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Zerstörte Lürssen-Jacht wird nach Hamburg geschleppt

Barbara Wenke 05.12.2018 1 Kommentar

Im Dezember 2018 verließt das schwer beschädigte Schwimmdock Bremen-Vegesack in Richtung Hamburg. (Archivfoto)
Im Dezember 2018 verließt das schwer beschädigte Schwimmdock Bremen-Vegesack in Richtung Hamburg. (Archivfoto) (Christian Kosak)

Das bei einem Großbrand Mitte September beschädigte Schwimmdock der Lürssen-Werft hat Bremen verlassen. Am Mittwochmittag machten sich drei Schlepper der Bugsier-, Reederei- und Bergungs-Gesellschaft mit dem hellgelben Dock samt zerstörter Luxus-Jacht im Bauch auf den Weg zur Werft Blohm + Voss in Hamburg.

Langsam, Meter für Meter, schleppten die Schwesterschiffe „Bugsier 2“ und „Bugsier 3“ sowie die größere „Bugsier 10“ kurz nach ein Uhr das riesige Schwimmdock Richtung Fahrrinne. Kaum merklich bewegte sich der Koloss vorwärts. „Das Problem ist nicht, das Dock von seiner Liegestelle abzuziehen“, sagte Ältermann Peter Marcus. „Die Schwierigkeit ist vielmehr, in Schwung zu kommen“, so der Repräsentant der Lotsenbrüderschaft Weser 1.

Der ursprünglich geplante Ablegetermin am frühen Morgen war zuvor verschoben worden. Wie der WESER-KURIER aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, fehlte ein für die Genehmigung erforderliches Papier. Dabei hatten die drei Schlepper bereits vor sieben Uhr Position bezogen. Auch die Lotsen waren schon an Bord. Nach zwei Stunden des Wartens wurde die Aktion jedoch abgeblasen und die quer zum Fahrwasser liegende „Bugsier 2“ zurück an die Pier verlegt.

Die Verzögerung beim Ablegen dürfte den Schlepperführern geholfen haben, den Verband in Bewegung zu setzen. Während sie bei einem Start am frühen Morgen stundenlang gegen die Strömung hätten anziehen müssen, drehte die Tide nun kurz nach dem Ablegen von auf- zu ablaufendem Wasser. So konnte der Schleppverband größtenteils mit der Strömung fahren.

Luxusjacht gilt als Totalschaden

Ein dreitägiger Großbrand hatte das Schwimmdock und die Jacht, deren Bau schon weit fortgeschritten war, Mitte September beschädigt beziehungsweise zerstört. Die Luxusjacht gilt als Totalschaden. In der Branche kursiert eine Schadenssumme in Höhe von 700 Millionen US-Dollar – was mehr als 610 Millionen Euro entspricht. Darüber hatte das Branchenmagazin „Tradewinds“ vor ein paar Wochen berichtet.

Trotz der gewaltigen Ausmaße des manövrierunfähigen Schleppverbands musste das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) die Unterweser nicht für den regulären Schiffsverkehr sperren. Bis zur Huntemündung wäre ein Begegnungsverkehr mit einem großen Seeschiff laut Peter Marcus zwar nicht möglich gewesen, ein Binnenschiff konnte den Verband an der Fährstelle in Motzen hingegen problemlos passieren. Da sich alle Schiffsführer mit Fahrzeugen von mehr als 90 Metern beim WSA anmelden müssen, konnten dessen Mitarbeiter Engpässe vermeiden.

Fotostrecke: Abgebrannte Lürssen-Jacht und Dock werden nach Hamburg abgeschleppt

Die Lotsenbrüderschaft Weser 1 begleitete den Schleppverband bis zur Geestemündung in Bremerhaven. Die "Flusslotsen“, wie sich die Mitglieder der Brüderschaft selbst nennen, kennen alle Untiefen und Strömungsverhältnisse der Unterweser.

In Höhe der Geestemündung endet ihr Einsatzgebiet. Dort übernehmen die Seelotsen der Lotsenbrüderschaft Weser 2 / Jade die Unterstützung der Kapitäne. Die Seelotsen begleiteten die drei Schlepper und das Dock durch die Außenweser bis zur Lotsenversetzstation auf der Nordsee. Den Weg über die offene See musste der Verband einschlagen, da küstennah das Wattenmeer einWeiterkommen unmöglich macht.

Fahrt kann live im Internet verfolgt werden

Von der Lotsenversetzstation bis nach Wedel vor Hamburg übernimmt die Lotsenbrüderschaft Elbe die Hilfestellung. In Wedel findet der letzte Lotsenwechsel statt. Ein Hafenlotse begleitet den Schleppverband bis zu seinem Ziel. Das Schwimmdock soll die zur Lürssen-Gruppe gehörende Werft Blohm + Voss bis Donnerstag um 23 Uhr, erreicht haben. Die Fahrt des Schleppverbands kann im Internet auf der Seite www.marinetraffic.com live verfolgt werden.  

In Lemwerder beobachteten am Mittwoch zahlreiche Bewohner der Außendeichsiedlung das Abdockmanöver. Zur Mittagszeit füllte sich das Plateau vor dem Vereinsheim der DJK Wasserwanderer mit Schaulustigen – von denen viele selbst einmal bei Lürssen gearbeitet haben. „Ich war im Maschinenbau und der Konstruktion tätig“, sagte der Rentner Wolfgang Simoleit. „In dem Schwimmdock habe ich allerdings nie gearbeitet.“ Vermissen wird der Lemwerderaner das Baudock dennoch. Eine gefühlte Ewigkeit gehörte es zu seinem Wohnumfeld.

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Nun, da die gelbe Metallkonstruktion fort ist, müssen sich die Anwohner an einen neuen Anblick gewöhnen. Jahrelang schauten sie auf das 219 Meter lange und 45 Meter breite Schwimmdock aufder gegenüberliegenden Weserseite. Begann sich dort in der Vergangenheit die Stirnseite zu öffnen, wussten die Lemwerderaner, dass in Kürze eine neue Superjacht zum Vorschein kommen würde. Lürssen hatte das Dock 2004 von der insolventen Flender-Werft in Lübeck übernommen.

Für die Bremer Feuerwehr war der Brand im Schwimmdock der Lürssen-Werft der personell größte Einsatz der Nachkriegsgeschichte. Gut drei Tage dauerte es, bis das Feuer gelöscht war. Zur Unterstützung der Berufsfeuerwehren und der freiwilligen Feuerwehren aus dem Umland war sogar die Werkfeuerwehr der Meyer-Werft aus dem 110 Kilometer entfernten Papenburg angerückt. Insgesamt waren 900 Feuerwehrleute im Einsatz.


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Leserkommentare
darkstarbremen am 21.10.2019 19:36
Endlich ein richtiger Ansatz in der Ausbildung. Das ist sehr zu fördern. Und was wird mit den anderen Studiengängen in der Pflege in Bremen?
darkstarbremen am 21.10.2019 19:31
Inwiefern wurden denn die Gehälter der Pflege in Kliniken gedrückt? Der TVÖD Pflege in den Kliniken wurde nicht gesenkt. Das ist auch richtig so. Nur ...