Kanadischer Orgelstipendiat Michael Unger lebt und übt ab 26. September in Ganderkesee/Konzert am 1. Oktober Eine Woche für Arp Schnitger

Ganderkesee. Der 29. August 2010 war für den kanadischen Organisten Michael Unger ein guter Tag. Beim Preisträgerkonzert des 1. Arp-Schnitger-Festivals, das im Rahmen des Musikfestes Bremen stattfand, saß Unger nicht nur zum ersten Mal an dem 1599 erbauten Instrument in der St. Cyprian- und Corneliuskirche in Ganderkesee, sondern er erhielt die Einladung, wiederzukommen, um als Stipendiat eine Woche lang an der Orgel zu üben und das Instrument zu studieren.
12.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jochen Brünner

Ganderkesee. Der 29. August 2010 war für den kanadischen Organisten Michael Unger ein guter Tag. Beim Preisträgerkonzert des 1. Arp-Schnitger-Festivals, das im Rahmen des Musikfestes Bremen stattfand, saß Unger nicht nur zum ersten Mal an dem 1599 erbauten Instrument in der St. Cyprian- und Corneliuskirche in Ganderkesee, sondern er erhielt die Einladung, wiederzukommen, um als Stipendiat eine Woche lang an der Orgel zu üben und das Instrument zu studieren.

"Nach dem jetzigen Stand der Dinge wird Michael Unger am Montag, 26. September, in Ganderkesee eintreffen, und dann eine Woche lang intensiv an der Orgel arbeiten", sagt St. Cyprian-Kantor Peter Elgeti. Er gehe davon aus, dass der Kanadier mindestens drei Stunden am Tag üben werde: "Erstens muss sich der Aufwand lohnen, und zweitens macht das ja auch Spaß", so Elgeti. Am Ende der Probenarbeit steht ein Konzert am Sonnabend, 1. Oktober, das um 18 Uhr beginnt. Auf dem Programm stehen dann das Präludium in C von Dietrich Buxtehude, die "Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur" (BWV 564) von Johann Sebastian Bach sowie weitere Werke von Heinrich Scheidmann, Jan Pieterszoon Sweelinck, Johann Gottfried Walther sowie Georg Böhm.

Die ganze Woche lang wird Unger nach Elgetis Informationen sein Quartier im Oldenburger Hof beziehen, also den Alltag und das Leben in Ganderkesee hautnah erleben. Normalerweise lebt der Organist, der in Toronto geboren wurde, in Rochester im US-Bundesstaat New York, wo er als Doktorand die berühmte Eastman School of Music besucht.

Als Solist und Kammermusiker ist er nicht nur in Nordamerika, Europa und Japan unterwegs, er hat bei den verschiedensten Festivals auch schon zahlreiche Preise abgeräumt. So gewann er etwa 2008 den Yoshida-Minoru-Gedächtnispreis beim Internationalen Orgelfestival in Tokio. Im gleichen Jahr konnte er auch die Jury eines Nachwuchswettbewerbs der amerikanischen Organistengilde von seinen musikalischen Qualitäten überzeugen, die ihm nicht nur den ersten Preis, sondern auch den Publikumspreis zusprach. Im Jahr 2009 wurde er beim 8. Internationalen Schnitger-Orgel-Wettbewerb im niederländischen Alkmaar mit dem zweiten Preis und dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Sein Debüt-Soloalbum mit Werken unter anderem von Bach, Buxtehude und Messiaen, das er für das Klassik-Label Naxos einspielte, wurde von der Fachwelt international gefeiert. Bevor Unger an die Eastman School of Music wechselte, hat er die University of Western Ontario besucht, wo er für seine Leistungen eine Goldmedaille erhielt. Der Kanadier ist nicht nur als Instrumentalist aktiv, sondern er arbeitet auch als Komponist, Lehrer sowie seit Oktober 2009 als musikalischer Direktor der lutherischen Kirche in Rochester.

"Ein schönes Programm", empfiehlt auch "Hausherr" Peter Elgeti Ungers Konzert, schließlich sei auf der historischen Orgel nicht die ganze Literatur spielbar. Eine Aufnahme sei jedoch nicht geplant. In diesem Zusammenhang bedauert Elgeti, dass das Preisträgerkonzert vom August 2010, das Radio Bremen mitgeschnitten habe, bis heute nicht gesendet worden sei. Allerdings hätten die Organisten an diesem Abend unter sehr schwierigen Bedingungen musizieren müssen, weil sie kaum Gelegenheit gehabt hätten, sich auf der Orgel einzuspielen. So seien etwa einige zweifelhafte Registrierungen zu erklären.

Bevor sich Stipendiat Michael Unger Ende September an das Instrument setzt, gibt es am Dienstag, 30. August, jedoch noch ein reguläres Musikfest-Konzert mit dem Bach-Kollegium Japan in der St. Cyprian und Corneliuskirche. Unter der Leitung des japanischen Bach-Spezialisten Masaaki Suzuki stehen dann Werke von Bach und Buxtehude auf dem Programm.

Zwar wird der Platz vor der Kirche dann noch nicht Arp-Schnitger-Platz heißen, doch auch so ist dem Ganderkeseer Instrument wieder eine große Aufmerksamkeit sicher. Nach Auskunft der Veranstalter sind nur noch Restplätze verfügbar. Auch zur Namensgebung des Platzes hat Kantor Elgeti übrigens einen Kommentar: "Früher hat man es mit der Schreibung ja nicht so genau genommen, und an unserer Orgel ist als Hersteller 'Arp Schnitker' eingraviert. Wenn man mit der Namensgebung des Platzes einen Bezug zu unserem Instrument herstellen wollte, müsste es eigentlich 'Arp-Schnitker-Platz' heißen."

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