Fischerhude kämpft gegen Einkauf am Sonntag Ein Ausflugsort, der keiner sein will

Fischerhude. Alte Bauernhäuser, ein idyllisches Dorfbild, Cafés, Galerien und ein Kunstmuseum: Fischerhude bietet viele Gründe für einen Kurzausflug. Trotzdem wehrt sich das Ortsamt dagegen, als staatlich anerkannter Erholungsort eingestuft zu werden.
05.05.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Michael Wilke

Fischerhude. Alte Bauernhäuser, ein idyllisches Dorfbild, Cafés, dazu Galerien und ein Kunstmuseum: Fischerhude bietet genügend Gründe für einen Kurzausflug am Wochenende. Trotzdem wehrt sich das Ortsamt vehement dagegen, als staatlich anerkannter Erholungsort eingestuft zu werden. Denn dann könnten die Geschäfte auch sonntags regelmäßig öffnen - und Touristen würden, so die Befürchtung, Fischerhude überrennen.

Die Besucher kommen aus allen Himmelsrichtungen, gehen in Ausstellungen, trinken Kaffee und flanieren durch den Ort auf der Suche nach einem Mitbringsel. Keramik, Trödel, Kunst - alles was das Herz begehrt, gibt es in Fischerhude zu kaufen. Doch nicht am Sonntag, wenn die meisten Touristen da sind. Dann herrscht in dem Künstler- und Bauerndorf - im Gegensatz zum benachbarten Worpswede - Verkaufsverbot, und das soll nach dem Willen der Fischerhuder auch möglichst so bleiben.

Die Fischerhuder haben damit etwas gemein mit den Galliern aus dem berühmten Dorf in den Asterix-Comics. Während andere Gemeinden alles tun, um Besucher anzulocken, will man in Fischerhude lieber seine Ruhe haben. Bisher lehnt der Ortsrat es deshalb ab, einen Antrag beim Land Niedersachsen zu stellen, damit das Dorf staatlich als Ausflugsort anerkannt wird. Denn das hätte zur Folge, dass die Geschäfte sonntags ganztägig öffnen könnten.

Lange Zeit war es still um das Reizthema 'Ladenöffnungszeiten' und den Sonntagsverkauf in Fischerhude. Doch jetzt beginnt die Diskussion offensichtlich wieder von vorn. Der Arbeitskreis Dorfentwicklung, in dem sich zahlreiche Bürger engagieren, beklagt sich in einem offenen Brief an den Ottersberger Bürgermeister Horst Hofmann, 'dass ein beträchtlicher Teil der ansässigen Geschäfte die gesetzlich vorgesehenen Regelungen im Hinblick auf die Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen nicht einhalten'.

Der Arbeitskreis fordert die Verwaltung zum Handeln auf, damit die Einhaltung der Ladenschlusszeiten stärker kontrolliert werden. Zur Erinnerung: Der Sonntagsverkauf war bereits vor mehr als zehn Jahren eines der beherrschenden Themen im Ort und der Region und beschäftigte Medien in der ganzen Republik. Jetzt gibt es neuen Zündstoff. Dem Arbeitskreis Dorfentwicklung war kürzlich aufgefallen, dass sogar an hohen Feiertagen wie Karfreitag oder Ostermontag mehrere Geschäfte geöffnet hatten, Ladenöffnungszeiten überschritten oder nicht präzise ausgehängt wurden. Verkauf und Beratung sind laut Ladenschlussgesetz mittlerweile auch sonntags erlaubt. Aber die Geschäfte dürfen lediglich drei Stunden geöffnet haben.

Andernorts freut man sich über die Ausnahmeregelungen. In staatlich anerkannten Kur-, Urlaubs-, Erholungs- und Wallfahrtsorten dürfen Ladenbetreiber ihre Geschäfte zwischen dem 15. Dezember und dem 31. Oktober sonntags für maximal acht Stunden öffnen. Voraussetzung ist, dass sie Souvenirs, ortstypische Waren, Devotionalien oder Artikel des täglichen Kleinbedarfs verkaufen. Derzeit sind von dieser Gesetzesabweichung in Niedersachsen rund 180 Orte betroffen, darunter Worpswede und Bad Zwischenahn.

'Sonntags ist immer auf', sagt Kai Faouzi, Vorsitzender der Gewerbevereinigung Worpswede. 'Seitdem wir staatlich anerkannter Erholungsort sind.' Probleme? Beschwerden? Faouzi hat nichts gehört. Sonntags öffnen auch der Aktivmarkt und Lidl. Die Worpsweder und die Besucher wüssten das zu schätzen, sagt auch Holger Lebedinzew, Verwaltungsvertreter des Bürgermeisters.

Ärger über geschlossene Geschäfte

In Bad Zwischenahn kann man die ganze Aufregung um das Thema nicht verstehen. 'Wir sind auf die Sonntagsöffnungen angewiesen', sagt Klaus Wolf, Vorsitzender des Gewerbe- und Handelsvereins. 'Unsere Gäste erwarten, dass die Geschäfte auch sonntags auf sind.' Es habe sogar schon Beschwerden gegeben, als dies einmal nicht der Fall war. 'Und den Geschäften kommt die Regelung schließlich auch zugute', sagt Wolf. 'Schließlich leben wir von dem Umsatz. Und der wird nun einmal vor allem am Wochenende gemacht.'

Auch die Läden am Steinhuder Meer haben an bis zu 40 Sonntagen im Jahr geöffnet. Willi Rehbock, Geschäftsführer der Steinhuder Tourismus GmbH, geht das Gesetz der niedersächsischen Ladenöffnungszeiten nicht weit genug. 'Entweder man erlaubt allen Geschäften zu öffnen oder keinem', sagt er. Die Gewerkschaft ver.di findet das Gesetz ebenfalls zu unkonkret. 'Rein touristische Geschäfte können aufmachen', sagt Richard Schmid, Fachsekretär für den Handel. Aber so, wie das Gesetz derzeit formuliert sei, sei es verfassungswidrig. 'Wir werden alles dafür tun, um das Gesetz zu Fall zu bringen', sagt er.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+