Kreis Rotenburg investiert in seine Schulen Viel Geld für die Digitalisierung

Der Landkreis Rotenburg treibt die Digitalisierung der Schulen voran. Allein für die neun kreiseigenen Schulen stehen von 2019 bis 2024 rund 3,3 Millionen Euro zur Verfügung.
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Von Johannes Heeg

Landkreis Rotenburg. Die Digitalisierung der Schulen, sie ist nicht mal eben mit links zu machen. Und sie ist im Landkreis Rotenburg noch längst nicht abgeschlossen, wie jetzt im Schulausschuss deutlich wurde. „Ein sehr komplexes Thema“, so der zuständige Dezernent Sven Höhl, „und sehr dynamisch“. Und leider, so fügte er hinzu, „sind wir noch nicht da, wo wir sein wollen, was Homeschooling, aber auch Homeoffice angeht“.

Klar ist aber: Die Sache geht ins Geld. Sie wird aber auch maßgeblich durch die Aussicht auf Fördermittel vorangetrieben. Im Rahmen des „Digitalpakts Schule“ stehen dem Landkreis für seine neun eigenen Schulen von 2019 bis 2024 rund 3,3 Millionen Euro allein für die Erweiterung der Infrastruktur zur Verfügung. Bereits für dieses Jahr seien rund 1,4 Millionen Euro beantragt und rund 960 000 Euro bewilligt worden. Die Projekte im Einzelnen: Netzwerkausbau BBS Rotenburg 385 000 Euro, Netzwerkausbau BBS Zeven 400 000 Euro, Netzwerkausbau Gymnasien 350 000 Euro, Netzwerkausbau Förderschulen 210 000 Euro, WLAN-Ausbau Gymnasien: 200 000 Euro, WLAN-Ausbau Förderschulen 50 000 Euro, interaktive Tafeln 1,5 Millionen Euro sowie mobile Endgeräte 200 000 Euro.

In allen Schulen sei ein gigabitfähiger Breitbandanschluss vorhanden, überall sei eine interne Vernetzung der Klassen- und Fachunterrichtsräume vorhanden, und auch eine WLAN-Infrastruktur gebe es in jeder der kreiseigenen Schule, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung und Leistungsfähigkeit, heißt es von der Verwaltung.

Zu einer Herausforderung werde zunehmend der Aufwand, der für störungsfreien Betrieb der Schulserver, WLAN-Geräte, Smartboards, Notebooks und Tablets betrieben werden müsse. Emese Stauke, die Leiterin des Amts für „Digitalisierung und IT“, sagte im Schulausschuss, es sei illusorisch anzunehmen, jede Schule werde ihre eigenen Administratoren bekommen, die sich um die Technik kümmern. „Diese Leute gibt es auf dem Markt gar nicht“, sagte sie.

Der Landkreis verfolge daher das Konzept, die Systeme der Schulen von seinem eigenen Rechenzentrum aus zentral zu steuern. Damit verbunden sei der Ausbau der Fernwartung der schulischen IT-Infrastruktur. Das bedeutet, dass zum Beispiel Updates zentral aufgespielt werden, was die Schulen entlasten und die Prozesse wirtschaftlicher und effizienter machen werde. Hierfür sei bereits eine zusätzliche Stelle im Backoffice geschaffen worden. Auch die Service-Teams in Rotenburg und Bremervörde seien mit einer zusätzlichen Stelle für den Support ausgestattet worden. Im Rahmen der Haushaltsplanung 2021 habe der Landkreis Rotenburg mit 1,4 Millionen Euro einen deutlich höheren Betrag für die laufenden Kosten der Informationstechnik (IT) in den Schulen veranschlagt als 2020: Die Aufstockung betrage 814 000 Euro.

Gemeinsam mit den Kommunen im Landkreis sei bereits im Januar die Erarbeitung eines regionalen „Medienentwicklungsplans“ verabredet und eingeleitet worden. Zusammen mit einem Bremer Fachbüro werde seit April ermittelt, was für die Digitalisierung der kreiseigenen sowie auch der kommunalen Schulen benötigt wird, wie diese aussehen soll und was das Ganze in der Anschaffung und im Betrieb kostet. Um zu klären, wohin die Reise geht und um in den Genuss von Fördermitteln zu kommen, müssten die Schulen eigene „Medienbildungskonzepte“ vorlegen. Von den neun kreiseigenen Schulen hätten bisher erst vier ein vollständiges Konzept vorgelegt, drei weitere hätten einen Entwurf, zwei Schulen noch nichts eingereicht. Zusätzlich müssten die Schulträger einen eigenen Medienentwicklungsplan aufstellen, der auf dem jeweiligen Medienbildungskonzept aufbaue.

Wie es vom Landkreis weiter heißt, seien im Rahmen des „Sofortausstattungsprogramms für die Beschaffung mobiler Endgeräte für bedürftige Schülerinnen und Schüler“ innerhalb kürzester Zeit 546 Endgeräte beschafft, konfiguriert und Ende August an die Schulen für die Nutzung beim Home-Schooling verteilt worden. Ans Gymnasium Bremervörde gingen 34 iPads, ans Gymnasium Rotenburg 120 und ans Gymnasium Zeven 61. Die Förderschule Bremervörde hat 30 Notebooks bekommen, die Förderschule Rotenburg 16 Tablets, die BBS Bremervörde 100 Notebooks, die BBS Rotenburg 45 Tablets und 30 Notebooks und die BBS Zeven 110 Notebooks.

Zudem existierten weitere individuelle Lösungen in den Schulen: Das St.-Viti-Gymnasium Zeven arbeite mit elternfinanzierten Geräten, beim Ratsgymnasium werde dieses Modell voraussichtlich zum Schuljahr 2021 eingeführt.

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Zur Sache

Schulen haben Glasfaser im Keller

Tarmstedt. Um ihre drei Schulen fit zu machen für die Digitalisierung, rechnet die Samtgemeinde Tarmstedt als Schulträger mit einer Förderung in Höhe von 664 192 Euro durch das Land Niedersachsen. Zusätzlich könne über das Sofortausstattungsprogramm von Bund und Ländern ein Betrag von 54 302 Euro für mobile Endgeräte beantragt werden, so Schulamtsleiter Henning Aßmann. Nach derzeitigem Stand sollen die Mittel in voller Höhe abgerufen werden.

Bereits angeschafft worden seien 120 Tablets für Schüler und Lehrer aus dem Sofortausstattungsprogramm. Je 24 iPads seien an die Grundschulen Tarmstedt und Wilstedt gegangen, 72 Geräte seien an der KGS Tarmstedt verteilt worden. Die meisten seien bereits in Betrieb, einige müssten noch konfiguriert werden. Einige weitere Tablets könnten noch dazu kommen.

Parallel dazu werde im Moment die Infrastruktur der Schulen ertüchtigt. Glasfaseranschlüsse mit einem Gigabit Bandbreite lägen bereits in den Kellern, in der KGS würden sie bereits genutzt. Zudem werde daran gearbeitet, dass in den Schulen flächendeckend schnelles Wlan verfügbar sei. „Ziel ist, dass das Ende März läuft“, so Aßmann. Covid-19 und die schwierige Lage am Markt für Elektroinstallationsleistungen hätten „den Zeitplan etwas durcheinandergewirbelt“. Vorbereitet werde auch die Anschaffung von digitalen Präsentationsgeräten, beispielsweise digitale Tafeln.

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