Schafzucht Bargmann Drei auf einen Streich

Lilienthal. Wilma und Hartwig Bargmann freuen sich über Drillingslämmer. Die beiden züchten seit über 30 Jahren Schafe in Lilenthal.
05.01.2010, 16:50
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Drei auf einen Streich
Von Undine Zeidler

Lilienthal. 'Lämmi, lämmi', ruft Wilma Bargmann mit erhobener Stimme. Sie trägt einen Topf mit lauwarmem Wasser, darin drei Baby-Flaschen. Drei kleine Wesen kommen ihr flink entgegen gesprungen: Schwarzkopflämmer, Drillinge, geboren am 27. Dezember in Kleinmoor. Nicht einmal kniehoch sind sie. Ihre dunklen Augen blicken der Frau erwartungsvoll entgegen. Die beugt sich mit zwei Flaschen in der Hand in die Box und sagt liebevoll: 'Ja, ihr habt Hunger. Ich bin ja nun da.' Gierig schnappen zwei Mäuler nach den Saugern. Das dritte Lamm stillt seinen Hunger am Euter der Mutter.

Nach frischem Heu riecht es in dem Stall, den Wilma und Hartwig Bargmann scherzhaft Kreißsaal nennen. Vier Mutterschafe stehen derzeit mit ihren neu geborenen Lämmern darin, eines davon das Muttertier mit den Drillingen.

Die sind für Bargmanns etwas ganz Besonderes. Gemeinsam rechnen sie nach: Seit über 30 Jahren züchten sie als Hobby-Landwirte Schwarzkopfschafe - die Drillingsgeburt ist die erste in ihrem Stall, sagt Wilma Bargmann mit einem ganz besonders stolzen Lächeln.

'Es ist nicht alltäglich', stimmt Frank Meyer zu. Er ist der Pressewart des Stader Schafzuchtverbands. Allerdings sei es auch nicht so eine große Besonderheit, schränkt er ein. Etwa bei jeder dritten oder vierten Geburt seien Drillinge zu verzeichnen. Schwarzkopfschafe gehören gemäß Meyer gemeinsam mit den Texelschafen zu den am häufigsten gezüchteten Schafsrassen in der Region.

Auf dem Hof leben neben den Schafen bei den Bargmanns noch Katzen und Hündin Lisa sowie Ponys und Galloway-Rinder von Tochter und Schwiegersohn. 'Tiere sind unser Hobby', sagt Wilma Bargmann. Eines, welches derzeit für kurze Nächte sorgt.

Alle vier bis fünf Stunden schlüpft das Ehepaar in seine Stallkleidung und trägt die Milchflaschen in den Stall. Um 8 Uhr geht es los. Bei Drillingen könne ein Mutterschaf nicht alle drei Lämmer versorgen, erzählt Wilma Bargmann. Das Mutterschaf in der Nebenbox ist die Amme für einen Drilling. Einmal am Tag melkt Wilma Bargmann dafür das Tier, sagt sie. Die letzte Flasche gibt es gegen Mitternacht, erzählt Hartwig Bargmann und bezeichnet die Drillingslämmer schmunzelnd als einen 'Full-Time-Job'.

Liebevoll spricht Wilma Bargmann wieder mit den krausfelligen Tieren. Nennt sie Yellow und Karo - nach den gelben und dem karierten Stoffbändern, womit sie die Tiere in den ersten Tagen nach der Geburt gekennzeichnet hatten. Auf diese Weise behielten die Züchter den Überblick, wie viel jedes der Tiere gesoffen hatte. Bei keinem durfte es zu viel sein, denn 'Überfressen ist gefährlich', sagt Wilma Bargmann. Gut vier Wochen wird das Flaschenritual noch dauern. Danach werden die Drillinge wohl schon Rübenschnitzel und Heuspitzen knabbern, erzählt Wilma Bargmann aus ihrer Züchtererfahrung. Sie freut sich schon darauf, wenn im Frühling bei Sonnenschein die Lämmer zum ersten Mal auf die Weide dürfen. 'Die springen dann richtig', sagt sie lächelnd und deutet mit der Hand die Höhe an. Wehmütig wird hingegen ihre Stimme, wenn sie an den Herbst denkt. Dann kommt der Viehhändler und wird die Jungtiere abholen. Was aus ihnen wird, wissen sie nicht, sagt Hartwig Bargmann. Wichtig ist ihm: 'Sie

gehen lebendig vom Hof.' Seine Frau ergänzt vehement: 'Wir essen kein Schaffleisch und kein Lammfleisch!'Namen werden die Lämmer keine bekommen. Diese zu vergeben, damit haben sie schon vor Jahren aufgehört, sagen die Bargmanns. Weil es zu viele Tiere geworden sind. Doch davon merken die Jungtiere nichts. Satt und zufrieden tollen sie um ihre Mutter herum. Kurz darauf, von wohliger Schläfrigkeit erfasst, drängen sie sich unter der Wärmelampe aneinander und legen sich zum Schlafen auf das Heu.

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