17 Kinder bauen in nur drei Tagen bei der Kinderakademie der Bürgerstiftung eine ganze Eisenbahnanlage Durch Lilienthal fährt schon jetzt ein Schienenfahrzeug

17 Kinder lernten jetzt bei der Kinderakademie der Bürgerstiftung den Umgang mit Plastikkleber, Holzleim, Drähten, Strom, Säge und Farbe. Nach drei Tagen eifrigen Bastelns präsentierten sie im Conrad-Naber-Haus der Bürgerstiftung an der Klosterstraße das Ergebnis: eine Modelleisenbahnanlage mit Häusern, einem Bahnhof, einem See, einem Tunnel und sogar einer Rehfamilie.
28.07.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Kessels

17 Kinder lernten jetzt bei der Kinderakademie der Bürgerstiftung den Umgang mit Plastikkleber, Holzleim, Drähten, Strom, Säge und Farbe. Nach drei Tagen eifrigen Bastelns präsentierten sie im Conrad-Naber-Haus der Bürgerstiftung an der Klosterstraße das Ergebnis: eine Modelleisenbahnanlage mit Häusern, einem Bahnhof, einem See, einem Tunnel und sogar einer Rehfamilie.

Lilienthal. Lilienthal hat wieder ein Verkehrsmittel auf Schienen. Wenn 17 Kinder sich darum kümmern, muss nicht über 20 Jahre diskutiert, gestritten und geplant werden wie bei der Straßenbahn, dann reichen drei Tage, und in Lilienthal fährt sogar eine Eisenbahn. Allerdings – Halt macht sie in Lilienthal nicht, ihr Bahnhof heißt "Kalihausen Hbf".

"Kali" steht für "Kinderakademie Lilienthal", wie Karin Steinecke erklärt. Die Kinderakademie der Bürgerstiftung hatte zu einer Ferienspaßaktion eingeladen, und 17 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren waren in das Conrad-Naber-Haus an der Klosterstraße gekommen, um unter Anleitung von Karin Steinecke, Eugen Bechmann und Bertold Kirst eine Modelleisenbahnanlage in der Spurweite H0 (Maßstab 1:87) zu bauen. Das Material einschließlich eines Güterzugs mit Diesellok des Herstellers Roco stiftete das Spielwarengeschäft Haar, auch Angelika Amelung, die in Lilienthal Modellbauseminare anbietet, steuerte einiges bei.

Nach drei Tagen war die Anlage fertig – mehr oder weniger. "Fertig wird eine Modellbahn nie", meint Bertold Kirst. Aber die Häuser stehen, am Rand erhebt sich ein Gebirge mit einem Tunnel, und der neun Jahre alte Niklas kann sich den Trafo schnappen und den Zug auf die Reise schicken. "Warum fährt der nicht?", wundert er sich. Das Signal steht auf "Halt". Also klappt Yannick es hoch, und ab geht es mit Vollgas, aber nicht weit, dann entgleist der Zug. "Du warst zu schnell", behauptet Yannick. "Du hast das Signal zu schnell hochgeklappt", behauptet Niklas.

Niklas hat Übung mit Modellbahnen, er besitzt eine Fleischmann-Anlage, ebenfalls im Maßstab H0, während Sören, zehn Jahre alt, auf die Technik des Konkurrenten Märklin schwört. Deren Anlagen zeichnen sich durch eine Stromschiene in der Mitte der Gleise aus. "Ich habe aber gerade ein technisches Problem", erzählt Sören: ein Kurzschluss hat die ganze Anlage lahmgelegt, die Ursache ist noch nicht gefunden. "Wenn ein Waggon entgleist, gibt es Funken", sagt Sören – das liegt an der Stromschiene in der Mitte. "Bei mir funkt es nur, wenn ein Zug hält", sagt Niklas.

Der achtjährige Marcel darf oft bei seinem Opa Züge fahren lassen, zusammen mit seinem Cousin Jöran. Gebaut wird an der Anlage nicht mehr. "Die ist fertig, die hatte mein Opa schon als Kind." Und sein Opa ist inzwischen 72, seine Modellbahn also schon ein Oldtimer. Antikes hatte auch Bertold Kirst mitgebracht, das funktionierte aber nicht mehr. "Kopfsteinpflaster-Straße" steht auf einer Schachtel des Zubehörherstellers Busch, das Foto zeigte einen Mercedes 250 SL und einen VW Golf der ersten Serie, beide von Wiking und aus den siebziger Jahren. Nanu, warum verwendet ein Hersteller so alte Fotos für seine Schachteln? "Die lag 30 Jahre bei mir im Schrank", erklärt Bertold Kirst. Jetzt hat er sie zufällig wieder in die Hände bekommen, musste aber feststellen, dass das Straßenband völlig verklebt und nicht mehr zu benutzen ist. Da wurde die Straße eben aus schwarz angemalten Papierstreifen hergestellt. Sie führt hinten am Hauptbahnhof von Kalihausen vorbei, den Linnea, die zehnjährige Tochter von Karin Steinecke, zusammengebaut hat.

Bei ihr zu Hause besitzt die ganze Familie eine Modellbahnanlage, sie ist für Häuser und Landschaft zuständig. Deshalb hat sie trotz ihrer zehn Jahre schon genug Erfahrung mit dem vertrackten Plastikkleber, der eigentlich gar kein Kleber ist, sondern ein Kaltschweißmittel, das Polystyrol anlöst, so dass der Kunststoff selbst zu kleben beginnt. Tino, neun Jahre alt, hat etwas Kleber an seine Finger bekommen, und ein Dachfenster des Hauses, das er gebaut hat, hat eine blinde Stelle, aber Linneas Bahnhof ist perfekt, sogar Briefkasten und Uhr hängen da, wo sie hingehören. "Die Uhr musste ich eine Weile halten, bis der Kleber abgebunden hatte", erklärt sie – dazu ist eine ruhige Hand nötig.

Autos und Personen fehlen noch

Ihr Bruder Jonte hat den See gebaut: Raufasertapete blau bemalt, dann eine Klarsichtplatte aus Acryl darübergeklebt. Der See entsteht aus einem Fluss, der aus dem Felsengebirge am Rand der Anlage entspringt. Das hat Florian zusammen mit Emil und Linus modelliert, teils aus Styropor, teils aus Modellgips, der mit schwarzer Farbe vermischt wurde. An der Felswand, hinter der der Zug durch den Tunnel fährt, führt eine Leiter empor. "Das ist ein Wanderweg", meint Florian – aber ob da jemals ein Wanderer hinaufkraxeln wird? Der Rehfamilie, die oben unter den Tannen steht, kann es nur recht sein, wenn der Wanderweg möglichst unbequem ist. Aber, so Bertold Kirst, in einem weiteren Arbeitsschritt soll die Anlage vervollständigt werden, noch fehlen Autos und Personen, und in einem Lötkurs für Kinder soll sie auch mit Ampeln, Baustellenlampen und anderer Beleuchtung ausgestattet werden.

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