Diana und Ralf Barten-Soujon aus Überhamm zählen zu den treibenden Kräften beim Wandel in Neu Helgoland

„Ein Ort mit Suchtpotenzial“

Das Naherholungsgebiet in Neu Helgoland verändert sich, hin zu einem vielen Ansprüchen genügenden Freizeitparadies. Die Worpsweder Eheleute Diana und Ralf Barten-Soujon, Betreiber des Kanuverleihs seit fünf Jahren, haben von der Gemeinde Worpswede auch den um eine Wohnmobil-Stellfläche erweiterten Campingplatz gepachtet. Und neuerdings treffen sie mit einem gastronomischen Angebot ebenfalls auf große Nachfrage. Das Bistro-Geschäft im ehemaligen Verwaltungsgebäude der alten Strommeisterei lässt sich so gut an, dass inzwischen zwei weitere Aushilfskräfte gesucht werden. Und das Potenzial des Hamme-Hafenareals ist damit keineswegs ausgeschöpft.
16.08.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Schön
„Ein Ort mit Suchtpotenzial“

Die Soujons auf der Sommerterrasse vor ihrem Bistro, den Neu Helgoländer Hamme-Hafen im Rücken. Solche kurzen Auszeiten sind derzeit selten, denn die Pächter im Worpsweder Naherholungsgebiet haben noch viel Arbeit und noch mehr Pläne im Kopf.

Hans-Henning Hasselberg

Das Naherholungsgebiet in Neu Helgoland verändert sich, hin zu einem vielen Ansprüchen genügenden Freizeitparadies. Die Worpsweder Eheleute Diana und Ralf Barten-Soujon, Betreiber des Kanuverleihs seit fünf Jahren, haben von der Gemeinde Worpswede auch den um eine Wohnmobil-Stellfläche erweiterten Campingplatz gepachtet. Und neuerdings treffen sie mit einem gastronomischen Angebot ebenfalls auf große Nachfrage. Das Bistro-Geschäft im ehemaligen Verwaltungsgebäude der alten Strommeisterei lässt sich so gut an, dass inzwischen zwei weitere Aushilfskräfte gesucht werden. Und das Potenzial des Hamme-Hafenareals ist damit keineswegs ausgeschöpft.

Es ist der Morgen eines schönen Sommertages, an dem es auch die letz-ten Morgenmuffel früh ins Freie zieht. Ein Tag zum Träumen an der Hamme, diesem träge dahinziehenden Trübgewässer. Nicht weit von der sich zum Biergarten vergrößernden Sommerterrasse hat sich eine junge Frau mit einem Buch am Ufer niedergelassen, links von ihr haben drei Männer jenes Floß geentert, das sich unlängst Studenten der Berliner Universität der Künste als Gäste in den Martin-Kausche-Ateliers zurechtgezimmert haben. So können sie über dem Wasser Seele und Beine baumeln lassen.

„Ich mag das Licht in den Morgenstunden genauso wie die Stimmung beim Sonnenuntergang“, verrät Diana Barten-Soujon, die mit ihrem Ehemann Ralf das Bistro zwischen Hamme und Hafen in Neu Helgoland im vergangenen Frühjahr eröffnet hat. „Wir befinden uns hier mit Sicherheit an einem der schönsten Plätze am Ufer der Hamme. Ein Kunde hat diese Stätte als Ort mit Suchtpotenzial bezeichnet“, ergänzt Ralf Soujon, der seinen Malereibetrieb ruhen lässt, um sich ganz dem Neu Helgoländer Projekt zu widmen. Und Arbeit hatte er hier in diesem Jahr genug. „Wir haben zuerst die öffentlichen Toiletten hergerichtet, dann kamen die Renovierung des Bistros und die Terrasse dran, die wir mit Freunden selbst gepflastert haben“, berichtet der 52-Jährige.

Zunächst hatte man nur einen Kiosk geplant. Dann aber habe man Zug um Zug weiteren Ansprüchen der Kundschaft Rechnung getragen, erst mit dem Bistro, dann mit dem Biergarten unter uralten Eichen und Kastanien, der nicht nur an lauen Sommerabenden gut besucht ist. Ralf Soujon: „Der Zulauf wird immer stärker.“ Erst kamen die Einheimischen, dann auch Gäste von weiter her. „Die Mundpropaganda durch die zufriedenen Kunden ist für uns die beste Werbung“, versichert die aus Peru stammende Ehefrau.

Neben süffigem Bier aus Franken und einem säurearmen Grauburgunder halten die Gastgeber rustikale Speisen als Begleiter zu den Getränken vor. Tapas und Pommes erfreuen sich besonders großer Beliebtheit. Rustikal wie das Essen ist das ganze Areal gehalten. „Hier wollen wir nicht alles totsanieren“, lautet das Credo des Platzherren. „Sauber und ordentlich muss es selbstverständlich sein, aber die Leute wollen wenig Künstlichkeit, sondern Natürlichkeit und Freiheit mit möglichst wenig Beschränkungen.“ Daher bleiben die gärtnerischen und architektonischen Eingriffe möglichst geringinvasiv, und es gibt keine strikten Trennungen zwischen Biergarten, Campingplatz und Hafen, sondern große Transparenz und unverstellte Perspektiven. Die Reisemobile stehen auch nicht auf einem gepflasterten Platz, wie es ein erster Entwurf vorgesehen hatte, sondern auf einer gemähten Wiese. Die einzelnen Teilbereiche sollen fließend ineinander übergehen.

Soujon hat den Campern mehr Komfort zugestanden und Fußballtore für deren Kinder aufgestellt. Doch damit ist das Potenzial des insgesamt 20 000 Quadratmeter großen Geländes für ihn noch längst nicht ausgeschöpft. Ralf Soujons Blick schweift in die Runde, hinweg über den Steg im Hafen und verharrt in einer Ecke des Areals. Dort würde er an der Stelle einer alten Remise gerne einen Holzbau sehen, in dem die Kanus trocken gelagert werden könnten, auch im Sinne eines Winterquartiers. „Für 60 Plätze. Die Nachfrage ist groß. Wir haben schon eine lange Warteliste“, lässt Diana Barten-Soujon wissen.

Da in dem Gebäude neben dem Bistro noch viel Platz ist, wollen die Eheleute dort weitere Übernachtungsmöglichkeiten schaffen. Außerdem schwebt ihnen vor, den Stammkunden auch in der Wintersaison etwas zu bieten, etwa eine Suppenküche und Glühwein. Die Soujons, die in Überhamm wohnen, aber derzeit mehr Stunden in Neu Helgoland verbringen, haben schon viel investiert. Geld („Rechnen mag es sich vielleicht in drei Jahren“) und vor allem Arbeit. Wenn das Bistro um 22 Uhr schließt, pflegen sie noch bis Mitternacht weiter zu werkeln. „Und wir haben täglich geöffnet“, unterstreicht der Unternehmer. Die Arbeit an den Neu Helgoländer Projekten reicht auch für den kommenden Winter allemal aus. Ihren letzten Urlaub haben sie im vergangenen Jahr genossen. Hochzeitsreise nach Sardinien.

Trotzdem haben sie sich hier einen Traum erfüllt. Der Platz an der Hamme hat Urlaubsparadies-Charakter. Und dem Maler Ralf Soujon liegt das Gastronomiegewerbe im Blut. Seine Eltern betrieben eine Kneipe – nur einige Hundert Meter entfernt, in der Hammehütte. Ralf Soujon hat also schon die ersten Jahre seines Lebens in Neu Helgoland verbracht. Es werden die schlechtesten nicht gewesen sein.

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