Gastkommentar Über Hermann Löns' Ökologie Ein früher Warner vor der Umweltzerstörung

Der „Heidedichter“ Hermann Löns mag wegen seiner Lebensführung umstritten sein, aber seine Warnungen und Mahnungen zum Schutz der Natur sind top-aktuell, meint unser Gastautor Werner Burkart.
25.09.2019, 17:19
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Von Werner Burkart

Von Hermann Löns, dessen Todestag sich an diesem Donnerstag zum 105. Mal jährt, mag man halten, was man will. Eines bleibt unbestritten: Er war schon zu Lebzeiten mit seinen Natur- und Tiergeschichten sehr erfolgreich. Weniger bekannt ist, dass er – wie nur wenige andere – die zunehmende Naturzerstörung in ihren Dimensionen vorhersah. In einem Vortrag im Jahre 1911 vor dem Bremer Lehrerverein findet sich ein Bild, das durch seine Aktualität verblüfft und sich in seiner klaren Aussage auch heute schwerlich überbieten lässt: „Die Naturverhunzung … fährt Auto im Achtzigkilometertempo; der Naturschutz kraucht knickebeinig hinterdrein.“ Und weiter: „Die Naturverhunzung arbeitet en gros, der Naturschutz en detail“. Dabei war der Zustand des Ökosystems Erde noch relativ intakt. Bei nicht einmal zwei Milliarden Menschen war der Begriff „Bevölkerungsexplosion“ noch kein großes Thema, der Zugriff auf die fossilen Energien kam gerade erst in Schwung.

Homo sapiens hat seitdem nicht nur für immer neue Kolonisierungs-, Vernichtungs- und Ausbeutungszüge gegen seine eigenen Artgenossen gesorgt, sondern auch bemerkenswerte Anstrengungen unternommen, die Erde zu befrieden und die eigenen Lebensgrundlagen zu sichern. Auch dies gehört zum widersprüchlichen Gesamtbild. Leider kann man nicht übersehen, dass die vielen Analysen und Warnungen, vor einem Millionenpublikum seit den siebziger Jahren in den Medien verbreitet – ich erinnere nur an den kürzlich verstorbenen Horst Stern und Hoimar von Ditfurth –, im Gesamtergebnis durch eine auf Wachstum fixierte Politik ins Leere gelaufen sind.

Dass nun ausgerechnet die Bevölkerungsgruppe mit der geringsten Lebenserfahrung, unsere Jugendlichen und Heranwachsenden, der etablierten Politik „Feuer unterm Sessel“ machen würde und damit hektische, teilweise lächerliche Betriebsamkeit auslöste, hatte ich nicht erwartet. Den jungen Leuten kann ich nur raten, nicht locker zu lassen und den Sachverstand unabhängiger Fachleute zu nutzen. Die Komplexität der heutigen Probleme ist mittlerweile so ungeheuer, dass Forderungen zum Klimaschutz, die im Mittelpunkt der meisten Veranstaltungen stehen, nur als Teil eines fundamentalen Umdenkens begriffen werden können.

Die drastische Kritik von Hermann Löns ist im Kern auch heute noch unverändert gültig. Der jüngste Bericht des Club of Rome aus dem Jahre 2018 „Wir sind dran“ beschreibt die Fakten und das notwendige Handeln „für eine volle Welt“, nüchtern und unaufgeregt. Vielleicht ist er deshalb so wenig in der öffentlichen Diskussion präsent.

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Zur Person

Unser Gastautor

war 30 Jahre lang Naturschutzbeauftragter im Landkreis Rotenburg (Wümme) und während dieser Zeit Beratendes Mitglied im Umweltausschuss des Kreistages.

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