieb vor. „Danach werden die Kälber in der Gruppe gehalten. Drei Monate müssen sie mit Vollmilch versorgt werden“, erklärt Marijke Schröder. Sie lässt ein Kalb an ihren Fingern knabbern und führt es langsam an die Kinder heran, die hinter dem Gatter die Hände zum Streicheln ausstrecken.

Im Stall wartet ein weiterer Höhepunkt. Ein Mal hoch auf den Radlader, das wollen alle. Und was hat es mit den Bürstenrollen im Stall auf sich? „Damit bekommen die Kühe ihre Massage“, erklärt Marijke Schröder. Die Bioland-Richtlinien schreiben eine bestimmte Fläche für die Nutztierhaltung vor. „Im Stall muss jedes Tier einen Liege- und einen Fressplatz haben“, erläutert die Agrarwissenschaftlerin. Für Milchkühe etwa ist eine Mindeststallfläche von sechs Quadratmetern pro Tier vorgegeben, zusätzlich je eine Außenfläche von 4,5 Quadratmetern.

Zurück in der Küche wartet die Kuhmilch darauf, zum Käse zu werden. Das Lab muss eingerührt werden. Die eingedickte Käsemasse wird später mit dem Messer geschnitten und in Käseformen geschöpft. Die nehmen die Kinder mit in den Kindergarten, wo sie am nächsten Tag ihren selbst gemachten Käse probieren können. Auf Harriersand geht es auch noch zu den Milchkühen auf die Weide. Und an die Weser, wo die Gruppe eine Flaschenpost mit selbst gemalten Bildern ins Wasser wirft. Jede Kindergartengruppe, die den Hof besucht, macht das so. Ein Mal haben die Ritterhude sogar eine Antwort erhalten – aus der Nähe von Bremerhaven.


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Leserkommentare
peteris am 23.10.2019 12:13
Kommentar schreiben?

Was soll man über dieses Affentheater noch schreiben?
suziwolf am 23.10.2019 12:00
@lterwaller ...

Die ,autofreie Innenstadt‘ ist nur mit
zusätzlichen Brücken über die Weser zu haben.

Wird sich ...