Jerusalem in Blender und Egypten in Oyten-Bassen: Was es mit den ungewöhnlichen Ortsnamen auf sich hat Ein Hauch von Morgenland im Norden

Die Bezeichnung Egypten soll im Jahr 1823 erstmals urkundlich aufgetaucht sein. Die Geschichte dazu haben Christel Barning und Elisabeth Schnakenberg in der jüngst erschienenen Bassener Chronik aufgeschrieben. Und auch in Blender findet sich ein Ortsteil, der namentlich eigentlich Israel zugeordnet wird.
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Von Elisabeth Hintze

Die Bezeichnung Egypten soll im Jahr 1823 erstmals urkundlich aufgetaucht sein. Die Geschichte dazu haben Christel Barning und Elisabeth Schnakenberg in der jüngst erschienenen Bassener Chronik aufgeschrieben. Und auch in Blender findet sich ein Ortsteil, der namentlich eigentlich Israel zugeordnet wird.

Auf der Fahrt von Bassen in Richtung Ottersberg auf der Landstraße 168: Einmal rechts abgebogen, und schon findet sich der Besucher in Egypten wieder. Eigentlich handelt es sich dabei nur um einen Straßenzug mit ein paar Häusern, doch offiziell ist Egypten als Ortsteil von Bassen ausgewiesen.

Eine ähnliche Besonderheit hat die Gemeinde Blender zu bieten: Schilder weisen hier darauf hin, dass es bis nach Jerusalem im Ortsteil Holtum-Marsch nur wenige Kilometer Entfernung sind. Egypten und Jerusalem – ungewöhnliche Ortsbezeichnungen, gerade für Norddeutschland. Doch woher stammen diese beiden Namen eigentlich? Wie der Bassener Ortsteil Egypten zu seinem Namen kam, das haben Christel Barning und Elisabeth Schnakenberg in der jüngst erschienenen Chronik „Bassen – Geschichte und Geschichten von 1259 bis heute“ dokumentiert. „Wir haben Quellen aus dem Kreisarchiv Verden zu Rate gezogen“, erzählt Barning.

Lange habe er recherchiert, alte Karten und Dokumente durchforstet, um wiedergeben zu können, was es mit dem Ortsnamen auf sich hat. Dabei ist er auf eine Niederschrift des 1984 verstorbenen Johann Rosenbohm gestoßen, seinerzeit Lehrer an der Schule in Bassen-Brammer. Demnach hat der Name im Jahr 1823 erstmals urkundliche Erwähnung gefunden. Damals gab es in dem Gebiet einen Lagerplatz für Zigeuner und anderes fahrendes Volk. Diese wurden Egypter, in der Kurzform Jipper, genannt. Letzteres könnte sich vom englischen Begriff für Zigeuner, Gipsy, ableiten. Einer anderen Überlieferung zufolge soll der Name allerdings von Soldaten stammen, die im Hofstall einquartiert waren. Es wird gesagt, dass sie nach Anbruch der Dunkelheit den Rückweg von Bassen nicht mehr gefunden hätten, da eine „ägyptische Finsternis“ herrschte. Laut Überlieferung soll einer der Soldaten, als sie endlich den Weg fanden, ausgerufen haben: „Wir sind rings um Oelgypten herum gewesen.“ Seitdem heißt der Ortsteil Egypten. In Bezug auf Jerusalem in der Gemeinde Blender hat sich Johann Bothe mit der Herkunft des Namens befasst. Er hat die Geschichte von Holtum-Marsch dokumentiert und für den Gemeindespiegel Blender zusammengefasst. Laut Bothe taucht der Name im Jahr 1836 erstmals bei einer Holzauktion auf. Angeblich sei er dadurch entstanden, dass Landwirte ihren Dünger in die Feldmark brachten. Aufgrund der schlechten Wege und der Entfernung sei die Redewendung „Dor wullt du hen, dat is jo halv no Jerusalem“ entstanden. Diese Erklärung findet sich allerdings häufiger bei deutschen Orten mit fremdländischen Namen, wie etwa „Sibirien“ oder „Afrika“. Weitere Recherchen Bothes ergaben, dass um 1400 immer wieder Wikinger in das Land eingedrungen sind. Um Alarm zu schlagen – auch bei der Gefahr von Sturmfluten – sei ein Platz geschaffen worden, ein Jerhusen – Schreihof. Aus diesem Namen entstand durch Verschleifung über die Jahre Jerusalem.

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