Das Streusalz ist aus Ein Schiff aus Marokko muss Nachschub bringen

Verden. Streusalz ist aus. Alle, die im Landkreis Verden für den Winterdienst verantwortlich sind, haben sich schon die Finger wundtelefoniert. 'Nichts zu wollen', sagt Verdens Betriebshofleiter Reinhard Brandt. Rettung naht zumindest für die übergeordneten Straßen: Ein Schiff aus Marokko soll heute Abend oder morgen Streusalz in den deutschen Norden bringen. Das hat Straßenbauamtschef Heiko Gerken gestern in Erfahrung gebracht.
05.01.2010, 04:25
Lesedauer: 2 Min
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Ein Schiff aus Marokko muss Nachschub bringen
Von Anke Landwehr

Verden. Streusalz ist aus. Alle, die im Landkreis Verden für den Winterdienst verantwortlich sind, haben sich schon die Finger wundtelefoniert. 'Nichts zu wollen', sagt Verdens Betriebshofleiter Reinhard Brandt. Rettung naht zumindest für die übergeordneten Straßen: Ein Schiff aus Marokko soll heute Abend oder morgen Streusalz in den deutschen Norden bringen. Das hat Straßenbauamtschef Heiko Gerken gestern in Erfahrung gebracht.

Ein Schiff wird kommen, allerdings wohl nicht für die Kreise und Kommunen. 'Auch in dieser Woche ist mit Lieferungen nicht zu rechnen', teilte der Landkreis gestern Nachmittag mit Hinweis auf eine Auskunft des Deutschen Straßendienstes mit. Dort habe es geheißen, dass Autobahnmeistereien bevorzugt bedient würden. Sie sind neben den Autobahnen auch für Bundes- und Landesstraßen zuständig.

Gestern reichte der Streusalzvorrat der Autobahnmeisterei Oyten gerade noch für zwei Tage. Heiko Gerken als Chef der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden: 'Die Autobahnen haben Vorrang.' Dabei hatte die Autobahnmeisterei 'Berge von Streusalz' gebunkert, so deren Leiter Christian Erdmann. Anfangs habe man sogar noch der Gemeinde Oyten ausgeholfen. Doch wegen des 'enormen Verbrauchs über einen längeren Zeitraum' (Gerken) ist von den eingelagerten 800 Tonnen nur ein Hügelchen geblieben.

Um Nachschub zu bekommen, hat Erdmann in den vergangenen Tagen telefoniert wie ein Weltmeister. Beim Deutschen Straßendienst, mit dem die Landesbehörde schon im Frühjahr einen Vertrag über die Versorgung mit Streusalz abgeschlossen hatte, kam er gar nicht erst durch. 'Die haben auch nicht auf E-Mails geantwortet.' Er habe außerdem bei bestimmt 30, 40 anderen Händlern angerufen, so Erdmann. Doch niemand konnte ihm helfen.

Ebenso erging es dem Landkreis, der Lagerkapazitäten für 200 Tonnen Streusalz hat. 'Das reicht bei rund 230 Kilometer Kreisstraßen für drei bis vier Tage', so Werner Stadtlander, der zuständige Mann im Kreishaus. Weil die Vorräte aufgebraucht seien, hätten in den vergangenen Tagen die meisten Streckenabschnitte schon nicht mehr gestreut werden können - 'obwohl wir rechtzeitig nachbestellt haben', sagt Stadtlander. 'Bislang waren jedoch weder der Deutsche Straßendienst noch die Nordsalz GmbH in der Lage, Salz nachzuliefern.'

Weil damit frühestens in der kommenden Woche zu rechnen sei, werde die Straßenmeisterei des Kreises jetzt erstmal auf Splitt umstellen, kündigte Stadtlander an. Die Streugeräte würden entsprechend umgerüstet.

Auch der 120 Tonnen fassende Silo des Verdener Betriebshofes gibt kein Körnchen Streusalz mehr her. 'Unsere Vorräte haben für fünf Tage gereicht', berichtet Leiter Reinhard Brandt, 'jetzt warten wir auf Nachschub.' Doch weil noch keiner in Sicht ist, will er die Streufahrzeuge notfalls mit Sand losschicken. 'Das stumpft festgefahrene Schneedecken zumindest ab.' Für besondere Gefahrenpunkte hat die Stadt noch kleine Vorräte an Salzlauge. Die Fässer liegen bereit, von den sogenannten Citysprayern an Bord genommen zu werden.

Gestern Mittag an der Score-Tankstelle Hamburger Straße: Mitarbeiterin Dörthe 'Nina' Freese schabt mit dem Schieber letzte Reste gefrorenen Schneematsches zur Seite. Weitere Schneefälle sind angekündigt, dann hätte sie gerne wieder Streusalz. 'Aber weder haben wir etwas für unsere Kunden, noch kriegen wir selber was.' Sie habe schon überall herumgefragt, aber Pustekuchen.

Niemand kann sich die Lieferengpässe so recht erklären, auch nicht Christian Erdmann von der Autobahnmeisterei Oyten. 'Vor einem Jahr ist ja auch gut was durchgegangen, ohne dass wir Nachschubprobleme hatten.' Vielleicht, meint Erdmann mit Galgenhumor, hätten die Lieferanten gemeint, sie bräuchten wegen der Erderwärmung keine großen Vorräte mehr anzulegen.

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