Der Tarmstedter Johann Thölken pflegt ein besonderes Hobby Ein Nichtraucher sammelt Pfeifen

Pfeifen sind ein Gebrauchsgegenstand, aber vor etlichen Jahren dienten sie auch der Erinnerung. Verziert und beschriftet geben Pfeifenköpfe aus Porzellan Aufschluss über Beruf und Rang des Besitzers.
16.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johann Schriefer

Pfeifen sind ein Gebrauchsgegenstand, aber vor etlichen Jahren dienten sie auch der Erinnerung. Verziert und beschriftet geben Pfeifenköpfe aus Porzellan Aufschluss über Beruf und Rang des Besitzers.

Tarmstedt. Johann Thölken aus Tarmstedt ist hauptsächlich wegen seines Spiekers und seiner bedeutenden archäologischen Fundstücke von Feuersteinbeilen aus der älteren und der jüngeren Steinzeit bis hin zu Gegenständen aus der Bronzezeit bekannt. Er pflegt aber noch ein weiteres Hobby, das in der hiesigen Region sicherlich seinesgleichen sucht: Der Nichtraucher besitzt nämlich eine große Pfeifensammlung.

Es sind keine gewöhnlichen Tabakspfeifen, sondern an die 30 mehr als einen Meter lange Reservisten- beziehungsweise Soldatenpfeifen und rund 60 bürgerliche Pfeifen in einer Länge von etwa 40 bis 50 Zentimetern. Die meisten Exemplare sind mehr als 100 Jahre alt. Schon als Kind faszinierten ihn die Pfeifen mit den langen Schäften und den beschrifteten und zum Teil kunstvoll verzierten Porzellan- oder Tonköpfen. Später begann er, diese zu sammeln, und bei der Suche danach entwickelte er ein echtes Gespür.

Vor allem in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war es üblich, dass die Reservisten zum Andenken an ihren Militärdienst eine derartige Pfeife mit nach Hause brachten. Dort wurde dann noch oft im Kreise der Freunde beim genüsslichen Tabakrauchen über die Erlebnisse in der Soldatenzeit geplaudert. Thölkens längste Pfeife misst ganze 1,92 Meter. Auf dem weißen Porzellan-Pfeifenkopf ist ein Dragoner in blauer Uniform auf dem Pferd sitzend abgebildet. Dazu ist zu lesen: "Zum Andenken an meine Dienstzeit bei der ersten Escadron Hannoverscher Dragoner, Inf.-Regiment 16 in Lüneburg, 1905 - 1908". Auf der Rückseite sind noch in sehr kleiner Schrift die Namen von 48 Kameraden festgehalten.

Ein weiteres und gut erhaltenes Exemplar stammt vom Reservisten Viebrock. Es trägt die Aufschrift "Zum Andenken an meine Dienstzeit bei der 2. Co. Schleswig-Holst. Train Batterie No. 9 Rendsburg 1910/11". Im oberen Bereich sind ein Pferd unter einem Steigbügel und darüber das Konterfei von Kaiser Wilhelm II. zu sehen. Auf einer anderen Pfeife befindet sich der Spruch: "Mutter, halt die Türe offen, dein Sohn kommt heim und ist besoffen!" Die Schäfte der Reservisten- und auch der bürgerlichen Pfeifen bestehen meist aus Haselholz. Mehrere sind aus afrikanischem Naturhorn gedrechselt. Beachtenswert ist eine Soldatenpfeife, deren Schaft aus Rosenholz besteht. Im Gespräch mit Johann Thölken erfuhren Zuhörer auch, woher der Ausdruck "Saftsack" stammt: Als solcher wird im Volksmund der sich unter dem Pfeifenkopf befindliche Ausguss bezeichnet, in dem sich während des Rauchens Feuchtigkeit sammelt.

Erinnerung an Pfeifenclubs

Interessant sind auch die bürgerlichen Pfeifen. Eine stammt ganz aus der Nähe und trägt die Aufschrift "Piepenclub Kanaster Wohlgemut Breddorf". Früher gab es in zahlreichen Orten Pfeifenclubs. Denen gehörten nicht nur ehemalige Soldaten, sondern auch weitere Tabakliebhaber aus dem jeweiligen Dorf an. So existiert in der Samtgemeinde Hambergen auch heute noch der Pfeifenclub "Blauer Dunst".

Eine weitere bürgerliche Pfeife gehörte sicherlich einem Fleischer H. Schröter, denn auf den Pfeifenkopf sind ein farbiger Ochsenkopf und Fleischerwerkzeuge wie Beil und Säge gemalt. Das Rauchutensil von Gustav Sturhan erinnerte ihn an seine "Seminarzeit in Detmold, 1914 - 1916". Andere zeigen landwirtschaftliche Motive wie Kornhocke, Pflug, Sense, Forke und Harke oder den Spruch "Gott gebe Sonnenschein und Regen, und dazu seinen Vatersegen". Häufig tragen sie Jagdmotive wie Hirsche, Rehe, Fasane und Jäger. Auch eine so genannten Wilhelm-Busch-Pfeife, wie sie auf Busch Zeichnungen der Lehrer Lempel hatte, ist dabei.

Als Sammler ist Johann Thölken natürlich auch im Besitz eines Fachbuches. Autor des im Heyne-Verlag erschienenen und reich bebilderten Werkes "Von der Schönheit der Pfeife" ist der Franzose A. P. Bastien. Im Buch ist festgehalten, dass der Gebrauch der Pfeife eng mit kultischen Handlungen verbunden war und in Europa bereits weit vor der Einführung des Tabaks bekannt war. Bei den Indianerstämmen hätten die Häuptlinge die Friedenspfeife "zu Ehren des großen Geistes" geraucht. Ferner ist dort zu lesen, dass sich die Holzpfeife zu Beginn des 19. Jahrhunderts ebenso wie in Frankreich auch in England, Italien, Deutschland, Österreich sowie in allen Ländern Mittel- und Osteuropas eingebürgert habe.

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