Grasberger Kirchengemeinde feiert Mittelalterfest mit vielen Aktionen

Eine Zeitreise zum Erntedank

Die Siedlungsgeschichte von Grasberg reicht ins 18. Jahrhundert zurück. Einen noch größeren Zeitsprung erlebten jetzt die Besucher eines besonderen Erntedankfestes in Grasberg. Eine Arbeitsgruppe der Kirchengemeinde hatte aus Anlass des Kirchenjubiläums einen Mittelaltermarkt mit vielen Aktionen vorbereitet.
06.10.2014, 18:00
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Von Sabine von der Decken
Eine Zeitreise zum Erntedank

Mitglieder der „Society for Creative Anachronism“ fochten auf dem Turnierplatz Ritterkämpfe aus.

Sabine von der Decken

Die Siedlungsgeschichte von Grasberg reicht ins 18. Jahrhundert zurück. Einen noch größeren Zeitsprung erlebten jetzt die Besucher eines besonderen Erntedankfestes in Grasberg. Eine Arbeitsgruppe der Kirchengemeinde hatte aus Anlass des Kirchenjubiläums einen Mittelaltermarkt mit vielen Aktionen vorbereitet.

Als ein großes mittelalterliches Erntedankfest so ganz ohne Kommerz beschrieb Kerstin Tönjes das bunte Fest. Die Beteiligung und Unterstützung durch mehr als 300 Grasberger, darunter 100 Konfirmanden, bewertete die Diakonin als etwas ganz Besonderes. Hintergrund war die Weihe der Grasberger Kirche vor nunmehr 225 Jahren.

Der Garten vor und hinter dem Gemeindehaus stand an diesem Wochenende ganz im Zeichen eines mittelalterlichen Treibens. Dort wurde in Marktschänken und an Kochstellen nach mittelalterlichen Rezepturen gebraten, gebrutzelt und ausgeschenkt. Die vom Ortsverein des Roten Kreuzes gekochten und mit Brot servierten Suppen fanden großen Anklang – wie auch die beiden vom Grasberger Kochclub „Kochen nur für Männer“ fünf Stunden lang gegrillten Spanferkel auf Begeisterung bei den Besuchern stießen.

Greifvögel und Hühner

Schwierigkeiten bei der Zubereitung nach alten Rezepten aus dem Mittelalter gab es nicht. „Sie haben damals sehr viel einfachere Zutaten verwendet“, erklärte Kerstin Tönjes. Obwohl rund um das Gemeindehaus tiefstes Mittelalter herrschte, wurden die Hygienevorschriften des 21. Jahrhunderts nicht vergessen.

Für zusätzliche Atmosphäre sorgten Hühner und Schafe in altertümlichen Gehegen aus Holz. Mit seinen drei Greifvögeln, die auch in Gefangenschaft ein stattliches Alter erreichten, und zwei Frettchen bereicherte Albin Schrutka das Mittelalterfest. Der Falkner klärte die Besucher über die Besonderheiten der Beizjagd auf.

Drachenzähne, Sand aus Israel und Ablassbriefe brachte der junge Marktschreier Felix Breitling unters Volk. Zur Erleichterung derjenigen, die „voller Sünden sind“, wie es hieß. „Drachenwald ist das Königreich, zu dem auch Grasberg gehört“, machte Elisande Walters von der so genannten „Society for Creative Anachronism, SCA“ deutlich. Die Gruppe hat sich der Zeit des Mittelalters vom 7. bis zum 17. Jahrhundert verschrieben. Sie war in Grasberg mit Zelt und „Tafelrunde“ zu Gast und trug mit „Ritterkämpfen“ zum Spektakel rund um das Gemeindehaus bei. Um die Herzen ihrer Damen und nach festen Regeln kämpften Ritter der SCA bei den „Rosenkämpfen“ auf dem eigens hergerichteten Turnierplatz. Dabei gingen sie nicht besonders zimperlich miteinander um. Es sei eben viel mehr als nur Camping in Verkleidung, erklärte Elisande Walters zur Auseinandersetzung ihrer Gruppe mit der Zeit des Mittelalters.

Mit einem Zeltlager bereicherten Mitglieder der aus der Region stammenden Gruppe „Liberi Effera“ das mittelalterliche Markttreiben. Am Marktstand gab es selbst gemachte Marmeladen, Öle und Tees der „Frauenrunde“.

In der mit Stroh ausgestreuten Schänke unter dem Gemeindehaus lauschte Moorkommissar Jürgen Christian Findorff, vertreten durch Matthias Manke, mittelalterlichen Klängen, die Marius und Mattis darboten. Im „Vorübergehen“ unterhielten fünf Bläser des Blasorchesters Grasberg unter der Leitung von Axel Jagels die Besucher des zweitägigen mittelalterlichen Festes musikalisch.

Selber Hand anlegen konnten Kinder beim Kegel-schmeiß-um und in der Mosterei. Beim Putzmacher wurden Hüte und Kronen hergestellt, in Robin Hoods Schatzkiste wurde nach „Gold und Edelsteinen“ gesucht. Laufkarten sorgten dafür, dass die Kinder den Überblick über die vielen kostenlosen Mitmachaktionen nicht verloren und jeder zu seinem Recht kam. Annette Baro, ehrenamtliche Integrationshelferin in Grasberg, besuchte mit Flüchtlingen aus Albanien, Syrien und Palästina, die in Adolphsdorf und Seehausen untergebracht sind, das Mittelalterfest.

Eine gewaltige Vorarbeit habe Petra Engelmann mit dem Nähen von mittelalterlichen Gewändern geleistet, lobte Diakonin Kerstin Tönjes. So manches Stück gespendeter Bettwäsche habe sie in den letzten Monaten verarbeitet. Im reich bestückten Fundus im Obergeschoss des Gemeindehauses hatten Helfer und Mitarbeiter die Möglichkeit, sich stilecht einzukleiden.

Nach dem Mittelalterfest ist vor der nächsten Mittelalterfamilienfreizeit im Jahr 2015 und vor den Krippenspielen, bei denen die von Petra Engelmann genähten Kostüme wieder zum Einsatz kommen.

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