Ganderkesee Eine LAN-Party nur für Eltern

Ganderkesee. Marika Schröder sitzt kopfschüttelnd vor dem Computer-Bildschirm. Für die Mutter ist es eine völlig neue Erfahrung, ein Computerspiel zu spielen, aber dennoch eine wichtige. 'Wir wollen einmal sehen, was unsere Kinder so spielen', sagt Manuela Spalthoff.
27.02.2010, 09:11
Lesedauer: 3 Min
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Eine LAN-Party nur für Eltern
Von Florian Cordes

Ganderkesee. Marika Schröder sitzt kopfschüttelnd vor dem Computer-Bildschirm. Ihre Freundin Manuela Spalthoff kann sich ein Lachen nicht verkneifen. 'Was ist denn das für ein Blödsinn', fragen sich die beiden Mütter. Als Blödsinn bezeichnen die beiden ein Computerspiel, in dem es darum geht, möglichst viele Raumschiffe zu zerstören. Für die beiden Mütter ist es eine völlig neue Erfahrung, solch ein Spiel zu spielen, aber dennoch eine wichtige. 'Wir wollen einmal sehen, was unsere Kinder so spielen', sagt Manuela Spalthoff.

Die Gelegenheit dazu bekamen sie am Donnerstagabend in der Mensa des Schulzentrums Ganderkesee, in der eine LAN-Party für Erwachsene veranstaltet wurde. Bei einer solchen Party geht es freilich nicht zu, wie auf einer normalen Feier: Die Abkürzung LAN steht für Local Area Network; bei diesen Events werden viele Computer in einem Netzwerk miteinander verbunden, damit die Teilnehmer gegeneinander Computerspiele spielen können. Unter anderem spielten die Gäste jetzt auch 'World of Warcraft' und 'Counterstrike'.

Natürlich ging es auf der Party auch um den Spaß für die Erwachsenen, doch die Veranstaltung hatte einen tieferen Hintergrund: 'Manche Computerspiele stehen ja immer wieder negativ in den Medien, weil sie angeblich gewalttätig machen oder zu Amokläufen von Jugendlichen geführt haben sollen', sagte Brigitte Balder, Jugendpflegerin in der Gemeinde Ganderkesee. 'Daher haben wir uns gedacht, dass die Eltern informiert werden müssen und dass wir sie mit der virtuellen Welt, mit der sich ihre Kinder beschäftigen, bekannt machen wollen.'

Die Idee zu der Party kam Balder, nachdem sie davon gehört hatte, dass solche Abende von der Landesstelle für Jugendschutz in Niedersachsen angeboten werden. 'Wir haben uns dann einfach mal beworben und Glück gehabt, dass diese Veranstaltung auch nach Ganderkesee gekommen ist', berichtete Balder.

Neben dem Ausprobieren der verschiedenen Computerspiele standen auch Informationen rund um das richtige Konsumverhalten mit den Computern auf der Tagesordnung. Vor allem die drohende Suchtgefahr für Jugendliche war eines der zentralen Themen. Balder: 'Es ist ganz wichtig, dass die Eltern auf persönliche Veränderungen ihrer Kinder achten. Wenn sie zu viel am Computer spielen, fällt es Kindern und Jugendlichen oft schwer, zwischen Realität und Virtualität zu unterscheiden.'

Daher sei es wichtig, dass die Eltern viel mit ihren Kindern über deren Spielverhalten reden. Das aber sei häufig schwierig, weil viele Eltern nicht sehr viel über die Spiele wissen. 'Und genau deswegen veranstalten wir die Eltern-LAN-Party', erläuterte die Jugendpflegerin.

Knapp 50 Eltern wollten schließlich wissen, mit welchen Computerspielen ihre Kinder sich die Zeit vertreiben. So wie die beiden Mütter Marika Schröder und Manuela Spalthoff aus Ganderkesee. Marika Schröder, die einen 16-jährigen Sohn hat, gestand, dass ihr die Welt der Computerspiele völlig fremd sei. 'Ich weiß zwar, dass mein Sohn oft diese Ballerspiele spielt, aber Genaueres wusste ich darüber nicht.' Das Ganze sei schon sehr interessant, aber: 'Nach meinen ersten eigenen Versuchen, sehe ich keinen großen Sinn in diesen Spielen', sagte sie. Sie achte darauf, dass ihr Sohn nicht nur vor dem Computer sitzt: 'Er darf täglich zweieinhalb Stunden spielen. Das muss reichen.'

Verbote, die neugierig machen

Auch Manuela Spalthoff wollte auf der LAN-Party einen Blick in die virtuelle Welt werfen. Die Mutter sagte allerdings, dass ihr 15-jähriger Sohn nicht viel für Gewaltspiele übrig habe: 'Er spielt lieber Fußball und Managerspiele auf dem Computer', erzählte sie. Dennoch wollte sie auch einmal ein Spiel, bei dem es nicht gerade zimperlich zur Sache geht, kennenlernen. 'Es kann ja noch passieren, dass mein Sohn solche Spiele spielen will. Ich würde es ihm nicht von vornherein verbieten. Denn das würde ja noch viel mehr locken', sagte sie. Vielmehr würde sie versuchen, ihn mit guten Argumenten davon zu überzeugen, 'dass gewalttätige Spiele nicht sinnvoll sind' und Alternativen anbieten.

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