Sung-Rim Park ist die neue Kirchenmusikerin der Hachestadt / Der Kantorei gehen die Tenöre aus "Die Orgel ist das Instrument Gottes"

Syke. Ihr Herz schlägt für Bach, Johann Sebastian Bach. Weil sie nicht weiter auf die englische Übersetzung zurückgreifen wollte, um seine Werke zu verstehen, beschloss die Südkoreanerin Sung-Rim Park, Deutsch zu lernen. Inzwischen spricht sie es sogar fast akzentfrei. Davon konnte sich die Syker Christuskirchengemeinde beim Gottesdienst am Sonntag überzeugen. Denn: Sung-Rim Park heißt die neue Kirchenmusikerin der Hachestadt. Sie hat die Nachfolge ihres Vor-Vorgängers Klaus-Jürgen Buchroth angetreten, der mit seiner Frau nach Peru ausgewandert ist.
08.02.2011, 05:00
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Syke. Ihr Herz schlägt für Bach, Johann Sebastian Bach. Weil sie nicht weiter auf die englische Übersetzung zurückgreifen wollte, um seine Werke zu verstehen, beschloss die Südkoreanerin Sung-Rim Park, Deutsch zu lernen. Inzwischen spricht sie es sogar fast akzentfrei. Davon konnte sich die Syker Christuskirchengemeinde beim Gottesdienst am Sonntag überzeugen. Denn: Sung-Rim Park heißt die neue Kirchenmusikerin der Hachestadt. Sie hat die Nachfolge ihres Vor-Vorgängers Klaus-Jürgen Buchroth angetreten, der mit seiner Frau nach Peru ausgewandert ist.

Ihre Vorgängerin Imke Marks hat es nach Informationen dieser Zeitung nicht lange in Syke ausgehalten und noch innerhalb der Probezeit ihren Job an den Nagel gehängt.

Wenn die 34-jährige Südkoreanerin in diesen Tagen die wenigen Schritte vom Gemeindehaus zur Christuskirche geht, der Wind um das Gotteshaus pfeift, kommt sie sich vor wie an der Nordsee. Gut, für eine, die bis vergangene Woche als Kirchenmusikerin im Erzgebirge gelebt hat, liegt Syke eben an der Nordsee. Während andere Schäfchen beim Betreten der Christuskirche zu frösteln beginnen, entgegnet Sung-Rim Park: "Ich bin Kälte gewöhnt." Im sächsischen Burgstädt sei es stets knackig kalt gewesen. Und verschneit. Da sie nebenbei in Hannover Kirchenmusik A studiert, also ein Aufbaustudium absolviert, gestaltete sich die Pendelei äußerst schwierig. "Die Züge hatten im Winter manchmal über zwei Stunden Verspätung", erzählt Sung-Rim Park.

Was für ein Segen, dass sie nun eine Stelle innerhalb der Hannoverschen Landeskirche gefunden hat. Durch ihre Elternzeit-Vertretung im Landkreis Gifhorn kennt sie sich mit deren Liturgie bereits bestens aus. In der Hachestadt hat Sung-Rim Park eine Dreiviertelstelle: 37,5 Prozent als Orgellehrerin sowie 37,5 Prozent als Kirchenmusikerin. Befristet auf insgesamt fünf Jahre. Bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen wird die Christin allerdings nicht an der Orgel sitzen.

Ja, Christin. "In Südkorea gibt es 40 Prozent Christen. Dreißig Prozent davon sind evangelisch", rechnet Sung-Rim Park vor. Ihre Mutter sei Pastorin in der Hauptstadt Seoul. Neben Amerika würde Südkorea die meisten Missionare in die Welt aussenden, weiß die Kirchenmusikerin. "In Südkorea gibt es viele Klassik-Fans. Deutschland ist für sie mit Bach, Beethoven, Händel und Brahms das Land der Musik. Darum studieren auch so viele Südkoreaner in der Bundesrepublik Kirchenmusik", sagt Sung-Rim Park. Für sie sei die "Orgel das Instrument Gottes". "Als Kind wollte ich eigentlich Pianistin werden. Aber mit 15 Jahren musste ich meinen Traum aufgeben, weil meine Hände zu klein waren", erzählt sie lachend. Überhaupt sei sie ein sehr humorvoller Typ. Sie hofft, dass diese Charaktereigenschaft auch bei ihren Orgelschülern ankommen wird. Aber die müsse sie sich erst suchen, sagt Sung-Rim Park. Also ruft sie alle Interessierten, auch außerhalb der Grenzen des Kirchenkreises Syke-Hoya, auf, bei ihr

Orgel zu lernen. "Ich komme sogar zu den Schülern nach Hause", wirbt Sung-Rim Park. Auskunft erteilt das evangelischen Gemeindebüro unter der Telefonnummer 04242/4007.

Stichwort Nachwuchs-Förderung: Auch für die beiden Chöre, die von ihr geleitet werden, ist Sung-Rim Park auf der Suche nach weiteren Sängern. "In der Kantorei gibt es momentan keinen einzigen Tenor", bedauert die 34-Jährige, die in Leipzig ihr Orgeldiplom abgelegt und in Detmold Kirchenmusik studiert hat. Überall würden Gospelchöre aus dem Boden schießen. Klassische Musik würde da von vielen als weniger attraktiv empfunden. Und wenn dann noch die Chorprobe am Sonntagabend stattfindet wie in Syke. "Da läuft doch immer der Tatort im Fernsehen", wittert Sung-Rim Park eine große mediale Konkurrenz.

Wer weiß, vielleicht schafft sie es ja mit ihrer humorvollen Art, den einen oder anderen vom Sofa zu holen.

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