creARTour 2010 Ein Künstler-Konzept im ständigen Wandel

Hambergen. Am Wochenende fand in Hambergen die creARTour 2010 statt. Von den 35 Künstlern und Kunsthandwerkern, die dieses Jahr ihre Ateliers und Galerien ein Wochenende lang für Besucher öffneten, waren sechs - wie Jens Wiehagen - zum ersten Mal mit von der Partie.
10.05.2010, 09:30
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Ein Künstler-Konzept im ständigen Wandel
Von Brigitte Lange

Hambergen. Vom Kopf her sei er völlig ruhig gewesen, sagte Jens Wiehagen. 'Aber mein Magen, der hat doch gekribbelt.' Lampenfieber: Wiehagen gehörte zu den Kunstschaffenden, die am Wochenende ihre Premiere bei der creARTour 2010 in Hambergen feierten. Von den 35 Künstlern und Kunsthandwerkern, die dieses Jahr ihre Ateliers und Galerien ein Wochenende lang für Besucher öffneten, waren sechs -wie Wiehagen - zum ersten Mal mit von der Partie. 2011 wird der Hobby-Maler bereits zu den routinierteren Teilnehmern gehören. Die Rolle der creARTour-Neulinge fällt dann anderen zu.

'Durch diesen ständigen Wechsel der Künstler ist die creARTour eine runde Sache', sagte Thorsten Milenz. Der Touristikbeauftragte der Samtgemeinde Hambergen gehört zu den Mitorganisatoren. Die Initiatoren des Kunstwochenendes, eine Gruppe von Künstlern, die in der Samtgemeinde leben und schaffen, hatten ihn vom Start weg mit ins Team geholt. Insgesamt acht Ausgaben der creARTour haben sie inzwischen gemeinsam auf die Beine gestellt. Keine war wie die andere. Genau wie die Kreatur - an die der Name der Veranstaltung erinnert - ist sie voller Leben und ständigem Wandel unterworfen.

Anja Marina Kolberg, Wolfgang Tuttlies und Berthold Dunkel zum Beispiel wirkten dieses Jahr bei der creARTour nur im Hintergrund mit. Für sie sprangen neue Kreative ein. Wiehagen etwa, der sich - mit kribbeln im Magen - der öffentlichen Kritik stellte. 'Freunde haben meine Bilder schon gesehen', räumte er ein. Denen hätten seine großformatigen Ölbilder, zu denen er sich durch Fotografien inspirieren lasse, gefallen. Aber das sei die Meinung von Bekannten. 'Ich wollte wissen, was Fremde, die unvoreingenommen sind, über meine Bilder denken.' Um das zu erfahren, habe er bei der creARTour teilgenommen.

Rund 60 Besucher am ersten Veranstaltungstag

Weniger aufgeregt, aber nicht minder gespannt öffnete Björn Niehues in Steden Haus und Garten für die Besucher der creARTour. Der Steinmetz und -bildhauer war in den vergangenen Jahren selbst mit dem Fahrrad von Atelier zu Atelier gefahren. Was er sah, gefiel ihm. Der Gedanke, sich bei der Veranstaltung einzuklinken, nahm Gestalt an. 'Aber ich hatte noch nicht genügend Ausstellungsstücke zusammen', erzählte er. Das änderte sich, und im Herbst 2009 stellte sich Björn Niehues mit seinen Skulpturen aus Stein den alt-gedienten creARTour-Künstlern. Niehues: 'Das war nett.' Von der Atmosphäre eines Prüfungsausschuss habe das Treffen nichts gehabt, betonte er.

Nachdem Niehues, Wiehagen und die übrigen 'Bewerber' ihre Arbeiten präsentiert hatten, gingen sie heim, und die Macher der creARTour stimmten intern ab, wer von ihnen 2010 zu den Neuen gehören würde. 'Zwei Wochen später hatte ich die Zusage', so Wiehagen. Rund 60 Besucher hätten am ersten Veranstaltungstag bei ihm vorbei geschaut, schätzte Niehues. 'Und das waren alles nur Leute, die ich überhaupt nicht kannte. Das fand ich toll.' Schließlich ging es dem Steinbildhauer bei der creARTour in erster Linie darum, Kontakte zu knüpfen.

Hobby-Malerin Eva-Maria Betz wollte wissen, 'wo ich mit meiner Arbeit stehe.' Der creARTour-Neuling fand es spannend, sich mit den Besuchern auszutauschen, zu erfahren, welche Bilder wem gefielen und warum. Die Menschen hätten so unterschiedliche Geschmäcker. In Hellingst stellte sie dazu ihre Acryl-Bilder aus und servierte den Besuchern heiße Getränke samt Keksen. Neu im Reigen der ausstellenden Künstler waren auch die Malerinnen Catalina Heupel und Hilde Birn in Hambergen. Als Gast der Töpferin Anne Wellershaus stellte Christine Jacob geschmiedete Objekte in Axstedt aus.

Nicht nur die Künstler wechseln von Jahr zu Jahr. Anfangs trafen sich die Kreativen zum Ausklang des Wochenendes noch auf ein Bier, um Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen. Das hat sich überlebt. Stattdessen wurde eine Eröffnungsveranstaltung eingeführt. Zum zweiten Mal in Folge fand diese - als Lesung - in der Mühlenscheune in Lübberstedt statt. Vielleicht, so spekuliert Berthold Dunkel, werde die Veranstaltung nächstes Jahr nicht mehr an einem Freitag, sondern am Abend des ersten creARTour-Tags stattfinden. Damit auch Gäste, die für die creARTour anreisen, sie besuchen könnten. 'Das wurde zumindest angeregt', verriet Dunkel.

Als Versuch gestartet und als Erfolg gelandet, ist außerdem die Auftakt-Ausstellung zur creARTour, die 2010 erstmals im Hamberger Rathaus gezeigt wurde. Schon einen Monat vor Beginn des Kunstwochenendes gab sie einen Überblick über Akteure und Werke. Damit half sie den Besuchern, sich zu orientieren und unter den 24 Ausstellungsorten eine Auswahl zu treffen. 2011 werde es diese Schau wieder geben, versprach Thorsten Milenz.

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