Zierfischzucht in Bruchhausen-Vilsen Ein Kugelfisch mit Charakter

Bruchhausen-Vilsen. Fischegucken findet Robert Hinze aus Bruchhausen-Vilsen spannender als Fernsehen. Irgendwie beruhigend. "Ich bin schon mal seelenruhig vor dem Aquarium eingeschlafen", gesteht der 41-jährige Zierfischzüchter.
04.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jörn Dirk Zweibrock

Bruchhausen-Vilsen. Fischegucken findet Robert Hinze aus Bruchhausen-Vilsen spannender als Fernsehen. Irgendwie beruhigend. "Ich bin schon mal seelenruhig vor dem Aquarium eingeschlafen", gesteht der 41-jährige Zierfischzüchter. Von seinem Vater mit diesem Hobby angesteckt, hatte er bereits als Sechsjähriger sein eigenes Becken. Wie fast jeder Aquarianer ist auch Robert Hinze mit Guppys angefangen. Heute ist er stolzer Besitzer von rund 70 Aquarien, um die 3500 Fische tummeln sich hinter den Scheiben im kühlen Nass. Damit gehört er zu den größten Zierfischzüchtern im Landkreis Diepholz, kauft bei anderen Züchtern an und ist Stammgast auf Börsen wie kürzlich der vom Verein Wasserrose aus Delmenhorst.

"Fische sind mein ein und alles", schwärmt der Bruchhausen-Vilser von seinen farbenfrohen Freunden. Besonders Skalare haben es ihm angetan. An denen schätze er die elegante Flossenform. Der dreijährige Kugelfisch Kugli ist jedoch die unbestrittene Nummer eins bei Robert Hinze. Steckt der 41-Jährige seinen Finger in Kuglis Aquarium, kommt der sofort angeschwommen und frisst ihm sprichwörtlich aus der Hand. Gewöhnliches Flockenfutter? Weit gefehlt - Kugli ist ein Feinschmecker, zieht Schnecken, Muschelfleisch und selbst kleine Garnelen eindeutig vor. Manchmal schnappt er allerdings auch nach Herrchens Hand. Er habe eben Charakter, findet sein Besitzer. Zwar hat Kugli nur vier Zähne, doch die haben es in sich, wie Robert Hinze aus eigener, schmerzlicher Erfahrung weiß. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass der Fischefreund bis vor kurzem noch über 20 Piranhas sein Eigen genannt hat. Bis zu einem Kilo Fleisch hätten sie täglich verdrückt. Wen wundert es da, dass Robert Hinze oft an der Supermarkttruhe gestanden hat, um Tiefkühlfisch für seine hungrigen Mäuler zu kaufen.

"Früher hatte ich mal einen zahmen Wels. Wenn er mir auf die Hand geschwommen ist, konnte ich ihn aus dem Wasser nehmen, streicheln und ihm eine Futtertablette geben", erzählt der Zierfischflüsterer aus der Samtgemeinde. Goldfische und Kois teilen sich bei ihm gerne mal ein Becken - zumindest dann, wenn der Gartenteich vor dem Haus gerade ein Loch hat. "Kois haben ihr eigenes Ego", sagt Robert Hinze. Im Sommer würde er sich schon mal bäuchlings vor seinen Teich legen und die Karpfen mit Seidenraupen füttern. Eigensinnig wie die Tierchen nun mal sind, lassen sie sich allerdings nur von ihm füttern. Wedelt jemand anderes mit den Seidenraupen - keine Chance. Während Promis wie Dieter Bohlen angeblich viel Geld für die Fische hinblättern, wandert bei Robert Hinze ein Koi für ein paar Euro in den Kescher und wechselt damit dann auch den Besitzer.

Zurück zu den Guppys, den pflegeleichten Zierfischen für Einsteiger. Die sind nach Ansicht von Robert Hinze "total überzüchtet", würden mal wieder "frisches Blut" benötigen. Also werden sie bei ihm mit wilden Guppys gekreuzt. Während sich diese Zierfische von alleine vermehren und nach drei bis vier Wochen Tragezeit lebend gebären, bedarf es bei anderen Exemplaren doch schon etwas mehr Fingerspitzengefühl. Beispielsweise bei den Neonfischen, wo laut Zierfischzüchter immer die Gefahr bestehe, dass deren Eier verpilzen.

Guppys tun es, Schwertträger tun es, Mollys tun es, und wie läuft das mit der Liebe bei den Skalaren? "Ich warte, bis sich von alleine ein Pärchen gefunden hat", sagt Robert Hinze. Weil die Fische in der Natur nach der Gletscherschmelze ablaichen würden, wendet der 41-Jährige im Aquarium kurzerhand einen Trick an: kaltes Wasser. Im frisch geputzten Laichkegel laichen Skalare dann anschließend ab. "Makropoden dagegen spucken ihre Eier in ein Schaumnest", erklärt Robert Hinze das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Aquarienbewohner zur Paarungszeit. Fadenfische seien ebenso Schaumnestbauer.

Da es in Bruchhausen-Vilsen und umzu keinen Zierfischzuchtverein gibt, ist Robert Hinze Mitglied bei den Verdener Aquarienfreunden. Nachwuchssorgen hätten die Aquarianer nicht, weiß der 41-Jährige. Gerade Jugendliche würden dieses Hobby schätzen. Allerdings nicht, wenn sie ins Teenageralter kämen. "In der Pubertät finden Jungs Rundungen interessanter als eckige Aquarien", berichtet der Zierfischzüchter schmunzelnd. Spätestens als junge Erwachsene würden sie aber wieder ihrem Hobby frönen. Einsteigern empfiehlt der Bruchhausen-Vilser neben pflegeleichten Fischen wie Guppys Aquarien mit einem Fassungsvermögen von mindestens 100 Litern. Er weist aber auch darauf hin, dass die Aquaristik ein ganz schön teueres Hobby sei - allein 300 Euro Stromkosten müsste er für seine vielen Becken berappen, rechnet Robert Hinze vor. Auch unter den Aquarienfreunden würde sich die Wirtschaftskrise bemerkbar machen - die Leute würden nicht mehr soviel in ihr Hobby investieren wie früher. All das hält den

Zierfischzüchter nicht von seiner liebsten Freizeitbeschäftigung ab. Kann es auch gar nicht - denn auch vom Sternzeichen her ist Robert Hinze Fisch.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+