Geplanter Radweg an der Warwer Straße

Eine fast unendliche Geschichte

Schon lange ist ein Radweg an der Warwer Straße in Fahrenhorst geplant. Bei den schwierigen Grundstücksverhandlungen scheint nun ein Ende in Sicht. Kritik kommt weiterhin vom ADFC.
31.07.2018, 18:41
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Eine fast unendliche Geschichte
Von Claudia Ihmels

Stuhr-Fahrenhorst. Viele Fahrenhorster dürften die Hoffnung schon aufgegeben haben, schließlich ist der Wunsch nach einem Radweg an der Warwer Straße mittlerweile einige Jahre alt. Und trotz entsprechender Beschlüsse der Stuhrer Politik aus 2015: Passiert ist seitdem nichts – zumindest gibt es immer noch keinen Radweg. Tatsächlich scheiterte die Umsetzung bislang vor allem am dafür notwendigen Grunderwerb, heißt es aus dem Stuhrer Rathaus. Ein Umstand, der dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) durchaus zupass kommt, denn der Verband hält nicht viel von den Plänen in ihrer jetzigen Form.

Rückblende: Schon 2002 monierten die Fahrenhorster auf einer Bürgerversammlung den fehlenden Radweg, etwa ab 2012 gab es Bestrebungen in der Stuhrer Politik, Abhilfe zu schaffen. Allerdings handelt es sich bei der Warwer Straße um eine Kreisstraße, dementsprechend ist der Landkreis Diepholz zuständig. Dort rangiert ein Radweg an der Warwer Straße jedoch erst auf Nummer 26 der Prioritätenliste. Die Gemeinde Stuhr entschloss sich deshalb, den Radweg vorzufinanzieren. Um die Chancen auf Fördergelder zu erhöhen, wurde 2017 eine Verbreiterung des Weges von zwei auf 2,50 Meter beschlossen. Demnach soll der Bau für den Bereich zwischen der Kreuzung mit der Bundesstraße 51 und der Ristedter Straße 871 000 Euro kosten, für die Gemeinde Stuhr bedeutet das nach dem Abzug von Fördergeldern und der Rückerstattung durch den Landkreis einen Anteil von 28 400 Euro. Allerdings erstattet der Landkreis die Kosten erst, wenn der Radweg laut Prioritätenliste an der Reihe gewesen wäre.

"Die Planunterlagen sind soweit fertig, jetzt muss es ein Planfeststellungsverfahren geben", sagt Hajo Giesecke, Fachbereichsleiter für Bau, Recht und Ordnung bei der Gemeinde Stuhr, zum aktuellen Stand der Dinge. Er schiebt jedoch ein "Aber" ein: Für das Planfeststellungsverfahren muss der Grunderwerb gesichert sein. Damit hat die Gemeinde die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) beauftragt, es geht laut Giesecke um etwa 20 Grundstücke. "Diese Gespräche sind nicht so einfach", sagt er. Das gelte besonders, wenn private Gärten betroffen sind. "Wir sind davon ausgegangen, dass es schneller geht", gibt Giesecke zu, hat nun aber eine positive Nachricht für alle Radweg-Befürworter: "Es geht noch um die Feinheiten." Für Ende August / Anfang September rechnet der Fachbereichsleiter mit einem positiven Ausgang der Verhandlungen.

Für wichtig hält den Radweg etwa Dierk Jobmann, der sich im Mehr-Generationen-Haus (MGH) Fahrenhorst engagiert. Das MGH befindet sich in der Kapelle an der Straße Zum Warwer Sand, von Fahrenhorst zu erreichen über die Warwer Straße. "Wir legen Wert darauf, dass unsere Gäste sicher ankommen", sagt Jobmann. Jetzt sei die Warwer Straße eine relativ schmale Kreisstraße, schon die Einmündung zur Bundesstraße 51 sei eng, für Jobmann ein "hohes Risiko". Darüber hinaus würden täglich mit Sand beladene Lastwagen die Straße befahren, wenn sich zwei große Fahrzeuge begegnen, gebe es für einen Radfahrer oder einen Fußgänger keine Ausweichmöglichkeit, weil daneben auch noch ein Graben verläuft.

"Es gibt permanente Gefahrenpunkte", fasst Jobmann zusammen. Er denkt dabei nicht nur an die Besucher des MGH, sondern auch an diejenigen, die auf dem Weg zum Sportplatz oder Tennisverein sind oder die Jugendlichen, die die Schulbusse nutzen und an der Warwer Straße aussteigen. Für das MGH prognostiziert er zudem steigende Besucherzahlen. "Wir wollen das stärker ausbauen", kündigt er an.

Kritik an den Plänen kommt vom Kreisverband Diepholz des ADFC. "Die Leute halten die Begrifflichkeiten nicht auseinander", sagt der stellvertretende Vorsitzende Holger Opitz. Innerhalb der geschlossenen Ortschaft würden Gehwege hingehören. "Die Fußgänger brauchen einen Sonderweg, das hat die Gemeinde Stuhr seit 50 Jahren verschlafen", so Opitz. Weil es aber Fördergelder gebe, wolle man jetzt einen Radweg bauen. Von den Befürwortern des Radweges würden aber eher Argumente kommen, die für einen Gehweg sprechen. "Radfahrer sind jedoch keine Fußgänger. Wenn es in Wahrheit um Schutzbedarfe für Fußgänger geht, dann soll man von Gehweg reden“, findet er.

Die Situation an der Bushaltestelle findet Opitz auch verbesserungswürdig, allerdings würde für ihn eher ein Ausbau und eine Querungshilfe Sinn ergeben. Auch eine bessere Erreichbarkeit des Sportplatzes zählt für ihn nicht als Argument. Erst vor Kurzem habe er an einem Sonntagvormittag bei bestem Wetter die Situation beobachtet. 50 Autos und lediglich ein Fahrrad standen am Sportplatz. Und einige Besucher hatten ihr Auto auch an der Warwer Straße abgestellt. "Wenn dort also ein netter neuer Radweg gebaut wird, dann werden die Leute nicht mehr auf der Fahrbahn parken, sondern auf dem Radweg. Die Radfahrer dürfen dann nette Ausweichmanöver fahren", so seine Befürchtung. Das Ergebnis: neue Gefahren.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+