Aufmucken gegen Rechts Ein Festival mit Differenzen

Beim Festival "Aufmucken gegen Rechts" hat die Sicherheitsfirma einen Mitarbeiter nach Hause schicken müssen, weil er möglicherweise einen rechtsradikalen Hintergrund hatte.
20.07.2014, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Marian Jarzak

Es ist eine richtig gute Sache, das Aufmucken gegen Rechts-Festival. Doch in den vergangenen Jahren kam die Sause aus den negativen Schlagzeilen nicht mehr raus. Erst hatten die Bands im Jahr 2012 fast ohne Publikum in einer leeren Mehrzweckhalle gespielt, dann der überraschende Totalausfall im vergangenen Jahr, am Sonnabendabend fand das Festival zwar wieder statt, jedoch musste die Sicherheitsfirma einen Mitarbeiter nach Hause schicken, weil er möglicherweise einen rechtsradikalen Hintergrund hatte.

Es ist die wohl bekannteste Veranstaltung gegen rechte Gesinnung und Gewalt in der Gemeinde: Aufmucken gegen Rechts. Insbesondere der Vorfall am Kirchweyher Bahnhof im vergangenen Jahr und die darauffolgende Instrumentalisierung der Tat von Rechtsextremisten, ist bei vielen noch fest in den Köpfen. Mit-Organisatorin Tina Fischer, die Kulturbeauftragte der Gemeinde Weyhe, war sich deshalb am Festival-Sonnabend sicher: „Aufgrund der Geschehnisse ist es jetzt besonders wichtig, Aufmucken gegen Rechts zu machen.“ Und auch die die Band Aelement erklärte: „Es ist wichtig, ein Zeichen gegen Rechts zu setzten.“

Trotz freiem Eintritt in der ersten Stunde und 300 Gratis-CDs von der Band Schwarz auf Weiss, blieben die Zuhörer eher überschaubar, als das Punkrock-Trio The Awake aus Weyhe die Bühne zum Beben bringen wollte. Mit ihren fetzigen Gitarrenklängen und impulsiven Schlagzeugspiel überzeugten die drei Jungs. Die 16-jährige Lisa, eine Besucherin, hatte ihren Spaß: „Ich mag die Musik einfach, und ich bin froh, dass jetzt wieder so viele Bands aus der Umgebung hier mitmachen“, sagte sie. Danach stand schon die Band Alltag auf der Bühne, mit nicht so ganz alltäglicher Musik versuchten auch sie, die Zuhörer zu überzeugen. Zum ersten Mal beim Aufmucken-Festival dabei, sorgten die Musiker mit einem Mix aus Techno und Elektro für gute Stimmung. Dabei verrieten die drei Jungs, dass sie sich mit ganz unterschiedlichen Ritualen auf einen Auftritt vorbereiten. „Der eine trinkt Bier, der andere redet mit Freunden, und einer isst immer“, erzählte das Trio.

Doch ganz frei von einer Ungereimtheit war das diesjährige Aufmucken-Festival nicht. Der 20-Jährige Tim, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte und der Mitglied einer antifaschistischen Gruppe ist, war sich sicher. „Vorhin waren hier drei Leute, die hatten ein Germania-Tattoo und auch die beauftragte Sicherheitsfirma hat Rechtsradikale geschickt“, erzählte er. „Ein Mitarbeiter mit einer Standarte 88-Tätowierung wurde vom Veranstalter sogar nach Hause geschickt. Kurzfristig drohte die Sicherheitsfirma dann, alle Mitarbeiter vom Festival abzuziehen. Das hätte das Aus für das gesamte Fest bedeutet“, erzählte der 20-Jährige. Neben den womöglich rechtsgerichteten Mitarbeitern fiel Tim auch noch ein Fotograf der Sicherheitsfirma auf. „Der mitgebrachte Fotograf versucht die ganze Zeit, linksgerichtete Zuhörer zu fotografieren“ war sich Tim sicher. Fischer schilderte die Situation anders. „Man kann nicht sagen, dass die Sicherheitsfirma einen rechtsradikalen Mitarbeiter geschickt hat, aber es gab Hinweise, dass der betreffende Mitarbeiter in der rechten Szene war oder ist“, so die Kulturbeauftragte. Deshalb „gab es Differenzen“. Man habe dann den Mitarbeiter gebeten, das Festival zu verlassen, was er auch getan habe. Er habe auch die ihm zustehende Bezahlung erhalten. „Wir wollten keine Unruhe aufkommen lassen“, so Fischer. Die genannte Tätowierung habe sie nicht gesehen, auch, dass Aufnahmen von Zuschauern gemacht worden seien, könne sie nicht bestätigen.

Engagiert worden war die Sicherheitsfirma von Robert Steinbicker, Vorsitzender des Aktionsbündnis gegen Rechts in Weyhe, das Bündnis ist ebenfalls Veranstalter des Festivals. „Uns wurde von Mitgliedern der antifaschistischen Gruppe mitgeteilt, dass ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma früher Beziehungen zur rechten Szene hatte“, erklärt Steinbicker. Aber er habe mit der Sicherheitsfirma immer gute Erfahrungen gemacht, schon von Beginn an der Festival-Reihe habe sie das Sicherheitspersonal gestellt. „Wir hatten nie Probleme.“ Dass Mitarbeiter der Firma Fotos von Zuschauern gemacht haben, habe er nicht gesehen. „Die Mitarbeiter hatten doch gar keine Kamera dabei“, sagte er.

Von der ganzen Geschichte hinter den Kulissen bekam der 25-Jährige Marten gar nichts mit: „Ich genieße das hier alles, die Bands machen Spaß, das Bier ist gut, und das reicht mir“, erklärte er. Auch die Jungs von Aelement hatten sich von ihrem Instrumenten-Raub (wir berichteten) schon fast wieder erholt. „Wir mussten uns nach dem Schock natürlich erst einmal hinsetzen und dachten zunächst, dass wir alle Gigs absagen müssen“, erinnerten sie sich. Doch dank Versicherung haben die sechs Musiker schon wieder neue Instrumente. Auch die Jungs von Watch out Stampede und Schwarz auf Weiss waren später noch auf der Bühne zu hören. „Am Anfang war nicht so viel los, aber insgesamt kamen rund 800 Besucher zum Konzert“, berichtete Fischer.

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