Ein Industrieroboter für 40 000 Euro soll an den BBS Wildeshausen Lernen auf höchstem Niveau ermöglichen Eine Greifarmlänge voraus

Ganz nah an der Wirklichkeit wollen sich die Berufsbildenden Schulen Wildeshausen orientieren. Viel versprechen sich die Lehrer daher von einem neu angeschafften Roboter. Der Clou: Es ist ein Modell, das normalerweise in der Industrie eingesetzt wird. So sollen die Schüler sich ideal auf ihren späteren Job vorbereiten können.
06.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tina Hayessen

Ganz nah an der Wirklichkeit wollen sich die Berufsbildenden Schulen Wildeshausen orientieren. Viel versprechen sich die Lehrer daher von einem neu angeschafften Roboter. Der Clou: Es ist ein Modell, das normalerweise in der Industrie eingesetzt wird. So sollen die Schüler sich ideal auf ihren späteren Job vorbereiten können.

Wildeshausen. Nein, er soll den Schülern nicht die Arbeit abnehmen oder gar die Lehrer überflüssig machen – obwohl ein Roboter natürlich genau dafür da ist: menschliche Tatkraft ersetzen. Im Unterricht der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Wildeshausen arbeiten die Schüler selbst, aber ab jetzt wird für einige von ihnen ein Roboter zum Unterrichtsgegenstand. Das Gerät ist gerade neu eingetroffen. 40000 Euro hat der Landkreis für die Komplett-Anschaffung samt dazugehörigen Programmen bezahlt. Zwar gebe es auch wesentlich günstigere Maschinen, sagt Lehrer Thorsten Lange, aber der neue Roboter habe einen gewaltigen Vorteil: Er ist ein Industrieroboter, wird also in der Wirtschaft eingesetzt und ist daher für die Schüler ein perfekter Trainingspartner. Wer ihn beherrscht, versprechen sich die Pädagogen, ist auf die Arbeit als Mechatroniker oder Programmierer ausgezeichnet vorbereitet.

Was den Profi freut, enttäuscht den Laien: So richtig nach Roboter – wie man ihn aus Science-Fiction-Serien oder Comics kennt – sieht das Mitsubishi-Produkt nicht aus. Ein Greifarm ist das einzige, das an den menschlichen Körperbau erinnert. Was dem Roboter äußerlich fehlt, macht er mit inneren Werten wett, betont Lange. "Er ist hochkomplex, nichts ist für Schüler vereinfacht", erklärt der Lehrer den wichtigsten Pluspunkt des Roboters.

Simulationsprogramme für alle

Eine schier unendliche Reihe von Aufgaben könne man die Maschine erledigen lassen, ergänzt Hob Ali Maasoumy, der am Beruflichen Gymnasium Technik-Teamleiter ist. Man müsse sie eben nur mit den richtigen Daten füttern. Eben weil der Roboter preislich teuer und pädagogisch wertvoll sei, werde man ihn natürlich nicht nur in einer einzigen Klasse einsetzen, sondern immer dort, wo sein Einsatz Sinn ergibt – egal ob am Gymnasium oder in der Aus- oder Weiterbildung. Damit nicht immer nur ein oder zwei Schüler gleichzeitig arbeiten können, gehören zu dem gekauften Paket auch Simulationsprogramme, hält Lange fest. Bis zu 24 Schüler können so unterschiedliche theoretische Versuche am Computer machen, bevor sie den echten Roboter anweisen. Man müsse gerade in der Technik die Balance finden zwischen trockener Theorie – also Formeln und Rechnen – und dem Basteln an tatsächlichen Modellen.

"Das hier ist natürlich die Krönung", stellt Lange mit Blick auf den Roboter klar. Der sei etwas für die höheren Semester, die mit dem Programmieren nicht erst gestern angefangen haben – zum Beispiel der 13. Jahrgang des Beruflichen Gymnasiums. Im Bereich Technik sind die jetzigen 13er auch die ersten. Sie haben ihren Fachbereich gewählt, als er noch ganz neu war. Angefangen, sagt Maasoumy, haben sie wie alle anderen 11er seitdem auch mit einem Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel aus Plexiglas mit eingebohrten Pöppeln. "Wir setzen kein Fachwissen voraus, wir fangen ganz von vorne an", betont Maasoumy und macht keinen Hehl daraus, die Gelegenheit für ein wenig Eigenwerbung zu nutzen. Besonders Schülerinnen möchte er vermitteln, dass sie keine Angst vor einem Technik-Gymnasium haben müssen. "Nur zwei Mädchen sind hier – aber die gehören zu den Besten!", lobt der Pädagoge die weibliche Schülerschaft. "Man muss wirklich nicht befürchten, dass man nicht mitkommt", springt Laura Rieg ihrem Lehrer argumentativ zur Seite. "Man lernt hier, was man braucht – und es ist auch nicht schlimm, wenn man nach dem Abitur nichts im Bereich Technik machen will. Schließlich hat man ein ganz normales Abi", unterstreicht die 19-Jährige. Die meisten seines Jahrgangs aber, meint der ebenfalls 19-jährige Lukas Brockmann, blieben der Technik treu: "entweder bei einem dualen Studium – zum Beispiel Informatik oder Maschinenbau – oder bei einer Ausbildung". Die Aussichten für die Abgänger, versichert Maasoumy, könnten besser kaum sein. "Die Betriebe werben um Ingenieure, ihnen wird ein roter Teppich ausgelegt."

Wer sich für das Berufliche Gymnasium anmelden will, kann das übrigens für dieses Jahr noch bis zum 20. Februar tun – unter www.beruflichesgymnasium-wildeshausen.de.

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