Rumänische Findelhunde Ein Herz für Vierbeiner

Schon rund 400 Vierbeiner konnte der Verein Rumänische Findelhunde in drei Jahren nach Deutschland bringen und an neue Halter vermitteln. In Rumänien hätte auf die Tiere oftmals der Tod gewartet.
01.08.2018, 17:38
Lesedauer: 3 Min
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Ein Herz für Vierbeiner
Von Marius Merle

Langwedel. 14 Tage! Solange dürfen die Hunde, die zumeist zuvor auf der Straße gelebt haben, in den städtischen Tierheimen in Rumänien bleiben und auf ein Zuhause hoffen. "Danach werden sie getötet", berichtet Rolf Kleemann, der als Vorsitzender des Langwedeler Vereins Rumänische Findelhunde weiß, wovon er spricht. Der Verein hat es sich vor rund drei Jahren zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Vierbeiner vor dem Todesurteil in dem Land zu bewahren und sie stattdessen in gute Hände zu vermitteln. Und das bisher mit Erfolg: Etwa 400 Hunde aus Rumänien haben Dank der Arbeit des Vereins bereits ein neues Herrchen und/oder Frauchen gefunden, schätzt Kleemann.

Dahinter stecke sehr viel Aufwand für das kleine Team, aktuell gibt es laut dem Vorsitzenden zehn aktive Mitglieder. "Es ist ein Hobby und kein Beruf", erzählt Kleemann. 15-Stunden-Tage seien aber keine Seltenheit. "Alle acht bis zehn Wochen fahren wir außerdem selbst für vier bis sechs Tage nach Rumänien, um zu schauen, was gebraucht wird, und um sicherzugehen, dass alles sauber abläuft", berichtet Kleemann.

Den Ablauf beschreibt er wie folgt: Zunächst werden die Hunde von der Straße oder aus den Tierheimen auf Privatstationen in Rumänien verteilt, manche von ihnen beherbergen 50 bis 100 Tiere. "Grundsätzlich holen wir jeden Monat 15 Hunde nach Deutschland", sagt Kleemann. Mehr lassen die Bestimmungen des Veterinäramtes nicht zu. Erst wenn die Tiere in Deutschland sind, wird mit der Vermittlung begonnen. Die Hunde, für die ein neues Zuhause gesucht wird, werden etwa auf der Internetseite des Vereins mit detaillierter Beschreibung aufgelistet. Nach der Einreise erhalten die Tiere einen Platz in privaten Pflegestellen der Umgebung, wo sie für kurze Zeit bis zur erfolgreichen Vermittlung leben. Das gehe laut Kleemann in der Regel sehr schnell. "Die höchste Verweildauer war einmal drei Monate."

Der Vorteil bei diesem Modell sei, dass die interessierten Halter den Hund vor einer Entscheidung in Augenschein nehmen können und auch der Verein eine Vorkontrolle darüber hat, in welches Umfeld das Tier vermittelt würde. Dabei kommen die Interessenten nicht nur aus der Region. "Vor einigen Wochen hatten wir ein Ehepaar mit Tochter aus der Schweiz da", berichtet Kleemann.

Momentan gebe es zehn Pflegestellen, wo die Hunde nach der Anreise vorübergehend unterkommen können. Hier würde sich der Verein gerne noch einen Zuwachs wünschen, um noch flexibler agieren zu können. "Ich kann jedem Hundefreund nur ans Herz legen, selbst eine Pflegestelle bei sich zu schaffen", sagt Nicole Wöhler vom Verein. Es sei einfach toll, zu sehen, wie Hunde in kurzer Zeit aufgehen, wenn sie merken, dass sie in Sicherheit sind, weiß die Langwedelerin aus eigener Erfahrung zu berichten.

Warum fiel die Wahl des Vereins eigentlich auf die Hunde aus Rumänien? "Das war eine spontane Entscheidung", sagt Kleemann. Eigentlich habe man die Leitung einer schon bestehenden Bremer Organisation übernehmen wollen, aber Behörden rieten uns, aufgrund mehrerer Klagen den Namen loszuwerden. Und so sei es zur Neuausrichtung und dem passenden Namen "Rumänische Findelhunde" gekommen. "Ich wollte so etwas schon immer mal machen", betont der 54-Jährige, der Dauergast an der Kölner Hundeakademie sei und quasi jeden Lehrgang schon besucht habe. Aktuell stehe seine Weiterbildung zum Tierpsychologen kurz vor dem Abschluss.

Selbst Lehrgänge anzubieten, ist eines der Ziele des Vereins für die Zukunft. Erste Hilfe am Hund wäre so ein Thema, das sich Kleemann vorstellen könnte. Ansonsten habe man "wirklich große Pläne". Die Gemeinnützigkeit, welche neue Möglichkeiten mit sich bringen würde, sei beantragt und neben dem erhofften Ausbau des Pflegestellenangebotes, ist es das Ziel, die Bedingungen für Hunde vor Ort in Rumänien direkt zu verbessern. "Wir wollen in Rumänien ein eigenes Tierheim eröffnen – nach deutschen Standards", blickt Kleemann, der vor viereinhalb Jahren von Bremen nach Langwedel gezogen ist, voraus.

In Planung sei außerdem ein Kastrationsprojekt in Rumänien, das über die Einnahmen aus dem am 18. August stattfindenden Sommerfest ermöglicht werden soll. Kastration ist laut Kleemann ein ganz wesentlicher Punkt. Denn wenn sich die Hunde weniger unkontrolliert vermehren können, landen auch nicht so viele ungewollte Tiere auf der Straße oder im Tierheim. Und die dort untergebrachten Vierbeiner dürften auf eine längere Vermittlungschance als zwei Wochen hoffen.


Das Sommerfest des Vereins Rumänische
Findelhunde findet am Sonnabend, 18. August, von 11 bis 18 Uhr auf dem Grundstück von Rolf Kleemann in Daverden, Am Holdorf 6, statt. Geboten wird laut Verein ein buntes Programm mit vielen Ausstellern und Vorführungen. Parkmöglichkeiten befinden sich am Schützenplatz, von dem ein Shuttle-Service angeboten wird. Weitere Infos zu dem Sommerfest und zu den Aktivitäten des Vereins gibt es unter www.rumaenische-findelhunde.de. Hier finden sich auch Kontaktdaten für Leute, die sich vorstellen können, eine Pflegestelle einzurichten.

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