Autor Jürgen Warmbold aus Sudweyhe

Ein Buch als Verdächtiger

Er hat es wieder getan: Autor Jürgen Warmbold aus Sudweyhe bringt mit "Der verschenkte Albtraum" seinen nächsten Krimi heraus. Er ist überzeugt: So eine Geschichte hat sich bislang keiner erdacht.
05.07.2018, 09:46
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Ein Buch als Verdächtiger
Von Sebastian Kelm
Ein Buch als Verdächtiger

"Böses Ende" unumgänglich? Bei Jürgen Warmbolds jüngstem Roman geht es um ein mysteriöses Buch im Buch.

Jonas Kako

Weyhe-Sudweyhe. "Kalte Schreie", "Erfrorene Seelen", "Falsche Schatten" und "Dumpfe Angst" – die bisherigen vier Romane des Sudweyher Jürgen Warmbold, die sich allesamt mehr oder weniger den gängigen Themen und Stilmitteln des Krimi-Genres bedienen. Nicht so sein jüngstes Machwerk. Von dem behauptet er: "Ich habe da etwas geschrieben, das noch keiner so geschrieben hat." Er habe extra in Buchhandlungen nachgefragt, ob den Mitarbeitern dort ähnlicher Stoff bekannt sei. Alle hätten verneint.

Und darum geht es: Protagonist Matthias Böse aus der Nähe von Bremen – in seinen Wohnort Weyhe verlegt der gebürtige Braunschweiger die Handlung diesmal nicht –leidet an Angststörungen. Zu allem Überfluss schenkt seine Frau dem gescheiterten Schriftsteller ein Taschenbuch, das seine Beklemmungen nicht unbedingt lindern. Zunächst stört er sich nur daran, dass "Böses Ende" als Anspielung auf ihn verstanden werden kann, die Hauptfigur dann auch noch genau so heißt wie er und die Autorin zudem den Mädchennamen seiner Gattin trägt. Die aber will nicht die Verfasserin sein, sich lediglich einen Spaß erlaubt haben.

Beruhigt ist der "echte" Böse darüber, dass der fiktive Böse wiederum so gar keine Ähnlichkeiten mit ihm aufweist. Doch dann scheint sich das Buch gegen ihn zu wenden, der Titel für ihn zur unheilvollen Prophezeiung zu werden. Es verändert bei jedem Lesen seinen Inhalt, die Parallelen zwischen den beiden Charakteren häufen sich plötzlich. Äußerlich nähern sie sich frappierend an, auf einmal sind beide Kunstlehrer. Und Geschehnisse in Böses "realem" Leben kann er später zu seinem Erschrecken beim Durchblättern in "Böses Ende" nachlesen. "Zum Beispiel kommt erwarteter Besuch nicht, und als die beiden ihn suchen fahren, entdecken sie dessen verunfalltes Auto an einem Baum", erzählt Warmbold. Das Buch taucht irgendwann noch an Orten auf, an die es nur von Menschenhand befördert worden sein kann.

Er hat anfangs seine Ehefrau im Verdacht, das Buch manipuliert zu haben, dann die Putzfrau, die als einzige sonst Zugang zum praktisch hermetisch abgeriegelten Haus des Paares hat. Eine E-Mail, die dem misstrauischen Mann die GPS-Daten zum aktuellen Aufenthaltsort seiner Frau liefert, stellt dem Autoren zufolge die "große Wendung" dar. Da aber keiner so richtig als Verantwortlicher infrage kommt, bleibt nur das Buch als Verdächtiger. Im "bizarren Finale", so Warmbold, stelle sich die Frage, ob der Tod Wort hält und die Verheißung des Titels umgesetzt wird. Ob es tatsächlich einen Mord gibt, will der Autor nicht verraten. Nur so viel: "Eine Fortsetzung wird es auf keinen Fall geben."

Die Trilogie über den ermittelnden Redakteur Kaltenbach und dem eher melancholisch anmutenden Krimi "Falsche Schatten" hatten gemeinsam, dass es keine reinen Polizeiromane sind. "Und ich habe immer besondere Dinge eingebaut", so der freiberufliche Fachjournalist für technische Themenbereiche über die teils "absurd" wirkenden Elemente seiner Romane. Das Mitglied des Bremer Krimistammtischs, das regelmäßig Anthologien mit in Bremen und umzu angesiedelten Kurzgeschichten veröffentlicht, vermag nicht selbst einzuschätzen, ob "Der verschenkte Albtraum" sein bislang bestes Werk ist. Stolz ist er darauf, ob des ungewöhnlichen Ansatzes aber wie auf kein zweites.

Wobei er sagt: "Zehn oder 15 solcher Ideen habe ich noch. Teilweise reicht ein einziger Satz, um sie zusammenzufassen. Ich brüte die aber nicht aus, sie fliegen mir so zu."

Bei seiner neuesten Veröffentlichung will er ansonsten nichts dem Zufall überlassen. Seine Tochter, selbst Autorin, habe das Manuskript gegengelesen. "Sie gab mir ein paar Tipps, wie ich es noch spannender machen kann", erzählt er. Denn er möchte den Roman diesmal noch gezielter vermarkten als sonst. Auch wenn die Geschichte interessant klingt: An Menschen mit dem Nachnamen Böse sollte das Buch vielleicht nicht unbedingt verschenkt werden.


"Der verschenkte Albtraum" ist am 5. Juni im Selbstverlag erschienen und seither als sogenanntes " Book On Demand " erhältlich. Weitere Infos und Bestellmöglichkeiten gibt es online auf der Seite www.warmbold-krimi.de, eine Leseprobe findet sich hier: www.warmbold-krimi.de/leseproben/der-verschenkte-albtraum.

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