Fahrradparcours im Achimer Stadtwald

Dirt-Park droht an der Bürokratie zu scheitern

Achim. Es war einmal ein außergewöhnliches Jugendprojekt in Achim. Mitten im Stadtwald wollten 30 Jugendliche auf einer ehemaligen Panzertrasse der Bundeswehr einen Fahrradparcours mit Sprunghügeln bauen. Doch so einfach ist das nicht.
15.07.2010, 05:51
Lesedauer: 3 Min
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Dirt-Park droht an der Bürokratie zu scheitern
Von Ralf Michel
Dirt-Park droht an der Bürokratie zu scheitern

Die alten Sprunghügel wurden plattgeschoben, doch auf die neuen muss bis nächstes Jahr gewartet werden. Bei den Initiato

Alexander Klay

Achim. Es war einmal ein außergewöhnliches Jugendprojekt in Achim. Mitten im Stadtwald wollten 30 Jugendliche auf einer ehemaligen Panzertrasse der Bundeswehr einen Fahrradparcours mit Sprunghügeln bauen. Doch so einfach ist das nicht.

Die Pläne dafür entwickelten die Jugendlichen selbst und packten im Wald mit an, dass es eine Freude war. Seht, was wir für engagierte junge Leute in Achim haben, freuten sich die Erwachsenen in Rat und Verwaltung. Doch dann war das Märchen auch schon vorbei. Um im Bild zu bleiben: Eine böse Hexe namens Niedersächsische Bauordnung machte den Jugendlichen einen Strich durch die Rechnung.

Die im Vorfeld allgemein gehegte Hoffnung, das Projekt mit viel gutem Willen, aber ohne großen Planungsaufwand über die Bühne bringen zu können, hat sich nicht erfüllt. Keine Rede ist mehr von der 'Alles kein Problem'-Linie, die den Jugendlichen Anfang des Jahres nach ersten Vorgesprächen beim Landkreis Verden vermittelt wurde.

Stattdessen schlägt das Baugesetzbuch in all seiner deutschen Gründlichkeit zu: Der Flächennutzungsplan muss geändert werden, um die planungsrechtlichen Voraussetzungen für einen Dirt-Park zu schaffen. Außerdem ist ein Bauantrag erforderlich. Und auch wenn nach wie vor alle Behörden Wohlwollen für das Projekt bekunden, muss dabei Einiges geklärt werden: Wie stark wird der Fahrradparcours genutzt? Wird eventuell ein Parkplatz benötigt? Was ist mit dem Lärm und anderen Auswirkungen auf die Nachbarschaft? Und was bedeutet der Dirt-Park für den Naturschutz?

Achims Stadtplaner Rainer Rowohlt räumt ein, dass auch er gedacht habe, es gehe lediglich darum, ein paar Erdhaufen aufzuschütten. 'Aber der Landkreis vertritt die Auffassung, dass dies nicht reicht.' Grundsätzlich müsse eben beachtet werden, dass die Entwicklung von Natur und Landschaft erste Priorität im Stadtwald genieße, betont Rowohlt. Nutzungen wie der Waldkindergarten, der NABU-Lehrpfad oder auch ein Waldspielplatz würden zwar akzeptiert, aber nur in einem gewissen Rahmen. Von daher sei die Position des Landkreises nicht neu: 'Der hat schon immer gesagt, dass das nicht ausufern darf.'

Grundsätzlich spreche auch aus Sicht des Kreises nichts gegen den Dirt-Park, so die Einschätzung von Rowohlt. 'Das ist im Vorwege abgeklärt. Aber wir müssen das Ganze planungsrechtlich absichern.' Probleme erwartet Achims Stadtplaner damit nicht - 'ich sehe keine erkennbaren Auswirkungen auf die Nachbarschaft' -, sehr wohl aber einen 'für die Jugendlichen natürlich sehr ärgerlichen Zeitverlust' durch das Planverfahren, das nicht vor dem Winter abgeschlossen sein wird. Womit die Jugendlichen ein komplettes Jahr verlieren.

Die schieben deshalb mächtig Frust: 'Nur weil im Flächennutzungsplan ein farbiger Fleck mit dem Wort ?Dirt-Park? fehlt, müssen wir ein ganzes Jahr warten - das ist es, was einem nicht so in den Kopf geht', ärgert sich Adam Dybezynski.

Dabei sah alles so gut aus. Schon im Frühjahr hatte die Stadt den Vorläufer des Dirt-Parks - eine illegal geschaffene Hügellandschaft der Jugendlichen - zusammengeschoben und die ersten Vorbereitungen für den neuen Parcours getroffen.

'Was wird aus dem Fördergeld?'

Zusammen mit den jungen Leuten, wohlbemerkt. Die räumten eine Rettungszufahrt komplett frei, entfernten jede Menge Büsche und beseitigten die Reste eines von der Stadt gefällten Baumes, erzählt Alexander Klay. 'Als Nächstes sollte ein Lkw mit dem Sand kommen. Wir hätten abgesteckt wohin der soll, um dann die Sprunghügel mit der Hand zu formen.'

Stattdessen ist nun Warten angesagt. Mindestens bis zum nächsten Frühjahr. 'Versteh? ich nicht. Erst wird hier alles platt gemacht und jetzt geht es plötzlich nicht mehr weiter',schimpft Marcel Lasetzke. 'Und was machen wir jetzt den ganzen Sommer hier?', fragt sein Bruder Björn. Nicht unwichtig auch die Frage, die Alexander Klay aufwirft: 'Was wird aus den 1500 Euro Fördergeldern der Lokalen Arbeitsgruppe Die stehen uns nur noch bis zum Herbst zur Verfügung.'

Mit den zu klärenden Details können die jungen Leute nichts anfangen. Ob ein Parkplatz für die Nutzer des Dirt-Parks notwendig ist? 'Hallo!!! Wir sind Jugendliche, die hier mit ihren Rädern fahren wollen!' Die Versiegelung des Waldbodens durch die Sprunghügel? 'Hier sind vorher jahrelang Panzer gerollt!' Lärm? 'Wo machen wir denn Lärm? Außerdem: Andere Gruppen dürfen den Wald doch auch nutzen!'

Alles nachvollziehbar für Volker Lück, Leiter des Fachdienstes Bauen, Planung und Straßen beim Kreis. Aber eben nur aus Sicht der Jugendlichen, nicht aus der Sicht der Baugesetzgebung. Der offizielle Genehmigungsweg sei ohnehin unumgänglich, letztlich aber auch für alle der bessere Weg, ist Lück überzeugt. 'Das Problem ist doch, wenn so etwas ohne Genehmigung läuft und dann kommt eine Beschwerde, dann sind wir ohnehin im Verfahren - dann machen wir es doch lieber gleich.'

Wie sein Achimer Kollege Rainer Rowohlt erwartet auch Lück für die Genehmigung des Dirt-Parks keine Probleme. 'Aber es dauert sehr lange.' Welche Folgen dies für das Projekt haben könnte, ist dem Fachdienstleiter durchaus bewusst: 'Möglicherweise haben wir am Ende einen schönen Bauantrag, aber keine Jugendlichen mehr.'

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