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Die Bienenmutter
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Wie Bienen wohnen

Patricia Brandt 19.04.2019 0 Kommentare

Bienen bauen ihre Waben in Rahmen. Die Frage, für welches Rahmenmaß sich der Neu-Imker entscheidet, ist ihnen egal.
Bienen bauen ihre Waben in Rahmen. Die Frage, für welches Rahmenmaß sich der Neu-Imker entscheidet, ist ihnen egal. (Michael Reichel)

Fünf Stunden Imker-Grundlehrgang. Ich stelle mich schon mal auf graue Theorie und eingeschlafene Füße ein. Aber als an diesem frühen Sonnabendmorgen mein Imker-Lehrgang beim Verein Bremen 1875 beginnt, geht es nicht in ein Klassenzimmer. Treffpunkt ist das Straßenbahndepot in Sebaldsbrück, wo gut zwei Dutzend Frauen und Männer auf einem betonierten Platz stehen und leere Bienenbehausungen beäugen.

Er sei eher Praktiker als Theoretiker, erklärt Referent und Straßenbahnfahrer Marten Carstensen mit gewinnendem Lächeln, und dann erklärt er uns, was Maibutter ist. „Maibutter ist der erste Dung, den Kühe ausscheiden, wenn sie auf die Weide kommen“, sagt Marten Carstensen und erntet einige Lacher. Maibutter braucht glücklicherweise heute kein Imker mehr, seit Bienenkörbe aus Stroh aus der Mode gekommen sind. Mit Maibutter wurden die Körbe, die Lüneburger Stülper, früher eingestrichen, um sie gegen Witterungseinflüsse zu schützen.

Marten Carstensen hat einen Strohkorb mitgebracht, um zu zeigen, wie sich die Imkerei entwickelt hat. Diese veraltete Form einer Beute (so nennen die Imker den Bienenkorb) sei eher unpraktisch. „Wie haben die Imker den Honig da wohl raus bekommen?“, fragt der Kursleiter und gibt die Antwort selbst: „Sie haben entweder die Bienen abgeschwefelt oder rausgetrommelt.“

Wir Kursteilnehmer sehen uns die modernen Bienenbehausungen an. Es sind unterschiedlich hohe Kastentürme: „Das sind Magazinbeuten“, erklärt Marten Carstensen. Sie bestehen aus stapelbaren Einheiten, den Zargen oder Magazinen. Obenauf liegt die Futter- oder Honigzarge, dann kommt ein Absperrgitter und darunter befindet sich der Brutraum. Weiter unten befindet sich dann noch ein Unterboden mit Gittergeflecht, das die Reinigungsarbeiten im Bienenstock erleichtert. Das ist es – grob betrachtet.

Es gibt allerdings verschiedene Systeme, was für Anfänger zunächst etwas verwirrend ist. Marten Carstensen zeigt uns unter anderem 12er DN-Beuten nach Dr. Liebig und 12er Dadant US-Beuten nach Bruder Adam. Am verbreitetsten sei in Norddeutschland jedoch die Segeberger Kunststoffbeute. Styropor hat gegenüber den Holzkästen den Vorteil, deutlich leichter zu sein: „28 Kilo – mit Honig“, sagt unser Referent. „Aber ihr müsst entscheiden, was euch am besten gefällt.“

Zum Imkern, hatte Marten Carstensen gleich zu Beginn des Lehrgangs gesagt, gebe es nicht den einen Weg, sondern viele verschiedene Wege. DN bedeutet Deutsch-Normalmaß. Die Angabe bezieht sich auf die Holz-Rähmchen, die in die einzelnen Magazine gehängt werden und auf die die Bienen ihre Waben bauen. DN-Rähmchen messen übrigens 37 mal 22,3 Zentimeter. Nur um mal ein wenig ins Detail zu gehen...

Co-Referent Jürgen Dünow zeigt uns, wie wir Rähmchen mit Drähten versehen und darauf Mittelwände aus Wachs festlöten, auf die die Bienen ihre Wabenzellen für Brut und Honig bauen. Wir sitzen jetzt zwischen der Party-Straßenbahn und uniformierten Schaufensterpuppen auf Bierbänken, und der Erste greift sich einen Lötkolben.

