Movelo: Elektromobilität hat noch keine Durchschlagskraft im Tourismus E-Bike-Netz wird löchrig

Bremen-Nord. Das Geschäft mit Elektrofahrrädern gestaltet sich in der Region offenbar schwieriger als angenommen. Nachdem sich Bremen und die Landkreise Osterholz und Wesermarsch in der vergangenen Saison als Movelo-Region mit einem gut ausgestatteten E-Bike-Netz präsentiert haben, beginnt die Kooperation mit der Firma zu bröckeln.
21.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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E-Bike-Netz wird löchrig
Von Patricia Brandt

Das Geschäft mit Elektrofahrrädern gestaltet sich in der Region offenbar schwieriger als angenommen. Nachdem sich Bremen und die Landkreise Osterholz und Wesermarsch in der vergangenen Saison als Movelo-Region mit einem gut ausgestatteten E-Bike-Netz präsentiert haben, beginnt die Kooperation mit der Firma zu bröckeln. Inzwischen sind die ersten Partner abgesprungen.

Als 2006 die erste Movelo-Region „Berchtesgadener Land“ mit 28 Elektrofahrrädern, sieben Verleihstationen und vier Akkuwechselstationen an den Start ging, war das der Beginn einer geschäftsträchtigen Idee. Heute ist die Firma Movelo mit Sitz in Bad Reichenhall nach eigenen Angaben der größte europäische Anbieter für Elektromobilität im Tourismus: In 80 Urlaubsregionen in Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich, Spanien und Italien können Urlauber demnach mehr als 5000 Elektrofahrräder in mehr als 1500 Verleihstationen erhalten. Rund 1000 Akku-Wechselstationen, wirbt das Unternehmen im Internet, ermöglichten unbegrenzte Mobilität auf den Rädern mit eingebautem Motor.

In ihr drittes Jahr geht jetzt die Movelo-Region Nordsee-Elbe-Weser. Nach Firmenangaben gibt es hier ein Netz aus 50 Verleih- und Akku-Wechselstationen. Doch das Netz wird in der kommenden Saison einige Lücken aufweisen. Heinz-Werner Busse, Betreiber einer Zweirad-Werkstatt in Lemwerder, steigt nach seiner ersten Saison gleich wieder aus dem Geschäft aus. „Ich mach‘ nicht mehr mit. Das rechnet sich nicht“, sagt der Fahrradhändler. Zwei Movelo-Mieträder hatte er im Angebot, „aber die wurden nur drei oder viermal ausgeliehen.“

Busse ist kein Einzelfall in der Wesermarsch. Alle drei bisherigen Verleihstationen haben ihre E-Bikes nach den Worten der Geschäftsführerin der Touristgemeinschaft, Julia Güdde, an Movelo zurückgegeben. Für den Verband Grund genug, sich zumindest vorübergehend komplett aus der Kooperation mit Movelo zurückzuziehen. „Movelo verkauft ein ganzes Netz. Der Mehrwert wurde hier nicht gesehen, zu diesem Netz dazuzugehören“, bedauert Güdde. Die Idee war, dass Betreiber der Movelo-Stationen Neukunden hinzugewinnen. „Der Dominoeffekt ist aber nicht eingetreten“, sagt Julia Güdde. Gleichzeitig hätten die Betriebe bei der Anmietung der Movelo-Räder in Vorleistung treten müssen. „Es ging um nicht unerhebliche Beträge.“ Nun setzt der Verband auf seine 15 Fahrradhändler im Kreis, von denen einige auch E-Bikes verleihen. Dafür dass es auch 2014 zumindest noch einige Movelo-Akku-Wechselstationen im Landkreis gibt, habe Movelo Sonderkonditionen mit den betreffen Betrieben ausgehandelt.

Keine Station in Vegesack

Die Verleiher seien enttäuscht gewesen, dass sie ihre Ausgaben nicht haben refinanzieren können, weiß Movelo-Geschäftsführer Andreas Sänger. Doch das sei kurzfristig gedacht. „Unser Gesamtziel ist, die sanfte Mobilität zu fördern und dem Kunden in der Region einen besonderen Service zu bieten.“ Allerdings muss das Unternehmen auch feststellen: „Elektromobilität hat noch nicht die Durchschlagskraft.“ An Rückzug denkt Movelo dennoch nicht. „In Norddeutschland war einfach auch das Wetter schlecht“, so Sänger.

2014 können Radtouristen nach Firmenangaben im Raum Nordsee-Elbe-Weser an zwölf Verleihstationen ganzjährig Movelo-Räder bekommen. Einige Veränderungen werde es auch im Kreis Osterholz geben, räumt Thorsten Milenz ein. Er ist für den Landkreis und bei der Touristikagentur Teufelsmoor, Worpswede, Unterweser zuständig für die Kooperation mit dem Unternehmen Movelo. „Das Landhaus Meyenburg macht nicht mehr mit.“ Die erhoffte Besucherfrequenz sei nicht erreicht worden. Doch dafür habe die Touristikagentur im Namen Movelos ein Lilienthaler Hotel als Partner gewinnen können.

Bisher habe sich das Movelo-Konzept bewährt, urteilt Thorsten Milenz. „Im Grunde braucht es drei Jahre, um die Entwicklung abschätzen zu können. Wir gehen jetzt ins dritte Jahr.“ Problematisch sei, dass die Tourismusdichte in der Region lange nicht so hoch sei wie etwa an der Nordseeküste. Im Binnenland könne sich das Movelo-System deshalb nicht selbst bewerben: „Es kommt einem nicht so häufig jemand auf einem E-Bike entgegen.“

Komplett vorbei geht der E-Bike-Trend offenbar an Bremen-Nord. „In Bremen-Nord hat sich niemand gefunden, der Interesse hat“, sagt Holger Bruns, Sprecher der Wirtschaftsbehörde. Doch selbst die Idee, eine Akku-Wechselstation auf dem ehemaligen Gelände der Bremer Bootsbau Vegesack anzubieten, habe sich bisher nicht realisieren lassen. Dass Movelo hier keinen Zuspruch findet, verwundert die Tourismusexperten.

Milenz: „Bremen-Nord hat eine herausragend gute Anbindung an diverse überregional bedeutsame Radwanderwege.“ Den Radtourismus anzukurbeln, steht hier weit oben auf der Liste der Wirtschaftsbehörde. Das Ressort will eine vom ehemaligen Bauamtsleiter Christof Steuer entwickelte Rad-Route neu vermarkten.

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