Erhöhter Wildschwein-Bestand sorgt vielerorts für Probleme, der Landkreis Oldenburg blieb bisher davon verschont

Die Wildnis rückt näher

Vielerorts sorgt eine vermehrte Wildschweinpopulation dafür, dass sich die Landwirte um ihre Felder und die Jäger und Förster um ihre Wälder sorgen. Im Landkreis Oldenburg dagegen ist der Schwarzkittel-Bestand zumindest in den vergangenen zwei Jahren gleich geblieben. Doch Kreisjägermeister Erich Kreye glaubt zu wissen, dass schon bald das nächste Wildschwein-Hoch folgt.
31.10.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Merle Osterthun

Vielerorts sorgt eine vermehrte Wildschweinpopulation dafür, dass sich die Landwirte um ihre Felder und die Jäger und Förster um ihre Wälder sorgen. Im Landkreis Oldenburg dagegen ist der Schwarzkittel-Bestand zumindest in den vergangenen zwei Jahren gleich geblieben. Doch Kreisjägermeister Erich Kreye glaubt zu wissen, dass schon bald das nächste Wildschwein-Hoch folgt.

Landkreis Oldenburg. Seit Jahren fühlt es sich bei uns sauwohl: das Wildschwein. Doch anders als in Uelzen, Celle, Fallingbostel und auch bereits im Landkreis Osterholz klagen die Jäger, Förster und Landwirte vor Ort nicht über eine gefährlich zunehmende Population – zumindest derzeit nicht.

Doch es war auch schon mal anders. Vor zwei Jahren hatte es auch im Landkreis Oldenburg einen enormen Anstieg an Schwarzkitteln gegeben. "Damals hatten wir eine Population von über 520 Tieren", berichtet Kreisjägermeister Erich Kreye. In ganz Niedersachsen belief sich die Zahl der Schwarzkittel damals auf über 55000. 2011 sank die Zahl dann wieder auf annähernd 38000 Schwarzkittel, sagt Kreye. "Im Landkreis hatten wir dann nur noch rund 250 Wildschweine, und in diesem Jahr sind es ähnlich viele." Doch Entwarnung bedeutet das noch lange nicht. Das weiß auch der Kreisjägermeister. "Es ist häufig so, dass die Zahlen zwei oder drei Jahre bergab gehen, und dann wieder eine Spitze auftaucht." Das hänge mit vielen Faktoren zusammen, der Witterung und dem Klimawandel zum Beispiel. Doch der entscheidende Grund sei wohl das große Angebot an Fressen im Sommer und Winter, sagt Kreye. "Vor allem die Eichel- und Bucheckernmast ist ausschlaggebend."

Früher warfen die Bäume nur alle Jubeljahre ihre Früchte, eines der liebsten Nahrungsmittel der Wildschweine, ab. Inzwischen tun sie es beinahe jedes zweite Jahr am Herbstanfang. Die Populationanstiege der Wildschweine sind somit fast vorherzusehen: In einem Mast-Jahr steigt die Zahl, fallen die Früchte nicht, dann sinkt sie. Die Monate, bevor auf die Schwarzkittel im Wald ein reichlich gedeckter Tisch wartet, schlagen sich die Keiler, Bachen und Frischlinge den Bauch im Mais voll. Zusätzlich dienen die riesigen Mais- und auch Rapsfeldern den scheuen Tieren als perfekter Unterschlupf.

Aufgrund der guten Voraussetzungen erreichen Wildschweine laut des Deutschen Jagdschutzverbandes in Deutschland mittlerweile eine Reproduktionsrate von bis zu 300 Prozent im Jahr. Fakt ist also: Die Population steigt immer weiter an, "auf lange Sicht auch im Landkreis. Und die Spitzen werden immer höher", betont Kreye.

Schäden halten sich in Grenzen

Um so erstaunlicher, dass es bisher kaum nennenswerte Schäden gab. "Mir ist nur ein einziger Landwirt in Ahlhorn bekannt, der in diesem Herbst über zerstörte Maisfelder geklagt hat", berichtet Keislandwirt Jürgen Seeger. Schlimmer seien die Schäden, die die Wildschweine im Frühjahr und Sommer anrichten würden. "In der warmen Jahreszeit suchen sie oft auf dem Grünland nach Würmern und wühlen und graben dabei alles um." Den Rasen zu reparieren, sei nicht so einfach, erklärt Seeger.

Auch eine vermehrte Unfallrate mit Wildschweinen, die die Fahrbahn überqueren, blieb im Landkreis bisher aus. Wobei die Polizei nicht zwischen einem Reh und einem Wildschwein unterscheidet, sondern Zusammenstößen mit beiden Arten zu den Wild-Unfällen zählt. "46 waren es 2011, in diesem Jahr sind bisher 42 Karambolagen gezählt worden," erklärt Jennifer Koch, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land.

Es gibt noch eine weiteres Problem, das Wildschweine mit sich bringen können: die Schweinepest. Die Krankheit wird durch Schweine selbst, sowohl Haus- als auch Wildschweine, übertragen und zählt zu den gefährlichsten Schweinekrankheiten überhaupt, die bis heute schwer kontrollierbar und nicht ausgerottet ist. Studien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zufolge tritt die klassische Schweinepest seit Anfang der 90er-Jahre wieder bei Wildschweinen in Deutschland auf. Die letzten bekannten Fälle der Schweinepest bei Schwarzkitteln traten 2009 bei 52 Tieren, schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen, auf. Bei Hausschweinen trat die Seuche zuletzt im Jahr 2006 auf.

"Natürlich stellt die Krankheit eine latente Gefahr dar. Und je mehr Wildschweine es gibt, desto größer ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass eines von ihnen mit dem Virus infiziert ist", sagt Kreisjägermeister Erich Kreye.

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