Verleihung der Ehrenamtskarte

Eine Herzensangelegenheit

50 ehrenamtliche Mitarbeiter von Vereinen, Kirchengemeinden und anderen Organisationen erhalten in Brake Ehrenamtskarten. Das erfreut die Geehrten. Ihre Zufriedenheit ziehen sie aber aus einer anderen Gabe.
20.02.2020, 11:10
Lesedauer: 3 Min
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Eine Herzensangelegenheit
Von Barbara Wenke
Eine Herzensangelegenheit

Für ihr ehrenamtliches Engagement in der evangelischen Jugend erhalten (von links) Fabian Dargel, Anja Tönjes, Jacqueline Pundt und Finnja Bohlken am kommenden Montag von Landrat Thomas Brückmann die Ehrenamtskarte.

Louis Kellner

Am Montag um 17 Uhr ist es so weit: Bei einem Empfang im Kreishaus in Brake gibt Landrat Thomas Brückmann 50 neue Ehrenamtskarten an engagierte Bürger aus der Wesermarsch aus. Unter den Empfängern ist auch ein vierköpfiges Team der evangelischen Jugend. „Ich finde die Geste schön“, sagt die 17-jährige Jacqueline Pundt aus Berne. Sie würde sich aber auch ohne das Dankeschön des Landkreises weiter engagieren.

Finnja Bohlken, Anja Tönjes und Fabian Dargel, die sich am Dienstagabend zum Mitarbeiterkreis in der Berner Pastorei trafen, nicken zustimmend. Die Mitarbeiterkarte sei ein Bonbon. Wichtiger ist dem Quartett allerdings die Wertschätzung, mit der sie in ihren Kirchengemeinden behandelt werden. „In meiner Kirchengemeinde in Altenesch werde ich als Mitarbeiter angesehen, nicht als kleiner Helfer“, freut sich der 20-jährige Fabian Dargel. Ihm reiche diese Anerkennung eigentlich schon.

Als Teamer auf Reisen

Deshalb hat sich der junge Mann aus Ganspe ebenso wie seine drei Mitstreiterinnen auch nicht aus eigenen Stücken um die Karte beworben. Kreisjugenddiakonin Doris Kügler hat ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter mehrfach auf das Angebot aufmerksam gemacht. Nun können die jungen Berner und Lemwerderaner landesweit sowie in Bremen vergünstigt Museen besichtigen, ins Schwimmbad gehen und einkaufen.

Anja Tönjes bedeutet die Wertschätzung, die sie für ihr Ehrenamt erfährt, allerdings noch mehr „Die Hauptamtlichen machen sich Gedanken, wenn man mal sagt, dass etwas nicht so gut gelaufen ist“, sagt die 35-Jährige. Ihre Meinung zähle. Das sei ihr wichtig.

Seit 20 Jahren ist die Altenescherin ehrenamtlich aktiv. „Mit zwölf Jahren war ich das erste Mal auf einer Kinderfreizeit. Ich fand die Ehrenamtlichen damals so toll, dass ich sofort wusste, dass ich das auch mal machen will“, erinnert sich Anja Tönjes, die in den vergangenen Jahren Kindergruppen und Freizeiten geleitet hat.

Auch Jacqueline Pundt und Finnja Bohlken gehen als Teamerinnen auf Reisen, die eine mit Kindern, die andere mit Jugendlichen. Was sich nach Urlaub anhört, bedeutet viel akribische Arbeit im Vorfeld. „So eine Freizeit bereitet man ein halbes Jahr vor“, fasst Anja Tönjes zusammen. Mit Fahrtantritt hört die Arbeit nicht auf. Vor Ort sind die Ehrenamtlichen Organisatoren, Tröster und Animateure in Personalunion.

Wie viele Stunden sie für ihr Ehrenamt aufbringen, haben die vier Teamer der evangelischen Jugend Oldenburg, zu der der Landkreis Wesermarsch gehört, nie gezählt. „Ich habe mal angefangen, die Stunden mit einer App zu messen“, sagt Fabian Dargel. „Aber das habe ich schnell wieder gelassen. Das waren so viele.“ Der 20-Jährige, der unter anderem in Lemwerder die Kinder-Erlebnistage leitet, investiert fast seine gesamte Freizeit. Er mache das nicht, weil er müsse, sondern weil er wolle, sagt Dargel. „Ich mache das sehr gerne.“ Jacqueline Pundt bringt die Meinung aller auf den Punkt: „Mein Ehrenamt ist mein Hobby.“ Auch Andreas Jabs aus Lemwerder kann nicht ohne Ehrenamt. Der Vorruheständler engagiert sich in zahlreichen Vereinen – vom Awo-Ortsverein über die örtliche SPD bis hin zum Shantychor. Auch im Sportverein und im Kirchenrat sowie in der Arbeitsgruppe Agil ist er aktiv. „Viele sind nicht bereit, etwas zu tun. Deshalb habe ich die Posten angenommen“, berichtet der 62-Jährige. „Die Gemeinschaft gibt mir etwas“, stellt er fest. Ihn mache es glücklich, wenn sich die Senioren in der Gemeinde freuen ihn zu sehen, weil er sie alle 14 Tage zum Kaffeetrinken ins Gemeindehaus bringt. „Man ist zufrieden, wenn andere zufrieden sind.“

Um eine Ehrenamtskarte hat Andreas Jabs sich nicht bemüht. „Ich habe die vom Landessportbund Niedersachsen und dem Niedersächsischen Turner-Bund ins Leben gerufene Gym-Card“, stellt der 62-Jährige fest. Eingesetzt habe er sie allerdings noch nicht. „Wenn man etwas Ehrenamtliches macht, dann macht man das von Herzen.“

Attraktivität des ländlichen Raums

Durch Vereine und Ehrenämter werde nicht nur das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Generationen gestärkt, sondern auch die Attraktivität des ländlichen Raumes gefördert, urteilt Landrat Brückmann. Um die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements zu unterstreichen, zu fördern und Anreize für ehrenamtliches Engagement zu schaffen, habe die Kreisverwaltung im vergangenen Herbst die Ehrenamtskarte für Neuantragsteller wieder eingeführt. Laut Freiwilligen-Server Niedersachsen sind landesweit 3,2 Millionen Menschen freiwillig und unbezahlt für das Gemeinwohl tätig.

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