Dart Die verflixte Jagd auf die 180

Bassum. Die Flying Darts aus Bassum messen sich mit den besten Steeldart-Teams aus Bremen und umzu. 'Natürlich freuen wir uns über sportliche Erfolge, aber dennoch steht der Spaß im Vordergrund', erzählt Robert Kadisch.
18.08.2010, 00:51
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Die verflixte Jagd auf die 180
Von Malte Bürger

Bassum. Zigarettenrauch wabert durch die Luft, irgendwo wird mit einem lauten Zischen eine Bierflasche geöffnet. So ganz ohne das Klischee des klassischen Kneipensports geht es eben nicht. Aber das soll auch gar nicht anders sein, darin sind sich die Mitglieder der Flying Darts aus Bassum einig. 'Wir sind so eine Art Freundeskreis, das ist für uns nicht nur reines darten', schildert Vereinspräsident Frank Bernard.

Mitte der 80er Jahre begannen die ersten Akteure der Gruppe damit, Pfeile auf die gemusterte Korkscheibe zu werfen, seit 1989 gibt es die Flying Darts offiziell als eingetragenen Verein. 'Seit dieser Zeit sind wir auch im Ligabetrieb angemeldet', erklärt Gründungsmitglied Rolf Hartmann. Ursprünglich hätten die Bassumer eigentlich in einer niedersächsischen Liga an den Start gehen müssen, doch aufgrund der relativ wenigen Teams auf Landesebene und damit verbundenen weiten Fahrten für ein Duell klopften die Bassumer beim Bremer Verband (HBDV) an. Dort sagte man sofort zu - seither messen sich die Flying Darts mit den besten Steeldart-Teams aus der Hansestadt und umzu.

Aufstieg abgelehnt

'Natürlich freuen wir uns über sportliche Erfolge, aber dennoch steht der Spaß im Vordergrund', erzählt Robert Kadisch. 'Daher gibt es bei uns gute Spieler, ganz gute und sehr gute', fügt er augenzwinkernd an. Und damit auch die schwächeren Akteure dem Verein die Treue halten, immer wieder gern und ohne Versagensangst an die Scheibe treten, bleiben die Bassumer - trotz des Aufstiegs - bewusst in der vierten, der Bezirksliga. 'Angenommen, wir haben acht Spieler bei einem Punktspiel, dürfen aber nur sechs im Einzel und Doppel aufstellen, dann würden wir nie nur die sechs besten nehmen', bekräftigt auch Günter Huhn. 'Bei uns soll jeder zum Einsatz kommen.' Eine Einstellung, die Wirkung zeigt. 'Ich weiß nicht, wie oft ich schon verloren habe', meint Sandra Osmers, derzeit einzige Frau der Flying Darts und sehnlichst auf der Suche nach Verstärkung. 'Aber ich bin immer wieder gern dabei, es macht einfach Spaß, hier zu spielen.'

Die gute Laune ist auch beim Training allgegenwärtig - vor allem weil Günter Huhn ein wenig die Rolle des spielenden Coaches übernommen hat und sich immer wieder Übungen ausdenkt, die einerseits die Stimmung, andererseits das Können fördern. Mal wird unkonventionell im Dunkeln geworfen, dann wieder gezielt auf bestimmte Felder. Und natürlich werden auch die Doppel- und Dreifachfelder auf der Scheibe so gut es geht malträtiert. Schließlich gibt es dort die meisten Punkte, so lassen sich möglichst schnell die geforderten 501 Punkte abbauen, um ein sogenanntes Leg beziehungsweise einen Satz zu gewinnen. Zum perfekten Spiel, dem sogenannten Neun-Darter, den es manchmal bei den Profis im Fernsehen zu bestaunen gibt, hat es aber noch nicht gereicht. 'Wir freuen uns schon riesig, wenn jemand mal eine 180 wirft', erzählt Robert Kadisch. Drei Treffer in das gerade einmal acht Millimeter breite Triple-Feld der 20 also - selbst diese Höchstpunktzahl beim Wurf mit drei Darts kommt nicht häufig vor, zumindest bei den Bassumern nicht.

Die großen Stars der Szene, die dank zahlreicher Übertragungen im Sportfernsehen auch in Deutschland keine Unbekannten mehr sind, schlagen da schon deutlich häufiger zu. Dank der treffsicheren Profi-Darter wie Phil 'The Power' Taylor oder Raymond 'Barney' van Barneveld ist der einstige Nischensport längst zu einem Happening verkommen, bei dem die Zuschauer lautstark gröhlend eine riesige Party feiern, die Besten der Besten zeitgleich riesige Summen verdienen. Ein finanzieller Nebenverdienst ist für die Bassumer nicht möglich, Abgucken dagegen schon. 'Dank der Fernsehübertragungen kann man schön sehen, wie die Profis spielen', erklärt Günter Huhn. 'Wobei man sich von der Technik wenig abschauen kann, aber die Wege, die sie gehen, um das Spiel zu beenden, das ist interessant. Die wählen Möglichkeiten, auf die ich selbst gar nicht gekommen wäre.'

So unerreichbar und unnahbar die ausländischen Ausnahmekönner aber auch sein mögen, mit den besten Spielern Deutschlands hatten auch die Bassumer schon zu tun. Andree Welge und Tomas 'Shorty' Seyler, ebenfalls auf der internationalen Profitour unterwegs, gehören dem Bremer Verband an, sind also manchmal auch auf Turnieren in der Hansestadt außerhalb des Ligabetriebs anzutreffen. 'Unser Rüdiger Free hat einmal die Erfahrung gemacht. Nach seinem Spiel schaute er auf einen Fernseher, der im Hintergrund lief und eine Aufzeichnung eines großen Dart-Turniers zeigte, und blickte uns dann ganz erstaunt an. ,Jetzt weiß ich wenigstens, wer mich da grad nass gemacht hat?, hat er nur noch gesagt', erinnert sich Frank Bernard lachend.

Die Flying Darts aus Bassum trainieren alle 14 Tage donnerstags in der Sport-Arena, Am Schützenplatz 2, ab 19.30 Uhr. Wer Interesse hat, kann ohne Voranmeldung vorbeischauen und mitspielen, sollte aber mindestens 18 Jahre alt sein.

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