Digitalisierung im Landkreis Oldenburg

Glasfaseranschlüsse in die Schulhäuser

Der Breitbandausbau kostet Geld, aber die Schulen werden ans Gigabit-Internet angeschlossen. Landrat Harings und die geförderten Schulen berichten Kultusminister Tonne von den Vorhaben im Landkreis.
17.06.2020, 19:30
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Tobias Hensel

Wildeshausen. Rund 520 Millionen Euro wird die niedersächsische Landesregierung in den kommenden Jahren in die digitale Infrastruktur der Schulen investieren können. 470 Millionen kommen aus dem Digitalpakt Schule der Bundesregierung, gut 50 Millionen legt das Land noch mal oben drauf. „Die Corona-Krise hat zu einer regelrechten Digitalisierungsexplosion geführt“, sagt Jens Haar, Schulleiter der Berufsbildenden Schulen (BBS) des Landkreises in Wildeshausen. „Insofern“, das sagt Landrat Carsten Harings mit im Gesicht stehender großer Freude, „kommt und der Digitalpakt Schule nicht ungelegen.“

Vier Schulen haben am Mittwoch, 17. Juni, insgesamt sieben Förderbescheide erhalten, neben der BBS auch das Graf-Anton-Günther-Gymnasium (GAG) sowie die Förderschule für Geistige Entwicklung in Hude und die Förderschule Sprache in Neerstedt. Ob digitale Tafeln, sogenannte White- und Smartboards, oder Investitionen in die Versorgung mit Wireless LAN, die Digitalisierung schreitet unerlässlich voran, und entsprechend müssen auch die Schulen im Landkreis zusehen, dass sie den Anschluss nicht verpassen. Immerhin die Internetanschlüsse werden gelegt: „Wir werden alle Schulen an das Glasfaser-Gigabit-Internet anschließen“, sagt Landrat Harings. Die Arbeiten hatten Ende Januar begonnen und sollen im Sommer kommenden Jahres abgeschlossen sein. In den Augen Haars sei der Breitband-Ausbau insbesondere in einem Flächenlandkreis wie in Oldenburg das „allerwichtigste“.

Um die Möglichkeiten der schnellen Internetverbindungen dann auch angemessen zu nutzen, mussten die Schulen kreativ werden. Zwar stehen ihnen definierte Beträge nach Schulform und Schülerzahl zu, allerdings nur wenn sie vorher sagen können, wozu sie das Geld in die Hand nehmen wollen. Die vier bedachten Schulen wollen die Klassenzimmer mit Smartboards ausstatten. Das GAG plant gar den Aufbau einer IT-Sammlung mit der dann gewissermaßen ein Informatik-Unterricht für Fortgeschrittene ermöglicht werden soll: „In die Sammlung sollen unter anderen die Themen Robotik, Simulationen und Hacking aufgenommen werden. Wir wollen mit unseren Schülern hacken lernen, damit wir ein Verständnis dafür entwickeln, wie Sicherheitsarchitekturen in Software funktionieren“, sagt Wolfgang Schoedel, Schulleiter des GAG. Denn die Digitalisierung bringt viel Neues und damit Unbekanntes in unser Leben. Die Diskussionen über die Gewährleistung des Datenschutzes vor der Einführung der Corona-Warn-App der Bundesregierung hatten das wieder gezeigt. Schoedel warnt gar vor einer Spaltung der technikaffinen Kollegen, denn es werde in Gewohnheiten eingegriffen, was sich schon an den mit beinahe religiösem Eifer geführten Diskussionen über die Wahl des richtigen Betriebssystems zwischen Anhängern von Apple und Microsoft Windows erkennen ließe.

Durch den coronabedingten Ausfall des Unterrichts in den Schulen hatte der Digitalisierungsdruck noch einmal einen neuen Schub bekommen. Ging es vorher vor allem um die technische Aufrüstung der Klassenzimmer, kam plötzlich eine neue Frage auf: Wie kann man Fernunterricht gewährleisten, wenn eine Familie mit drei schulpflichtigen Kindern nur einen Computer hat? Die Beschaffung von Endgeräten für die Schüler war zunächst nachrangig und deshalb erst nicht förderungsfähig. „Aufgrund der Situation durch Corona haben wir diesen Beschluss aufgehoben, was einen ganzen Schub an Anträgen zur Folge hatte“, sagt Minister Tonne und ergänzt, dass „der Digitalpakt nicht in Stein gemeißelt und immer in Bewegung ist“. So können die Schulen jetzt Endgeräte anschaffen, die im möglichen Falle an die Schüler verliehen werden können, sollte es wieder eine Situation geben, in der der Unterricht im Schulhaus nicht stattfinden kann. Dennoch betont der Minister, dass digitale Medien bloß ein Instrument unter vielen seien. „Wir wollen nicht alles komplett digitalisieren, sondern nur dort, wo es sinnvoll ist. Ich werde auch in Zukunft Vokabeln lernen müssen, egal ob diese jetzt in einem Buch oder in einer Smartphone-App stehen“, führte der Minister erläuternd aus.

Die Digitalisierung Deutschlands sei ein Prozess, der etablierte Arbeitsprozesse angreift und alles auf den Kopf stellt, also disruptiv ist. „Wir müssen behutsam vorgehen und alle mitnehmen“, beschreibt der Minister den Weg. Deshalb werden die Mittel des Digitalpakts auch über vier Jahre ausgeschüttet und können noch bis zum Stichtag am 16. Mai 2023 eingereicht werden. Die lange Förderungsperiode ermöglicht es den Schulen zu reflektieren, wie sie auf die Digitalisierung reagieren wollen; zumal jede Schulform einen individuellen Bedarf hat. „Unser Medienbildungskonzept ändert sich momentan sehr stark, zumal wir sehr individualisierten Unterricht anbieten“, beschreibt Katrin Wientges, Schulleiterin der Förderschule Geistige Entwicklung in Hude-Vielstedt, die Situation. Der Weg ins Digitale wird von einigen Forschern als Industrialisierung 4.0 bezeichnet, es ist vielleicht der Weg in eine neue Zeit.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+