Zugverkehr im Bremer Norden

Wann zwei Züge kommen und wann einer

Mehr als ein Jahr lang musste das Zugangebot im Bremer Norden ausgedünnt werden, weil der Nordwestbahn Triebfahrzeugführer fehlten. Seit 1. September gilt wieder der Regelbetrieb. Eine Bestandsaufnahme.
16.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wann zwei Züge kommen und wann einer
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Wann zwei Züge kommen und wann einer

Ob ein oder zwei Bahnen pro Verbindung fahren, ist vertraglich zwischen der Stadt Bremen, der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und der Nordwestbahn geregelt.

DPA

Weil der Nordwestbahn, wie vielen anderen Unternehmen auch, Triebfahrzeugführer fehlten, wurde der Fahrplan der Regio-S-Bahn-Linie 1 zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bremer Norden ausgedünnt (wir berichteten). Zusätzlich wurden bei etlichen Verbindungen die Kapazitäten reduziert, wodurch deutlich weniger Sitzplätze zur Verfügung standen. Um wieder zum regulären Fahrplan zurückkehren zu können, hat das Osnabrücker Eisenbahnverkehrsunternehmen eine Ausbildungsoffensive gestartet und bildet nun nach eigenen Angaben mehr Personal aus, als benötigt wird. Mittlerweile verfügt die Nordwestbahn wieder über genügend Triebfahrzeugführer und fährt deshalb seit dem 1. September wieder nach dem sogenannten Regelkonzept. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick.

Welche Verbindungen werden nun mit zwei Bahnen gefahren und welche mit einer?

Das Mobilitätsressort und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen haben einen Vertrag mit der Nordwestbahn geschlossen, aus dem auch die Länge der Bahnen hervorgeht. In der Hauptverkehrszeit ist bei den Verbindungen zwischen Vegesack, dem Hauptbahnhof und Verden eine sogenannte Doppeltraktion bestellt, die aus einem dreiteiligen und einem fünfteiligen Wagen besteht. Zwischen Farge und Vegesack ist grundsätzlich nur ein Zug vorgesehen. „Die Verstärkertakte zwischen Bremen-Vegesack und Bremen Hauptbahnhof als neue Leistung ab Dezember 2011 waren ursprünglich durchgehend als einteilige Leistungen mit 297 Sitzplätzen bestellt“, sagt Jens Tittmann, Sprecher von Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne). „Mittlerweile konnten in der morgendlichen Frühspitze die Hälfte dieser Zusatzfahrten verlängert werden. Diese Verdichterleistungen sind auch schwächer nachgefragt, da sie nicht bereits auf der Strecke aus Farge Fahrgäste einsammeln und nicht direkt nach Sebaldsbrück als wichtiges Ziel in der morgendlichen Verkehrsspitze verkehren.“

Warum fahren zu den Minuten 20 und 50 ab Vegesack sowie 19 und 49 ab dem Hauptbahnhof plötzlich nicht mehr zwei Bahnen, sondern nur noch eine?

Zwischen dem 4. Mai und dem 31. August waren die Züge, die während des 15-Minuten-Taktes ausschließlich zwischen Vegesack und Hauptbahnhof pendeln, mit zwei Bahnen unterwegs. Das lag daran, dass die Nordwestbahn im Frühjahr Leihtriebfahrzeugführer gewinnen konnte und zusätzlich erste Mitarbeiter ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Dadurch hatte das Unternehmen wieder mehr Personal zur Verfügung und konnte die Kapazitäten erhöhen. Um die Bahnen wieder in Vegesack zu koppeln, reichte das Personal allerdings nicht. Deshalb wurden ersatzweise und zeitlich befristet die Züge des 15-Minuten-Taktes verstärkt. „Seit dem 1. September werden die Fahrzeuge wieder für den Grundtakt benötigt und die Zwischentakte fahren – wie vor dem Ersatzkonzept auch – planmäßig mit einem Fahrzeug“, sagt Steffen Högemann, Sprecher der Nordwestbahn.

Warum sind nicht alle Verbindungen, zumindest in der Hauptverkehrszeit, mit zwei Bahnen unterwegs?

Dafür stehen der Nordwestbahn aktuell nicht genügend Züge zur Verfügung. Allerdings werden einige der sogenannten Verstärkertakte bereits heute als Doppeltraktion gefahren. Laut Steffen Högemann betrifft das die Verbindungen um 6.51, 7.49 und 08.49 Uhr ab dem Hauptbahnhof sowie um 7.20, 8.20, 9.20 Uhr ab Vegesack. In zwei Jahren tritt der neue Verkehrsvertrag in Kraft, mit dem auch weitere Fahrzeuge auf die Schiene kommen. „Ab Dezember 2022 werden auch die Verstärkerfahrten alle mit mindestens 460 Sitzplätzen angeboten“, verspricht Jens Tittmann.

Sind seit dem 1. September alle Bahnen in der vertraglich vorgeschriebenen Länge unterwegs gewesen?

Nein. Auch wenn der Nordwestbahn nach eigenen Angaben wieder genügend Triebfahrzeugführer zur Verfügung stehen, sind einige Züge trotzdem zu kurz gewesen. Das war zum Beispiel am 2. und 5. Oktober der Fall. Als Grund für die Zugschwächung, wie Eisenbahner es nennen, wenn ein Zugteil fehlt, nannte die Nordwestbahn auf ihrer Internetseite eine Fahrzeugstörung.

Gab es bisher an den Wochenenden Abweichungen vom Regelkonzept?

Ja, allerdings seien die nicht von der Nordwestbahn zu verantworten, betont Högemann. Am vergangenen Wochenende hätten Bauarbeiten der Deutschen Bahn zu Einschränkungen geführt. „Am 4. Oktober konnten einige Verbindungen aufgrund einer Streckensperrung der Deutschen Bahn nicht fahren“, so Högemann. Dadurch seien mehrere Fahrten zwischen Vegesack und dem Hauptbahnhof ausgefallen.

Welche Bilanz zieht das Mobilitätsressort nach einem Monat Regelkonzept?

„An zwei Tagen im September gab es infrastrukturelle Probleme bei DB Netz, die zu Unplanmäßigkeiten im Personenverkehr und damit auch zu Abweichungen bei den Kapazitäten geführt haben, das ist tatsächlich sehr ärgerlich für die Kunden, aber nicht im Verantwortungsbereich der Nordwestbahn“, sagt Tittmann. Daher sei die Bilanz des Mobilitätsressorts durchaus positiv. Dennoch werde das Monitoring aber auch in Zukunft weitergeführt.

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