Es ist lausig kalt im alten Straßenbahndepot, aber die Luft ist mit wunderbarem Honigduft erfüllt: Zwei Föhne sind surrend im Einsatz. Die heiße Luft soll das Wachs erwärmen und weich machen, bevor wir es mit dem Lötkolben auf die mit Drähten versehenen Rähmchen befestigen. „Sonst bricht es“, erklärt Jürgen Dünow, der mit über 70 Jahren einer der ältesten Imker im Verein ist.

Die Jung-Imker auf den Bänken sind tatsächlich Jungvolk. Lennart zum Beispiel sieht aus, als sei er höchstens 30 Jahre alt. Der Huchtinger erzählt gerade, dass er seine Beuten auf seinem Balkon platzieren will. „Ich habe schon Bienenpflanzen aufs Dach gebracht, dann müssen meine Bienen nur vom vierten Stock ‚rauf aufs Dach.“ Die meisten Kursteilnehmer haben wie ich noch kein Bienenvolk. Felix, ein Familienvater aus Oberneuland, überlegt, einem alten Imker, der seinen Bestand auflösen will, die Völker abzukaufen.

„Aber so viele will ich eigentlich nicht“, meint Felix. Er möchte Bienen halten, um seinen beiden Kindern die Natur nahezubringen. Beim Verein heißt es, wir sollen erst noch ein wenig mehr Erfahrung sammeln, bevor wir uns ein Volk anschaffen. Wir wickeln Draht und löten Wachsplatten fest und überlegen, wie viel Völker wir irgendwann einmal haben werden und wie viel Honig diese dann einmal produzieren.

„30 Kilo pro Volk“, meint ein Kaufmann aus Bremen-Nord. „Bei 1000 Völkern wären das bei zweifacher Honigernte 40 Tonnen Honig. Das macht 80 000 Gläser.“ 1000 Völker? 80 000 Gläser Honig? Die Stimmung am Tisch steigt: „Wir werden reich“, ruft jemand gut gelaunt.

„Beim nächsten Mal bitte alle einen Schleier mitbringen“, sagt Marten Carstensen. Wir sollen auch kein Parfum auflegen oder Alkohol trinken, denn das mögen Bienen nicht. „Obwohl es wichtig ist, dass man auch mal gestochen wird. Einfach, um zu wissen, wie das ist. Dann kann man überlegen, ob das Imkern wirklich etwas für einen ist“, findet Marten Carstensen. Beim nächsten Mal wird es also ernst: Der gesamte Kurs trifft sich am Lehrbienenstand auf dem Lür-Kropp-Hof in Oberneuland.

Ich bin nicht besonders wild darauf, mich testweise stechen zu lassen. Es wird Zeit, mir eine Grundausrüstung zu besorgen. Dabei wird mir meine Bienen-Patin helfen. Bienen-Paten sind erfahrene Imker des Vereins, die ehrenamtlich Jung-Imker betreuen.

Meine Patin heißt Anke Scheffler-Hincke, ist von Beruf Grundschullehrerin in Bremen-Nord, hat mehrere Völker und imkert auch mit ihren Schülern am Mönchshof in Lesum. Sie betreut vier Jungimker gleichzeitig. Eine echte Herausforderung neben dem Job, wie sie am Telefon berichtet. Ich bin gespannt darauf, sie kennenzulernen. Wir verabreden uns am Telefon zum Shoppen in einem Imkereibedarfsladen. Ich freue mich schon riesig darauf. Wie wird sich das anfühlen, einen Imkeranzug zu tragen? Brauche ich eine Pfeife? Als ich aufgelegt habe, trifft schon eine Einkaufsliste per Whatsapp ein. Imkeranzug, zwei Beuten, Farbe für den Beutenanstrich, allerlei Gerätschaften  – die Liste der benötigten Dinge ist lang. Imkern ist offensichtlich kein billiges Hobby.

Weitere Informationen

Bienen rücken immer mehr ins Blickfeld. Imkern ist in. Doch wie wird man zum Imker? Wie kommt man an Honigschleuder und Schleier, wie an die Bienen? Antworten gibt diese Artikelreihe. In lockerer Folge werde ich über meinen Weg zum eigenen Volk berichten.  


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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 17:47
Diese
,langsame und (auch) demonstrierende‘ Dame
war sich sicherlich darüber im Klaren,
dass 15km/h für einen 🚴🏿‍♀️ ganz schön ...
FloM am 23.10.2019 17:45
"Da sind wir wir letztlich recht nah beieinander"
Häufig ist das so, wenn man erst mal mehr als 140 Zeichen miteinander ausgetauscht hat ...