Raumordnungsprogramm plant neue Abbauflächen für Kies und Torf in Achim / Kritik aus Politik und Verwaltung 'Eine Rolle rückwärts in der Umweltpolitik'

Achim. Eine Rolle rückwärts in der Umweltpolitik sei das, ärgert sich Stadtbiologin Marion Rusch. 'Die Klimaschutzziele der Bundesregierung werden damit unterlaufen!' Adressat dieser Schelte ist die Niedersächsische Landesregierung. Die plant im Zuge der Aktualisierung des Landesraumordnungsprogrammes neue Abbaugebiete für Kies und Torf in Achim auszuweisen. Die Stadtverwaltung, und mit ihr auch einhellig die Politik, lehnen diese Pläne entschieden ab.
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'Eine Rolle rückwärts in der Umweltpolitik'
Von Ralf Michel

Achim. Eine Rolle rückwärts in der Umweltpolitik sei das, ärgert sich Stadtbiologin Marion Rusch. 'Die Klimaschutzziele der Bundesregierung werden damit unterlaufen!' Adressat dieser Schelte ist die Niedersächsische Landesregierung. Die plant im Zuge der Aktualisierung des Landesraumordnungsprogrammes neue Abbaugebiete für Kies und Torf in Achim auszuweisen. Die Stadtverwaltung, und mit ihr auch einhellig die Politik, lehnen diese Pläne entschieden ab.

Zwei neue Vorranggebiete zum Abbau für Rohstoffe sind in dem aktualisierten Raumordnungsprogramm vorgesehen. Zum einen eine etwa 76 Hektar große Fläche für Kiessandabbau in der Bierdener Marsch, zum anderen eine Fläche für Torfabbau in Badenermoor, die gemeinsam mit auf Ottersberger Gemeindegebiet liegenden Flächen eine Gesamtgröße von 157 Hektar aufweist.

'Auch wenn wir noch sehr früh im Verfahren sind, ist es wichtig, dass wir als Stadt hierzu eine klare Stellungnahme abgeben', erklärte Bürgermeister Uwe Kellner unlängst im zuständigen Fachausschuss. 'Die Verwaltung lehnt das ab.' Achims Stadtbiologin unterfütterte diese Position aus fachlicher Sicht: Die auf Betreiben des 'Wirtschaftsverbandes Baustoffe Naturstein' vorgesehene Abbaufläche für Kies läge samt und sonders im Landschaftsschutzgebiet 'Achim-Bierdener-Marsch', wobei die angestrebten 76 Hektar rund 16 Prozent der geschützten Landschaft ausmachen würden.

Zum Opfer fielen diesen Plänen zahlreiche von Hecken gesäumte Felder, Wiesen und Weiden. Der Zweck des Landschaftsschutzgebietes, nämlich der Erhalt der typischen Heckenlandschaft für die vorhandene Pflanzen- und Tierwelt in der Weserniederung, könne mit diesem Vorhaben nicht eingehalten werden. Im Gegenteil: 'Das wäre ein aktiver Beitrag zur Reduzierung von Fauna und Flora.'

Noch 'wesentlich gravierender' schätzt Marion Rusch den geplanten Torfabbau zwischen Achim und Ottersberg ein. Die von der 'Bundesvereinigung Torf- und Humuswirtschaft' geforderte Vorrangfläche zum Torfabbau beginnt unmittelbar hinter dem bebauten Bereich des Ortsteiles Badenermoor.

Dieses Vorhaben bedeute eine Rolle rückwärts in der Umweltpolitik, würde hier doch ein bislang ausdrücklich geschützter Bereich vernichtet, wies die Stadtbiologin auf ein entsprechendes Moorschutzprogramm hin.

Aber nicht allein mit Blick auf die betroffene Tier- und Pflanzenwelt sollte der Torfabbau vermieden werden. 'Torf bindet CO2', betonte die Stadtbiologin. Selbst im Raumordnungsprogramm sei davon die Rede, dass durch den Torfabbau 'mit einer erheblichen Freisetzung von CO2 gerechnet werden muss'.

'Massiver Eingriff in die Natur'

Wer Klimaschutz wolle, dürfe keinen Torf abbauen, sondern müsse im Gegenteil die bisherigen Biotope an dieser Stelle noch ausweiten, forderte Rusch und erteilte der Ausweisung weiterer Vorranggebiete für den Rohstoffabbau in Achim unisono eine Absage. Achim habe bereits zahlreiche Abbaugebiete, von daher sei es fraglich, ob der weitere Bedarf an diesen Rohstoffen ausgerechnet wieder hier gedeckt werden müsse. Zustimmung bei Hans-Jürgen Wächter: Es sei schon auffallend, das gerade der Landkreis Verden und speziell die Stadt Achim immer stärker als Anbieter für überregional benötigte Rohstoffe herangezogen würde, erklärte der SPD-Ratsherr und merkte an, dass in diesem Fall die Interessen der Wirtschaft 'in seltener Deutlichkeit zum Ausdruck' kämen. Die geplanten Vorhaben im Raumordnungsprogramm des Landes hätten gravierende Folgen für die Landwirtschaft und seien ein 'viel zu massiver Eingriff in die Natur'.

Auch seine Fraktion lehne beide Vorhaben zu 100 Prozent ab, erklärte FDP-Chef Günther Krebs. Womit er sich im Fachausschuss einen Seitenhieb von Michael Schröter einhandelte. 'Das trifft sich gut. Dann weisen sie doch bitte mal ihren Umweltminister Sander in die Schranken.'

Auch die Achimer CDU folgte der von der Verwaltung vorgeschlagenen Ablehnung der Rohstoffabbaugebiete und sicherte damit das einstimmige Votum der Politik. Ratsherr Ralf Osmers gab trotzdem zu bedenken, dass man für den Straßenbau nun einmal Kies brauche. 'Und dafür können wir nicht immer woanders hingucken.'

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