Mobiles Labor

Die Wassertester

Auf dem Platz vor dem Verdener Rathaus hat am Montag ein besonderes Vehikel Halt gemacht. Der VSR-Gewässerschutz testete vor Ort Proben aus privaten Brunnen auf ihre Qualität.
24.09.2018, 16:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Marie Lührs

Verden. Ob sie es nun für das Blumengießen, für Tiertränken oder für den heimischen Pool verwenden – die Menschen, die am Montagvormittag auf dem Verdener Marktplatz Proben ihres Brunnenwassers einreichten, hatten alle den selben Beweggrund, den Service des VSR-Gewässerschutz zu nutzen: Sie wollten wissen, welche Qualität das Wasser hat.

Im Zweierteam sind der Physiker Harald Gülzow und der Bundesfreiwilligendienstleistende (Bufdi) Milan Toups noch bis Ende des Monats unterwegs. Mit ihrem kleinen Infomobil machen sie in verschiedenen Städten halt, nehmen Wasserproben entgegen und prüfen diese je nach Wunsch auf verschiedenste Parameter. Die Basisuntersuchung von Nitrat-, Säure- und Salzgehalt erledigt das Team direkt vor Ort im mobilen Labor. Wer detaillierter über die Inhaltsstoffe Bescheid wissen möchte, muss sich ein wenig länger gedulden, denn bis die Ergebnisse feststehen, kann es bis zu zwei Wochen dauern.

„Wofür verwenden Sie ihr Brunnenwasser?“ – mit dieser Frage begann am Montagmorgen vor dem Wagen der Gewässerschützer nahezu jedes Gespräch. In Flaschen abgefüllt überreichte ein Besucher nach dem anderen seine Brunnenprobe, folgte meist der Empfehlung, welche Tests sinnvoll wären, und zahlte den fälligen Betrag. Eine kleine Untersuchung wünschte sich eine junge Frau mit Kind. Salz-, Säure- und Nitratgehalt wollte sie erfahren. Die nächste Kundin ist im Auftrag ihres Mannes da und soll auch den Eisentest in Auftrag geben. „Wir gießen mit dem Wasser unsere Pflanzen. Außerdem möchten wir im nächsten Jahr damit einen Pool befüllen“, erklärt die Dörverdenerin dem Bufdi. Der empfiehlt ihr daher einen zusätzlichen Check auf Bakterien. Die Frage, ob das Wasser zum Baden geeignet ist, bewegt auch Andrea Koch. Die Thedinghauserin nutzt es allerdings auch, um eine Vogeltränke zu befüllen, und möchte sichergehen, dass sie den Tieren damit tatsächlich etwas Gutes tut.

Mit einer individuellen Nummer kennzeichneten die Gewässerschützer eine Flasche nach der anderen. Und schon allein die boten ein buntes Sammelsurium. Plastikflaschen, in denen einst Mineralwasser erworben wurde, Milchflaschen aus Glas, leere Dressingflaschen und Einmachgläser sammelten sich auf dem Tisch des portablen Labors. Doch auch eine Grappa- und eine Whiskyflasche beinhalteten Wasserproben. Gut einen halben Liter sollten Ratsuchende mitbringen.

Die schlechte Nachricht vorweg: „Sie können die Werte nicht beeinflussen“, räumte Gülzow ein. Wer in seinem Brunnenwasser beispielsweise einen zu hohen Nitratanteil habe, sei dem quasi ausgeliefert. Die einzige Hilfe: das Wasser aufwendig aufbereiten – und das könne teuer werden. Umsonst sei das Testen dennoch nicht, schließlich gebe es Auskunft darüber, wofür das Wasser problemlos verwendet werden kann. Außerdem, so hofft Gülzow, können negative Ergebnisse die Brunnenbesitzer dazu motivieren, „auf die Politiker einzuwirken, damit die etwas ändern“. Denn in der Tat, so manche politischen Entscheidungen sind Gewässerschützern ein Dorn im Auge. Beispielsweise die Tatsache, dass Salzbergwerke in Hessen und Thüringen ihre Abwässer in die örtlichen Flüsse ableiten dürfen. „Das ist ein Recht aus den 1930er-Jahren“, ärgert sich Gülzow, und das habe auch Auswirkung auf die Grundwasserqualität. „In der Nähe der Weser ist der hohe Salzgehalt häufig ein Problem.“ Pflanzen gehen ein, Rohrleitungen rosten verfrüht und wer damit seinen Teich befüllt, muss damit rechnen, dass Süßwasserarten darin keine Überlebenschance haben.

52 Proben wurden am Montag bei den Gewässerschützern eingereicht. Für vier Besucher gab es bereits nach einer knappen Stunde das Ergebnis: Nichts zu beanstanden. Nur bei einer Probe war der Nitratgehalt ein wenig erhöht, allerdings sei das bei Weitem noch nicht bedenklich, versichert der Experte. Salz- und Säurewerte entsprachen der Norm. Trinkbar seien jedoch nur zwei der vier Proben – zumindest auf den ersten Blick. Allen anderen Proben steht ein größerer Test bevor.

Dass benachbarte Brunnen eine vergleichbare Wasserqualität liefern, lasse sich übrigens nicht so pauschal sagen, sagt Gülzow. Denn abhängig von der Tiefe der Brunnen können die Testergebnisse ganz unterschiedlich sein.

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