Anwohner der Hermannstraße wollen den von der Politik angeschobenen Ausbau ihrer Straße nicht Ein Arbeitskreis soll es jetzt richten

260 Meter lang ist das Teilstück der Hermannstraße, das ausgebaut werden soll. Der Zustand der jetzigen Fahrbahn ist schlecht, die Straße schmal, der Verkehr hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Politik ist für den Ausbau, die Anwohner aber fürchten die Kosten.
17.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Marco Julius

260 Meter lang ist das Teilstück der Hermannstraße, das ausgebaut werden soll. Der Zustand der jetzigen Fahrbahn ist schlecht, die Straße schmal, der Verkehr hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Politik ist für den Ausbau, die Anwohner aber fürchten die Kosten.

Hude. Was tun, wenn die Politik etwas will, die betroffenen Bürger sich aber für etwas ganz anderes aussprechen? Vor dieser Frage stehen jetzt Verwaltung, Ratspolitiker und Anwohner der Hermannstraße in der Gemeinde Hude. Die Hermannstraße ist im Bereich zwischen der Blumenstraße und der Maibuscher Bäke in einem schlechten Zustand. Bis hierhin sind sich noch alle einig. Doch während sich die Politik für den Ausbau ausgesprochen hat, plädieren die Anwohner dafür, nichts zu verändern. Sie fürchten, da sie finanziell am Ausbau beteiligt werden, die hohen Kosten. Jetzt hat sich der Ausschuss für Gemeindeentwicklung in seiner jüngsten Sitzung am Mittwoch einstimmig dafür ausgesprochen, einen Arbeitskreis zu gründen, in dem gemeinsam mit Anliegern nach einer Lösung gesucht werden soll.

Zuvor hatte Hans-Rudolf Werner vom Planungsbüro Ingwa vier mögliche Varianten für den Ausbau des Teilstücks der Hermannstraße vorgestellt. Diese Varianten waren zuvor schon in einer Bürgerversammlung diskutiert worden. Dort hatten die Anlieger mehrheitlich zum Ausdruck gebracht, dass sie überhaupt keinen Ausbau wollen. Nur die Hälfte der Anwesenden hat dann, auf Nachfrage, welche Variante denn bevorzugt werde, wenn der Ausbau trotzdem komme, mit abgestimmt. Laut Thomas Settelmeier aus dem Fachbereich Gemeindeentwicklung ist das Abstimmungsergebnis daher nicht aussagekräftig.

Die Hermannstraße ist in dem betroffenen Bereich nur etwa 2,60 Meter breit. Das Pflaster liegt bereits 50 Jahre an Ort und Stelle, im Bermenbereich liegt teilweise Schotter. Der Verkehr an der Straße hat in den vergangenen Jahren zugenommen, durch fortschreitende Bebauung und die sich anschließenden Baugebiete. Auch deshalb soll die Straße ausgebaut werden.

Ausbauvariante 1 sieht eine Fahrbahn mit der Breite von 4,75 bis 5,50 Meter vor. 178000 Euro Baukosten brutto veranschlagt Planer Werner. Die Variante sei komfortabel, auch für den Begegnungsverkehr von zwei Autos. Selbst ein Müllwagen und ein Auto könnten aneinander vorbeifahren. Variante 2 weist die Hermannstraße in diesem Teil als verkehrsberuhigten Bereich aus. 167000 Euro Baukosten fallen an. Die Fahrbahn wäre an der ausgedehntesten Stelle 4,75 Meter breit, zudem gibt es Engstellen von 3,50 Metern. Mindestens zehn Stellplätze werden ausgewiesen. Platz für Grünflächen ist vorhanden. In diesem verkehrsberuhigten Bereich gebe es allerdings keine Straßenreinigung, ergänzte Werner.

Variante 3 sieht einen Ausbau mit der Breite von 4,25 bis 5,50 Meter vor. Der Gehweg bliebe auf der gleichen Linienführung. Im Begegnungsfall von Autos sei das "nicht mehr komfortabel", sagte Werner. Das Minimum läge zwar bei 4,10 Meter Breite. "Aber da muss man Angst um den Außenspiegel haben", sagt Werner. Die Kosten für diese Variante liegen bei 173000 Euro.

Variante 4 kostet mit 119000 Euro am wenigsten. In diesem Fall solle das vorhandene Material wiederverwendet werden. Das alte Pflaster werde aufgenommen und dann neu verlegt. Der Gehweg bliebe sogar ganz liegen. Die Pflasterstraße hätte eine Breite von 4,25 Metern. Dazu käme ein Schotterstreifen von 1,25 Meter. Werner bilanzierte: "Diese Lösung kann ich nicht empfehlen."

Das aber sahen die betroffenen Anwohner anders. Sie plädierten mit sieben Stimmen für Variante 4, sechs entschieden sich für Variante 2. Der Vorschlag der Verwaltung, einen Arbeitskreis zu gründen, stieß im Ausschuss fraktionsübergreifend auf Unterstützung. Bürgermeister Axel Jahnz äußerte Verständnis für die Anwohner: "Wer zahlt schon gerne Erschließungsgebühren." Er erinnerte aber auch an positive Erfahrungen aus Arbeitskreisen am Klosterweg und an der Lessingstraße. Eines sei sicher: "Ein Ausbau in diesem Jahr ist vom Zeitplan her nicht realistisch." CDU-Ratsherr Bernhard Wolff plädierte dafür, in alle Richtungen zu denken. "Vielleicht gibt es sogar eine kostengünstigere privatwirtschaftliche Lösung, auf die sich die Anlieger verständigen können."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+