Besonderer Besuch in Paris Ein anderer Blick auf die Geschichte

Ganderkesee. Wenn Philipp Glahé, Vorsitzender des Jugendparlaments in Ganderkesee, jetzt anlässlich einer Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift wieder über seine Reise nach Paris spricht, spiegelt sich seine Begeisterung in seiner Stimme wider. Denn die Fahrt nach Frankreich, die der 19-jährige Schüler des Ganderkeseer Gymnasiums im April dieses Jahres unternahm, war keine alltägliche. Er besuchte zusammen mit Niklas Beier und Julian Sieling, die ebenfalls das Gymnasium in Ganderkesee besuchen, die 93 Jahre alte Rachel Cheigam. Die französische Jüdin ist eine ehemalige Widerstandskämpferin, die sich gegen die deutsche Besatzung während des zweiten Weltkriegs, wehrte. "Es ist für mich eine Bereicherung, solche Menschen kennenlernen zu dürfen. Man bekommt dadurch einen ganz anderen Blick auf die Geschichte", sagte Glahé. "Es war ganz einfach ein bemerkenswertes Treffen." Die drei Schüler reisten im Rahmen eines Schulseminars unter dem Titel "Frankreich unter der deutschen
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Ein anderer Blick auf die Geschichte
Von Florian Cordes

Ganderkesee. Wenn Philipp Glahé, Vorsitzender des Jugendparlaments in Ganderkesee, jetzt anlässlich einer Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift wieder über seine Reise nach Paris spricht, spiegelt sich seine Begeisterung in seiner Stimme wider. Denn die Fahrt nach Frankreich, die der 19-jährige Schüler des Ganderkeseer Gymnasiums im April dieses Jahres unternahm, war keine alltägliche. Er besuchte zusammen mit Niklas Beier und Julian Sieling, die ebenfalls das Gymnasium in Ganderkesee besuchen, die 93 Jahre alte Rachel Cheigam. Die französische Jüdin ist eine ehemalige Widerstandskämpferin, die sich gegen die deutsche Besatzung während des zweiten Weltkriegs, wehrte. "Es ist für mich eine Bereicherung, solche Menschen kennenlernen zu dürfen. Man bekommt dadurch einen ganz anderen Blick auf die Geschichte", sagte Glahé. "Es war ganz einfach ein bemerkenswertes Treffen." Die drei Schüler reisten im Rahmen eines Schulseminars unter dem Titel "Frankreich unter der deutschen

Besatzung" nach Paris. "Den Kontakt stellte unsere Lehrerin Christiane Goldenstedt her, die damals über dieses Thema ihre Doktorarbeit geschrieben hatte", erklärte der Vorsitzende des Jugendparlaments.

Bevor der Besuch anstand, überlegten sich die drei Freunde einige Fragen, die sie der in Russland geborenen Jüdin stellen könnten. Schließlich mussten sie über ihre Erfahrungen noch eine Schularbeit schreiben. Im Vorfeld hatten die Schüler zudem ein flaues Gefühl im Magen. Denn wie würde eine ehemalige Widerstandskämpferin junge Deutsche in ihrer Wohnung begrüßen? "Natürlich war es anfangs eine schwierige Situation. Vor allem, weil wir wussten, dass Rachel Cheigam in der Résistance eine leitende Position hatte und auch nicht vor Waffengewalt zurückschreckte", sagte Philipp Glahé.

Dieses unwohle Gefühl sei aber bereits gleich zu Beginn des Treffens verflogen. "Wir wurden so freundlich empfangen und die Atmosphäre war so toll, wie wir es niemals erwartet hätten. Zum Beispiel wurden uns sofort Kuchen und Kakao angeboten", meinte der Schüler. "Es war fast so, wie ein Besuch bei der eigenen Oma." Von einem Groll gegenüber Deutschen war laut Glahé überhaupt nichts zu merken. "Das war früher allerdings anders", sagte er. "Denn noch bis vor wenigen Jahren wollte Rachel nichts mit Deutschen oder mit Dingen, die deutsch sind, zu tun haben." Das habe sich erst geändert, als Glahés Lehrerin Kontakt mit der 93-jährigen Frau im Rahmen ihrer Doktorarbeit aufgenommen hatte. "Dass sie ihren Hass gegenüber den Deutschen überwunden hat, finde ich besonders bemerkenswert", erzählte der Ganderkeseer.

Glahé hält immer noch Kontakt zu Rachel Cheigam. "Ich schreibe immer noch Briefe nach Frankreich", sagte Glahé. "Und am liebsten würde ich bald wieder nach Paris fahren."

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