Olympiade in Bremen-Nord

Ein Fest der russischen Sprache

82 Schüler aus 14 Bundesländern kommen nach Bremen-Nord, um bei der 14. Bundesolympiade der russischen Sprache anzutreten. Es geht auch darum, Anknüpfungspunkte an die russische Jugendkultur zu finden.
27.11.2018, 16:52
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniela Schilling
Ein Fest der russischen Sprache

Gesine Zeynalov, Kirsten Addicks-Fitschen, Daria Zeynalov und Sylvette Penning Hiemstra (von links) freuen sich darüber, dass die Lerchenstraße für zwei Tage zum Austragungsort der Russisch-Olympiade wird.

Schilling

Aumund-Hammersbeck. An diesem Mittwoch wird die Oberschule an der Lerchenstraße zu einem Zentrum der russischen Sprache in Deutschland. Insgesamt 82 Schüler sowie begleitende Lehrkräfte aus 14 Bundesländern kommen nach Bremen-Nord, um bei der 14. „Bundesolympiade der russischen Sprache“ anzutreten.

Die Teilnehmer haben sich bereits im Vorfeld auf Landesebene durchgesetzt, sodass nun die besten Russischschüler Deutschlands teilnehmen. In verschiedenen Wettbewerben – wie Hör- und Leseverstehen, Recherche, Textproduktion und einer Präsentation – werden das Wissen und die Fähigkeiten der Schüler getestet. Damit dies voll konzentriert und ungestört geschieht, haben die Lerchenstraße sowie die Bördestraße, die als Austragungsort der mündlichen Prüfung dient, viele Hebel in Bewegung gesetzt.

„Die Lerche zieht aus“, so Kirsten Addicks-Fitschen. In Absprache mit den Lehrkräften der einzelnen Klassen hätte man beschlossen, an den Prüfungstagen geschlossen auf Exkursion zu gehen. "Das sind rund 400 Schüler, alle von Klasse sieben bis neun“, erklärt die Schulleiterin der Oberschule. Sie sei froh über die große Unterstützung durch das Kollegium. In der Bördestraße würde man zudem zusammenrücken und ein komplettes Gebäude für die Olympioniken räumen.

Organisiert und umgesetzt werden die Wettkämpfe vom Deutschen Russischlehrerverband und dem Arbeitskreis der Russischlehrer und Slavisten im Land Bremen. Als Vorsitzende des Arbeitskreises erhielt Gesine Zeynalov vor zwei Jahren die Aufgabe, die diesjährige Olympiade in Bremen zu organisieren. Nicht nur, weil sie Russisch an der Lerchenstraße lehrt, wurden diese Schule und die Bördestraße zu Austragungsorten.

„Bremenweit sind wir die Schule mit den aktivsten und meisten Russischschülern“, sagt Gesine Zeynalov. Woanders gäbe es pro Schule 20 bis 30 Lernende, in der Lerchenstraße seien es über 120. Die Kurse würden von der sechsten Klasse bis in die Oberstufe angeboten, das sei ebenfalls einzigartig und ermögliche es, die Sprache die gesamte Schullaufbahn hindurch zu lernen. Zudem bestehe mit den Schulen im Umkreis eine Kooperation, sodass jeder, der die Sprache lernen möchte, dazu die Möglichkeit habe – unabhängig von der Schule und dem gewählten Profil.

Der Russischunterricht hat an der Lerchenstraße eine lange Tradition. Auch in Phasen, in denen das Interesse geringer war, hätte man laut Kirsten Addicks-Fitschen stets darauf geachtet, dass Kurse angeboten werden – zur Not auch mit wenigen Teilnehmern. In den letzten Jahren könne man sich jedoch über einen anhaltend hohen Zulauf freuen. Den Grund dafür sieht das Russischkollegium in dem vielfältigen Gestaltungs- und Vermittlungsansatz, dem man an ihrer Schule folgt.

Dazu gehöre der Unterricht in Gruppen, die stets aus einem Mix von Anfängern und Muttersprachlern bestehen, ebenso, wie das gemeinsame Feiern von Festen, Einblicke in die Jugendkultur und Musik sowie weitere Aktivitäten. „Wir wollen den Schülern Anknüpfungspunkte zur russischen Kultur und russisch sprechenden Gleichaltrigen geben“, erklärt Lehrerin Sylvette Penning Hiemstra. Dies sei oft nicht leicht, denn nur wenig von der Jugendkultur Russlands würde bis nach Deutschland schwappen.

Aus diesem Grund stünde der Leistungsvergleich auch nicht im Fokus des Wettstreits. Zwar sei es eine Prüfungserfahrung, an der man wachsen könne, und die sich auch gut als Referenz für den späteren Berufsweg mache, aber zentral sei etwas anderes: „Für uns steht das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund. Die Veranstaltung ist eine Möglichkeit, sich zu treffen und eine Belohnung für die Schüler“, macht Sylvette Penning Hiemstra deutlich. Aus diesem Grund würden auch die Schüler, die selbst nicht an den Prüfungen teilnehmen, mit einbezogen.

Einige Klassen würden bereits seit Wochen Armbänder in den Nationalfarben für die Teilnehmer knüpfen, andere richten die Schule her, backen Kuchen. „Es soll ein großes Fest der russischen Sprache werden", so die Olympia-Beauftragte. Dafür sorgt auch das Rahmenprogramm mit Zauber, Tanz und Lernspielen, denen sich die Teilnehmer außerhalb der Prüfungszeit gemeinsam widmen. Die begleitenden Lehrer nehmen ein Fortbildungsangebot wahr, für das Referenten aus Russland verpflichtet wurden.

„Es gibt auf den ersten Blick nicht viele Schulen, an denen man Russisch lernen kann. Doch die Olympiade führt alle zusammen, und die Schüler erkennen, dass es außer ihnen noch viele andere gibt, die die Sprache lernen“, so Gesine Zeynalov. Dies sei wichtig, denn gerade in Zeiten, in denen das Deutsch-Russische-Verhältnis wieder schwieriger werde, sei es wichtig, den Kontakt zu fördern. Ziel sei es deshalb, nicht nur die Sprache zu vermitteln, sondern auch die Kultur. Die Oberschule an der Lerchenstraße sei eine weltoffene Schule, an der Internationalität sowie ein friedliches Miteinander im Zentrum stünden, erklärt Kirsten Addicks-Fitschen.

Dass die „Olympiade der russischen Sprache“ im Gegensatz zu ähnlichen Veranstaltungen zum Beispiel in den Fächern Mathe und Physik zwar klein ist, aber trotzdem auf große Aufmerksamkeit stößt, zeigt die Liste der Gäste, die zur Auftakt- sowie zur Abschlussveranstaltung anreisen. Diese Resonanz sage laut Gesine Zeynalov auch etwas über die Wahrnehmung der Beziehung der beiden Länder aus. „Sie sagt: Es ist uns nicht egal.“

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