Als Duo Patatrak treten Daniela Franzen und Marcello Monaco bei der vierten Piazzetta auf Eine Reise durch Ginellas Traumwelt

Bassum. Ganz schön schwer. Ginella trägt ihre Schöpfung auf dem Rücken, passt auf, dass ihre rote Nase und ihre rote Zipfelmütze nicht herunterfallen.
21.05.2014, 08:00
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Eine Reise durch Ginellas Traumwelt
Von Christoph Starke

Ganz schön schwer. Ginella trägt ihre Schöpfung auf dem Rücken, passt auf, dass ihre rote Nase und ihre rote Zipfelmütze nicht herunterfallen. Extra für ihren kleinen Zirkus Patatrak hat sie den Roboter gebaut. Sie stellt das künstliche Wesen ab. „Das ist der Maestro und den Maestro habe ich selber gebaut“, spricht Ginella mit ihrer niedlichen Stimme, die an Micky Maus oder Pumuckl erinnert. Sie zückt ihre Fernbedienung. „Jetzt schalte ich den Maestro an.“ Doch die Fernbedienung streikt ein bisschen. Das Haupt vom Roboter bleibt gesenkt.

Doch dann ist endlich ein mechanisch-elektronisches Geräusch zu hören. Der Maestro hebt erst den einen Arm, dann den anderen, der Kopf bewegt sich nach oben. Per Knopfdruck lässt Ginella seine Hüften wie Elvis Presley kreisen, wenig später geht er die ersten Schritte. Ein wenig staksig – wie ein Roboter halt. Doch irgendwie klappt es mit der Technik noch nicht. Maestro stößt immer wieder mit dem Kopf gegen einen Pfosten, hat sich regelrecht verhakt. Das sieht aus wie ein Wackelkontakt. „Ich glaube, da ist etwas schief gelaufen“, stellt Ginella etwas traurig fest.

Hinter Ginella verbirgt sich Daniela Franzen. Marcello Monaco verkörpert den Maestro. Monaco ist nicht nur künstlerischer Leiter der vierten Piazzetta, sondern wagt sich mit Daniela Franzen auch wieder auf die Straßen der Bassumer Innenstadt, um den Kleinkunstfans aus der Region etwas zu bieten. Beide bilden am kommenden Wochenende das Duo Patatrak. Das ist eine Abwandlung des italienischen Wortes Patatrac, was so viel bedeutet wie großer Krach oder Kladderadatsch. Es geht um die Clownsfrau Ginella. „Ich spinne mir einen Zirkus zusammen“, verrät Daniela Franzen. Doch ihr gesamtes Ensemble besteht neben ihr nur aus einem Mitglied, das in alle Rollen schlüpfen muss: Marcello Monaco. Den einen oder anderen Überraschungsgast gibt es aber doch noch.

Zurzeit stecken die beiden in den Proben. Die finden allerdings nicht unter freiem Himmel statt, sondern auf dem Plendelhof im idyllischen Groß Henstedt, wo die beiden mit anderen Kreativen in der Nachbarschaft blökender Schafe leben und wirken. Dort führt eine steile Treppe, mehr eine Leiter, auf den Dachboden. Wer Gerümpel erwartet, der irrt. Ein Sofa steht dort, ein Schlagzeug und eine Bühne samt schwarzem Vorhang und Drahtseil ist unter dem Giebel aufgebaut. Daniela Franzen und Marcello Monaco haben genügend Platz, ihre Show einzustudieren. „Wir sind seit einem Jahr dabei“, lässt Daniela Franzen wissen. „Ich wollte nicht mich spielen, sondern ein ganz verändertes Wesen. Und dazu gehört auch eine andere Stimme.“ Deswegen hat sich das Duo ein Spezialgerät zugelegt, das Daniela Franzens Worte verfremdet – quasi ein Kostüm für die Stimme.

Seit zehn Jahren arbeiten Daniela Franzen und Marcello Monaco bereits zusammen, lassen beide wissen. Patatrak ist ihr viertes Programm. Marcello Monaco hat also nicht nur die künstlerische Leitung des Straßentheaterfestivals inne, sondern muss selbst liefern. Und das bedeutet Stress. „In dieser Zeit bräuchte ich eigentlich zwei Marcelli“, verdeutlicht er sc hmunzelnd.

Patatrak ist nicht das einzige Ensemble, das am Sonnabend und Sonntag, 24. und 25. Mai, ein Lachen und ein Staunen in die Gesichter der Besucher zaubern will. Andy Snatch, Circo Pitanga, Veronica Gonzales, Knäcke, DJuggledy und Bot Projekt heißen die anderen Künstler und Gruppen. Sonnabend und Sonntag ist von 13 bis 18 Uhr Betrieb am Parkplatz des Modehauses Maas, vor der Stifts-Apotheke, an den Kreuzungen Bremer Straße und Sulinger Straße/Alte Poststraße. Um 20.30 Uhr steigt am Sonnabend außerdem an der Freudenburg die Varieté-Show „Stelle di Notte“ mit allen Künstlern. Im Vorprogramm sind die Los Amigos mit ihrer Pferdeshow zu sehen. Diese Veranstaltung wie auch die Straßenkunst kosten keinen Eintritt.

Marcello Monaco steht vor dem Spiegel und richtet seine Verkleidung. Sitzt das rote Rüschenhemd? Sitzt der falsche dünne Schnäuzer? Ja, sitzt alles. Daniela Franzen alias Ginella kommt auf ihn zugelaufen, schlägt ein Rad über seine Kniee. Beide verharren daraufhin in einer typischen Tangopose: Daniela Franzen kopfüber, das eine Bein auf dem Boden, das andere fast im 180-Grad-Winkel nach oben gestreckt. Marcello Monaco bleibt aufrecht stehen, seine Arme halten seine Partnerin, dazu ein starrer Blick. Wenig später spaziert Daniela Franzen mit einem Fächer auf dem Drahtseil und nimmt nach einigen Schritten Balanceakt oben Platz. Dazu spielt Marcello Monaco auf einer Geige eine Tango-Nummer.

„Das Schwerste sind nicht die Nummern an sich, sondern dass das Ganze in einen Fluss kommt“, erläutert Marcello Monaco. „Das Ziel ist es, dass das Publikum mit auf eine Reise genommen wird.“ Und das soll am Wochenende passieren. Dann trägt Ginella wieder ihren Maestro auf die Bühne. Die befindet sich dann aber nicht in der ländlichen Idylle auf einem Dachboden in Groß Henstedt, sondern mitten in Bassums Innenstadt. Dort, wo die Piazzetta hingehört.

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