Achimer Stadtbibliothek Ein weiteres Jahr in der Warteschleife

Achim. Wenn Heike Pflugner nach einem Wunsch für 2010 gefragt wird, muss die Leiterin der Achimer Stadtbibliothek nicht lange überlegen: 'Endlich eine Entscheidung darüber, wie es mit der Stadtbibliothek weitergeht.'
06.01.2010, 01:20
Lesedauer: 3 Min
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Ein weiteres Jahr in der Warteschleife
Von Ralf Michel

Achim. Wenn Heike Pflugner nach einem Wunsch für 2010 gefragt wird, muss die Leiterin der Achimer Stadtbibliothek nicht lange überlegen: 'Endlich eine Entscheidung darüber, wie es mit der Stadtbibliothek weitergeht.' Egal ob Anbau, Neubau oder Umzug - 'dass man wenigstens sieht, wohin die Reise geht.' Diese Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. Kein Wunder. Ende 2008 hatte sie den selben Wunsch. Ende 2007 auch. Die Erweiterung der Achimer Stadtbibliothek ist auch 2009 keinen Schritt weitergekommen.

Wer Heike Pflugner in diesen Tagen an ihrem Arbeitsplatz besucht, ist sozusagen mitten im Thema. Drei Computerarbeitsplätze gibt es in dem Raum, überall stapeln sich Papiere und Bücher. Das Regal hinten an der Wand ist vollgestopft mit Ordnern, ein weiteres Regal mitten im Raum quillt ebenfalls mit Büchern über, überall stehen Kisten herum, auch sie meist bis zum Rand gefüllt mit Büchern und anderen Medien. 'Das ist unser großes Büro', erklärt Heike Pflugner, 'mein kleines zeige ich Ihnen lieber gar nicht erst...'

Die Mitarbeiter der Stadtbibliothek, neben der Chefin drei weitere Vollzeitkräfte, vier Halbtagsstellen und drei Auszubildende, wissen nicht mehr wohin mit den Medien. 'Wir rücken damit eigentlich nur ständig von einer Stelle zur anderen.' Was nicht nur lästig sei, sondern auch unnötig viel Zeit in Anspruch nehme, erklärt die Bibliotheksleiterin.

Das ständige Hin- und Herrücken gelte natürlich noch viel mehr für die Bibliothek selbst. 'Wenn wir neue Bücher anschaffen - und das müssen wir natürlich, um aktuell zu bleiben - müssen wir andere aus den Regalen nehmen, sonst haben wir keinen Platz dafür.' Dabei würden dann durchaus auch schon Mal Bücher aussortiert, die eigentlich noch hätten stehenbleiben können.

Ganz zu schweigen von der Enge, die in den Regalen herrsche. 'Die Bücher stehen dicht an dicht zusammengequetscht.' Keine Chance, Bücher wie in Buchhandlungen attraktiv zu platzieren oder zu kleinen Ausstellungen zu gruppieren, um den Besucher neugierig zu machen, bedauert die Bibliotheksleiterin, die trotzdem auf annähernd 300.000 Ausleihen im Jahr verweisen kann.

Besonders auffällig wird die Raumnot der Bücherei bei Veranstaltungen. Der Julius-Club, bei dem es darum geht, neue junge Leser zu gewinnen, musste in diesem Jahr ins Gymnasium am Markt ausweichen, Autorenlesungen finden aus Platzmangel zum Teil im Kulturhaus alter Schützenhof statt und selbst Aktionen wie kürzlich 'Achim liest' stoßen an räumliche Grenzen.

Mindestens 1200 Quadratmeter bräuchte die Stadtbibliothek, hat Heike Pflugner in einem Raumkonzept errechnet. Tatsächlich zur Verfügung stehen ihr 473 Quadratmeter. Dass die Bücherei in das Gesamtkonzept der Achimer Innenstadtentwicklung eingebunden ist und damit auch in das Finanzierungskonzept über EU-Mittel, versteht Pflugner. Trotzdem sei es frustrierend, dass man Jahr für Jahr nicht einen Schritt vorankomme. Immerhin sei die Erweiterung der Stadtbibliothek schon seit dem Jahr 2000 ein Thema. 'Wenn man wenigstens einen Lichtblick sähe - wenigstens eine Entscheidung, wie es weitergeht...'

Doch mit genau diesem Lichtblick glaubt Rüdiger Dürr aufwarten zu können. Der Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbibliothek glaubt an eine Lösung für die Raumnot der Bibliothek noch im Jahr 2010. Und dies, obwohl er als CDU-Ratsherr 2009 im Stadtrat gleich mehrfach mit entsprechenden Anträgen gescheitert war. Zwar bestreitet keine der anderen Fraktionen die Raumnot der Bibliothek für Achim, doch dieses Problem soll in Verbindung mit dem Innenstadtkonzept für den Bereich Baumplatz/Gefängnis/Amtsgericht gelöst werden. Hintergrund: Es gibt Pläne für einen Abriss des Gefängnisses und einen Umzug des Amtsgerichtes an den Rathauspark. Die Stadt hofft auf einen Investor, der in diesem Bereich ein neues Geschäftszentrum entwickelt, in das auch die Bibliothek umziehen könnte.

Seinen Optimismus, dass es schon vor der Umsetzung derlei Pläne eine kleine Lösung für die Stadtbibliothek geben wird, gründet Rüdiger Dürr auf zwei Argumente. Zum einen verweist er auf die teilweise marode Bausubstanz der bestehenden Bibliothek. 'Das Lesecafé ist abgängig - jeder weiß, dass da in diesem Jahr ohnehin was gemacht werden muss.' Zum anderen sei der Zeitfaktor entscheidend. 'Selbst wenn es mit den Investorenplänen gut läuft, dauert es fünf Jahre, bis dort etwas passiert, das sagen auch die Stadtplaner.'

So lange aber könne mit der Erweiterung der Stadtbibliothek nicht gewartet werden. Sagt Rüdiger Dürr. Wie schon 2008. Und 2007.

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