Posaunenchor, Schmalzkuchen und Schokoapfel: Gelungener Weihnachtsmarkt von und für die Tarmstedter

Ein Hauch von heiler Welt

Tarmstedt. Posaunenklänge vermischen sich mit Schneeflocken zu jenem ganz eigenen Weihnachtsgefühl. Geboren wird das auf dem Weihnachtsmarkt, der sich gleich einer Insel aus Licht in die Dunkelheit erhebt. Mittendrin steht das Rathaus als mächtiger Schatten, wie eine Glucke zwischen ihren 29 Lichterküken. Aus soviel Holzbuden ist der Ring geformt, in dem sich der Tarmstedter Weihnachtsmarkt zum dritten Mal um das Verwaltungsgebäude windet.
06.12.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ein Hauch von heiler Welt
Von Undine Zeidler

Tarmstedt. Posaunenklänge vermischen sich mit Schneeflocken zu jenem ganz eigenen Weihnachtsgefühl. Geboren wird das auf dem Weihnachtsmarkt, der sich gleich einer Insel aus Licht in die Dunkelheit erhebt. Mittendrin steht das Rathaus als mächtiger Schatten, wie eine Glucke zwischen ihren 29 Lichterküken. Aus soviel Holzbuden ist der Ring geformt, in dem sich der Tarmstedter Weihnachtsmarkt zum dritten Mal um das Verwaltungsgebäude windet.

Mit der Dämmerung strömten die Besucher in die kleine Budenstadt. Für deren Entstehen zeichnete der Tarmstedter Hans Bahrenburg verantwortlich. Gut zweieinhalb Tage hatte es gedauert, alles aufzubauen, erzählte er. In seinem rostfarbenen Shirt und mit Haaren, an denen der Wind zupfte, wuselte er zwischen den Holzhütten hin und her, tauchte bald hier und bald dort auf. Von der Idee über die Vorbereitung, den Aufbau, die Umsetzung und den Abbau liege alles in seinen Händen, so Bahrenburg, er habe Erfahrung.

Beim Weihnachtsmarkt unterstützt ihn die Gemeinde, nicht nur mit dem Grundstück. Beim Aufbau hilft der Bauhof. Auch ein Teil der Hütten gehöre der Gemeinde, einige ihm, und der Rest werde gemietet. Diese Mischkalkulation erlaube die günstige Standmiete, 30 Euro für zwei Tage.

Karussell ist ein Muss

Der Weihnachtsmarkt war lokal gehalten: Tarmstedter Kunsthandwerker und Vereine nutzten 25 Hütten. "Das Karussell ist ein Muss", sagte der Marktmeister. Ansonsten mag er "dezentes Licht, ruhige Beleuchtung und nicht so viel Radau". Fast 40 Weihnachtsbäume und die hellen Holzbuden trugen bei zu dem heimeligen Flair, das Bahrenburg schätzt. Musik wurde wie in alten Zeiten gespielt, am Wochenende vom Posaunenchor und von sechs Blockflötenkindern mit ihrer Lehrerin Thea Henning. Hans Bahrenburg hätte gerne noch mehr Musiker für den Markt begeistert.

Henning und die Kinder hatten ihre Finger zunächst im Feuerwehrhaus gewärmt, bevor sie mit Weihnachtsmannmützen und Notenständer zur kleinen Freilichtbühne am anderen Ende des Marktes stapften. Weihnachtliche Flötenlieder für indische Kinder - der eine oder andere Euro klimperte in die Spendenmütze.

Im Feuerwehrhaus harrten mehr als 30 Torten und Kuchen auf wärmesuchende Kaffeegäste. Die Feuerwehrfrauen hatten gebacken. Die Männer waren für den Küchendienst zuständig, so wie der ehemalige Ortsbrandmeister Hans-Peter Grimm am Spülbecken. Und wie im aktiven Dienst löse ihn auch auf diesem Posten der Ortsbrandmeister Adrian Nötzel ab. "Es macht Spaß", sagte Grimm und Nötzel ergänzte: "Das ist gut für die Kameradschaft". Die Feuerwehr wolle sich gerne präsentieren.

So wie sie präsentieren sich auch Tarmstedter Vereine. Gleich dreimal vertreten war das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Während bei den Frauen vom Ortsverein Tarmstedt süßer Waffelduft aus Bude waberte, standen beim Jugendrotzkreuz glasierte Äpfel in Zweierreihe auf dem Tresen. Cedric Mildner und Marcel Kahn tauchten dicke rot-gelbe Äpfel in Schokolade - weiße, Vollmilch oder Zartbitter - ganz nach Belieben. "Weil uns das Spaß macht, auch bei der Kälte", so Mildner und Kahn schwärmte: "Die Äpfel schmecken wirklich gut, man wird von einem satt".

Am Häuschen vom Kindergarten Fasanenweg warteten Kekstütchen auf Kundschaft. Die Jugendfeuerwehr backte Schmalzgebäck, freute sich auf die Puderzuckergesichter ihrer Kunden und hoffte, "dass die Leute mit vollem Magen und guter Laune von unserem Stand wieder gehen". Im Jugendtreff Tarmstedt hatten 13- bis 18-jährige Weihnachtssterne gebastelt und der Förderverein steuerte selbst gebastelte Karten bei. "Wir möchten unsere Arbeit vorstellen", sagte die Koordinatorin des Jugendtreffs Freya Willkowsky.

Tarmstedter Forellen frisch aus dem Buchenholzrauch pries Ingo Holsten an. 45 Fische drängten sich zwei Holzkisten. Ingrid und Jürgen Meierdierks aus Tarmstedt ließen sich ein Tier in die Tüte packen. "Nicht so kommerziell", sei der Markt, viel schöner als in der Bahnhofstraße, lobte Meierdierks und seine Frau ergänzte: "Es ist alles da". Geschenkesuchende konnten fündig werden: Selbst gestrickte Socken schaukelten im Wind, trendige Elche grinsten den Käufern entgegen und mit der "Geldmaus" aus Holz lässt sich das Geldgeschenk optisch aufwerten. Engel oder Filzkugeln für den Baum, Riesenkerzen aus Holz oder Honig aus der Samtgemeinde - Hans Bahrenburgs Konzept ging auf: "Wir haben versucht, nichts zu doppeln."

Während der Marktmeister an einem halb gefüllten Glühwein-Becher nippte, wanderte sein Blick über den Platz. "Jetzt ist soweit alles da, wo es hingehört." Dann machte er sich auf, eine Lichterkette zum Brennen zu bringen. "Ich gehe mal gucken, wer den richtigen Stecker hat".

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