Windrad dreht sich bald zum letzten Mal Eheleute Lange verkaufen ihre 20 Jahre alte Anlage an ein Windenergie-Unternehmen

Osterholz-Scharmbeck. Die Tage des Windrades an der Bremer Straße sind gezählt. Nach jahrelangen Querelen mit Nachbarn und dem Landkreis Osterholz hat sich Betreiber Henning Lange entschieden, die 20 Jahre alte Anlage an ein Windenergie-Unternehmen zu verkaufen.
05.02.2010, 15:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Lutz Rode

Osterholz-Scharmbeck. Die Tage des Windrades an der Bremer Straße sind gezählt. Nach jahrelangen Querelen mit Nachbarn und dem Landkreis Osterholz hat sich Betreiber Henning Lange entschieden, die 20 Jahre alte Anlage an ein Windenergie-Unternehmen zu verkaufen. Die Firma will die Möglichkeiten des so genannten 'Repowering' nutzen, sprich: Ältere Anlagen werden durch wesentlich leistungsstärkere Mühlen ersetzt. In diesem Fall geschieht das an einem anderen Standort außerhalb des Landkreises. Das Osterholzer Windrad wird demontiert.

Der Schritt, sich von dem Windrad zu trennen, ist Henning Lange und seiner Frau Margrit nicht leicht gefallen. Der bevorstehende Abbau der Anlage ist für sie gleichzusetzen mit der unfreiwilligen Demontage ihres Lebenswerks. 1990 war die gut 30 Meter hohe Anlage des Herstellers 'Enercon' auf dem Grundstück nahe des Wohnhauses errichtet worden. Die Eheleute Lange wollten ein Zeichen setzen, wie sich Energie umweltschonend herstellen lässt. Damals zählten sie zu den ersten Privatleuten im Landkreis, die solche Windmühlen errichteten.

Nach wie vor sind die Langes überzeugt davon, dass es keinen besseren Weg gibt, als allein durch die Kraft des Windes Strom zu erzeugen. Dennoch haben sie sich vor gut einem Monat entschieden, ihre Anlage aus den Pionierzeiten dieser Technologie zu verkaufen. Die Osterholzer wollen damit einen Schlussstrich unter den Ärger ziehen, den sie in den vergangenen drei Jahren durchlebt haben.

Jahrelanges Tauziehen

Angefangen hatten die Probleme 2007, als Nachbarn mit einer Unterschriftenliste gegen die Windkraftanlage der Langes zu Felde zogen. Sie warfen den Betreibern vor, ihre Anlage verursache zu viel Lärm, von den Rotoren gehe ein störender Schattenwurf aus, im Winter bestehe die Gefahr des Eiswurfs und auch die Abstände zu den Nachbargrundstücken entsprächen nicht den Bestimmungen. Auch an der Standfestigkeit des Rades wurde gezweifelt. Mit den Unterschriften gingen die Anwohner zum Landkreis, der als Genehmigungsbehörde weitere Schritte veranlasste.

Die Langes setzten sich gegen die erhobenen Vorwürfe zur Wehr, Anwälte wurden eingeschaltet, Nachweise erbracht, doch am Ende wollte der Landkreis nach Prüfung der Angelegenheit dem weiteren Betrieb nur unter Auflagen zustimmen. Die Rotoren sollten sich nachts nicht mehr drehen dürfen und in Teilen des Jahres sollten sie auch in den Vormittagsstunden still stehen. Als Alternative schlug die Behörde vor, dass das Windrad noch eine gewisse Zeit ohne Einschränkungen weiterlaufen dürfe, aber zugleich sollte ein Zeitpunkt festgelegt werden, wann das Windrad endgültig abgestellt wird. Zwei Jahre waren im Gespräch, aber auch vier Jahre.

Auf die Kreisverwaltung ist Henning Lange nach all dem Tauziehen nicht gut zu sprechen. Er fragt sich, was eine Baugenehmigung in Deutschland noch wert ist, die ursprünglich ohne Auflagen erteilt wurde. Auch die Nachbarn hätten damals dem Bau zugestimmt. Verärgert ist Henning Lange vor allem darüber, dass der Landkreis nicht das Gespräch mit ihm gesucht habe, nachdem die Vorwürfe der Nachbarn laut geworden waren. 'Wenn man der Meinung ist, dass sich die Bedingungen geändert haben, unter denen die Anlage laufen kann, hätte man mit uns reden können', sagt Lange.

Beim Landkreis verweist Dezernent Richard Eckermann darauf, dass die aktuellen rechtlichen Vorgaben erfüllt werden müssen. 'Wer eine Fabrik betreibt, kann sich nicht darauf berufen, dass die Vorgaben für den Emissionsschutz vor 20 Jahren noch ganze andere waren. Der Landkreis kann Nachbesserungen verlangen oder eben Auflagen machen, unter denen der Betrieb weiter laufen darf. Dazu gehört es auch zu prüfen, inwieweit die Maßnahmen noch verhätnismäßig sind. Nichts anderes ist hier geschehen', erklärt der Osterholzer Baudezernent.

Henning und Margrit Lange haben über Monate mit sich gerungen, ob sie die Mühle eingeschränkt weiter betreiben sollen. Doch sie sind keine Träumer, sondern sehen die Angelegenheit auch unter ökonomischen Gesichtspunkten. Ergebnis: Das Windrad wird ihrer Rechnung nach unwirtschaftlich, wenn es sich weniger als bisher dreht. Schon so habe sich der Standort nahe der Hammewiesen als recht windarm erwiesen, was die Menge des erzeugten Stroms und damit auch die Erlöse in Grenzen halte. Was also tun? Per Zufall ergab sich ein Kontakt zu dem Windanlagen-Unternehmen, mit dem man sich schließlich über den Verkauf einigte. In dieser Woche wurde die Angelegenheit nach Klärung weiterer Details unter Dach und Fach gebracht. Demnach ist klar, dass das Windrad demontiert wird.

Interessant ist der Aufkauf von älteren Anlagen durch die Regelungen im Energie-Einspeise-Gesetz (EEG). Weil geeignete Standorte für Windkraftanlagen nur begrenzt zur Verfügung stehen, hat der Gesetzgeber Anreize geschaffen, alte Anlagen abzureißen und durch neue Windräder zu ersetzen, die wesentlich mehr Öko-Strom erzeugen können. Wer solche 'repower'-Anlagen betreibt, erhält eine höhere Einspeisevergütung für den erzeugten Strom. Im konkreten Fall reicht die Anlage der Langes mit ihrer vergleichbar kleinen Nennleistung von 80 Kilowattstunden alleine nicht aus, um diese durch ein modernes Windrad zu ersetzen, das heutzutage ab zwei Megawatt aufwärts Strom produzieren kann. Die Lösung: Aus mehreren kleinen Windrädern mit geringer Leistung wird eine große neue, die dem aktuellen Standard entspricht.

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