Seniorin schreibt Brief an Ministerin Einsam und verzweifelt

Lilienthal. Eva Maria Nikisch sitzt im Rollstuhl. Weder der Dauerregen noch der stürmische Wind haben sie von ihrem Vorhaben abgebracht.
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Von Michael Wilke

Eva Maria Nikisch sitzt im Rollstuhl. Weder der Dauerregen noch der stürmische Wind haben sie von ihrem Vorhaben abgebracht. Sie wollte der neuen Sozialministerin des Landes ihre Botschaft mit auf den Weg nach Hannover geben. Die hoch betagte Seniorin schafft das mit Hilfe ihrer Begleiterin Uta Barleben-Kieling. Cornelia Rundt nimmt den Brief entgegen, es ist ein Hilferuf und zugleich ein flammender Appell. Eva Maria Nikisch vermisst Zuwendung, persönliche Ansprache und einfühlsame Betreuung im Seniorenheim Michaelisstift. Gegen die Pflegekräfte hegt sie keinen Groll, im Gegenteil. Sie sieht, wie hart die Beschäftigten gefordert sind, weil zu wenig Personal da ist.

Dabei seien die Bewohner des Michaelisstifts froh darüber, „solch ein komfortables, gemütliches Unterkommen gefunden zu haben“, schreibt sie in ihrem Brief an die Ministerin. „Eine eigene Wohneinheit, sogar mit eigener Küche, vielfach mit einem Stückchen Garten.“ Auch ein Unterhaltungsprogramm gebe es. Und doch fühlt sich Eva Maria Nikisch „verzweifelt, einsam und vor allem total hilflos“. Wenn sie zur Toilette muss und mit ihren steifen Fingern die Klingel findet, wartet sie nach eigenen Worten oft lange im dunklen Zimmer „und keiner kommt. Denn es kann keiner kommen, weil heute wie an vielen Tagen die einzige Pflegeperson ganz allein für die Betreuung der gesamten Station zuständig ist und mit wichtigeren Aufgaben herumhetzt“. Sie selbst sitze dann hilflos da.

Die Gesamtsituation sei zum Verzweifeln. Es gebe zu wenig gut ausgebildete Pflegekräfte, und selbst wenn es sie gäbe, „könnte man sie nicht bezahlen. Dabei verdienen diese schwer arbeitenden Menschen jammerwenig“. Ihr Image sei schlecht. Die Misere sei bekannt, betont die alte Frau im Rollstuhl. „Es muss sich etwas ändern!“ Auch das allgemeine Bewusstsein. Ein warmes Bett und gutes Essen reichten nicht, betont Eva Maria Nikisch. Zuwendung und Pflege müssten erweitert und verbessert werden. Mehr gut ausgebildetes Pflegepersonal sei nötig. Auch müsse das Personal endlich das ihm gebührende hohe Ansehen genießen und für die schwere Arbeit besser bezahlt werden. „Wer entscheidet in unserem Sinne?“, fragt die alte Frau. „Wen können wir ansprechen? Was können wir Alten selbst tun, um auf uns aufmerksam zu machen? Die Hilflosigkeit ist ein quälendes Gefühl.“

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