Parzival-Hof in Quelkhorn besteht seit 30 Jahren / Feier zum Mühlentag an Pfingsten

Eine lebenswerte Gemeinschaft

Eine Gemeinschaft, in der Menschen mit Behinderungen zusammen leben und arbeiten, ihre Persönlichkeit entfalten können und wo auf alle Bedürfnisse individuell eingegangen wird: Das ist das Prinzip des Parzival-Hofs in Ottersberg-Quelkhorn. Dieses Jahr feiert die Einrichtung ihr 30-jähriges Bestehen mit dem Mühlentag an Pfingsten und einem Jubiläumskonzert im September.
28.05.2014, 00:00
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Eine lebenswerte Gemeinschaft
Von Esther Nöggerath
Eine lebenswerte Gemeinschaft

Gemeinsam mit Gründer Helmut Pohlmann (Mitte vorn), Betriebsstättenleiterin Mareike Cordes (2.v.l. vorn) und Heimleiter Stefan Bachmann (2.v.r. hinten) präsentieren die „Jubilare“ ihre Jubiläumsbecher und die Mühlenkerze zum 30-jährigen Bestehen des Parzival-Hofs.

Björn Hake

Eine Gemeinschaft, in der Menschen mit Behinderungen zusammen leben und arbeiten, ihre Persönlichkeit entfalten können und wo auf alle Bedürfnisse individuell eingegangen wird: Das ist das Prinzip des Parzival-Hofs in Ottersberg-Quelkhorn. Dieses Jahr feiert die Einrichtung ihr 30-jähriges Bestehen mit dem Mühlentag an Pfingsten und einem Jubiläumskonzert im September.

32 Jahre ist es jetzt her, dass der Sozialtherapeut Helmut Pohlmann zum ersten Mal das Gelände des Parzival-Hofs in Quelkhorn betrat. Damals stand dort ein leerstehender Jugendhof, der zwangsversteigert werden sollte. Pohlmann nutzte die Gelegenheit und erwarb 1983, gemeinsam mit einigen Eltern, die er von seiner Arbeit an der Tobias-Schule in Bremen kannte, das Grundstück. Hier wollte der Gründervater des Parzival-Hofs seine Idee einer anthroposophischen Gemeinschaft zusammen lebender und arbeitender Menschen mit und ohne Behinderungen umsetzen. In Deutschland waren solche Projekte bis dato eher selten, Pohlmann selbst profitierte dabei von seinen Auslandserfahrungen in den Niederlanden. Der Bedarf und die Nachfrage seien groß gewesen, erinnert sich Pohlmann. Wichtig war ihm bei dem Projekt auch, dass die Gruppe nicht zu groß werden würde und die eigene Persönlichkeitsentwicklung gegeben sei. „Eine Gemeinschaft sollte lebenswert und überschaubar sein“, erklärte der 71-Jährige. 1984 war dann das erste Wohngebäude fertig und die ersten Menschen zogen ein.

Heute, 30 Jahre später, leben 75 Bewohner im Parzival-Hof und 81 arbeiten in der Küche, der Textilwerkstatt, der Kerzenwerkstatt, der Weberei oder draußen in der Landwirtschaft und Gärtnerei. Dass sich die Bewohner hier wohl fühlen, merkt man. Einige blieben sogar am Wochenende lieber auf dem Parzival-Hof, als zu den Eltern nach Hause zu fahren, freut sich Pohlmann. „Die Leute, die hier wohnen, haben eine Heimat gefunden.“

Einige der Bewohner sind schon von Anfang an dabei. So auch Angelus Laue. „Ich bin eigentlich schon seit 31 Jahren hier!“, scherzt der Heimbewohner. Noch bevor die ersten Schlafräume im Parzival-Hof 1984 fertiggestellt waren, sei er jeden Tag aus Bremen mit dem Rad nach Quelkorn gefahren, um bei der Renovierung zu helfen.

Auch in die Umgebung hat sich der Parzival-Hof gut eingegliedert. „Wir waren von Anfang an Teil des Dorfes“, berichtet Gründervater Pohlmann. „Wir gehören dazu. Das ist, wenn man so will, Inklusion.“

Zum 30-jährigen Bestehen des Parzival-Hofs hat sich die „Jubiläums-AG“ verschiedene Aktionen ausgedacht. Auf dem Mühlentag am Pfingstmontag, 9. Juni, treten das Tobias-Duo, der kleine Chor Fischerhude, die Christopherus-Bläser und die Gruppe Fleitjepiepen auf. Außerdem wird eine Gruppe des Parzival-Hofs eine Bauchtanzvorführung zum Besten geben. Darüber hinaus gibt es verschiedene Angebote wie Kinderschminken, eine Mühlenbesichtigung und Hofführung oder ein Flohmarkt im unteren Raum der Mühle.

Extra für den 30. Geburtstag hat der Töpfer Matthias Kurig gemeinsam mit Bewohnern des Hauses einen Jubiläumsbecher mit eigens dafür entworfenem Siegel angefertigt. Die Tonbecher werden, genauso wie die Mühlenkerzen, die in der Kerzenwerkstatt gemacht werden, auf dem Fest oder im Hofladen Weidenhof verkauft.

Unabhängig vom Mühlentag gibt es ein Benefizkonzert am Sonntag, 13. Juli, das der Bremer Domchor in der Liebfrauenkirche Fischerhude zum Bestehen der Einrichtung veranstaltet. Das Orchester des Parzival-Hofs präsentiert sein Jubiläumskonzert am Sonntag, den 28. September. Es ist das erste, eigenständige Konzert der Gruppe.

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