Projekt läuft weitere drei Jahre

Einsatz der Umweltwächter in Bremen-Nord ist gesichert

Die Arbeit der Umweltwächter in Bremen-Nord wird allseits gelobt. Sie kümmern sich um ein sauberes Erscheinungsbild öffentlicher Flächen. Das Projekt läuft über 2019 hinaus noch weitere drei Jahre.
01.12.2019, 16:08
Lesedauer: 4 Min
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Von Iris Messerschmidt
Einsatz der Umweltwächter in Bremen-Nord ist gesichert

Die Umweltwächter des Senats (in gelber Arbeitskleidung) und von der Blumenthaler Bürgerstiftung (orange) sind gemeinsam auf der Bahrsplate unterwegs.

Christian Kosak

Im August 2018 sprach der damalige Bürgermeister Carsten Sieling von einer „beeindruckende Startbilanz“. Da war er zum Besuch in Burglesum, ließ sich von den Umweltwächtern ihre Aufgaben erklären und zog ein erster Fazit. Seit Frühjahr 2018 wurden über das Landesprogramm „Perspektive Arbeit: Öffentlich geförderte Beschäftigung für 500 Langzeitarbeitslose im Land Bremen (Lazlo)“ bisher 15 Frauen und Männer in den drei Nordbremer Stadtteilen eingesetzt, um die Bürger für einen bewussteren Umgang mit Abfällen im öffentlichen Raum zu sensibilisieren.

Das Projekt war bis Ende 2019 befristet. „Die Förderung läuft weiter, über 2019 hinaus“, gibt Martin Prange, Nord-Beauftragter der Senatskanzlei, jetzt auf Nachfrage bekannt. Währenddessen hat die Bürgerstiftung Blumenthal schon zusätzliche Umweltwächter unter Vertrag genommen.

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Das Pilotprojekt im Bremer Norden läuft so gut, dass die rot-grün-rote Landesregierung es nicht nur weiter etablieren, sondern auch auf alle Stadtteile in Bremen ausweiten will, in denen Bedarf besteht. So lautete ein Ergebnis der Koalitionsverhandlungen. Die Vegesacker Sozialdemokraten erinnern jetzt in einer Anfrage an die Senatskanzlei an dieses Versprechen. Martin Prange reagiert schnell: „Die Ausweitung ist zwar gewünscht. In welcher Geschwindigkeit und zu welchen Bedingungen, das wird aber Gegenstand der Haushaltsberatungen werden.“

Für die noch verbliebenen 14 Umweltwächter im Bremen-Nord gibt es hingegen gute Nachrichten. Das Teilhabechancengesetz bietet neue Förderungsmöglichkeiten, laut Paragraf 16i biete sich damit ein Beschäftigungsprogramm über fünf Jahre, für die Umweltwächter damit eine erheblich bessere Situation. „Wobei Altförderungen angerechnet werden“, macht Martin Prange deutlich. Das bedeutet für die Umweltwächter, die im Frühjahr 2018 von der Senatskanzlei übernommen wurden, eine mögliche weitere Förderung bis zum Frühjahr 2023. „Allerdings muss man dazu immer den Einzelfall sehen“, macht Martin Prange deutlich. Denn die Abwicklung laufe über das Arbeit- und Lernzentrum (ALZ). Und so mancher Umweltwächter habe – wie das Projekt dies auch eigentlich vorsehe – sich neue Chancen in einem anderen Beruf erarbeitet.

Sich mit den Müllverursachern auseinandersetzen

Die Umweltwächterinnen und Umweltwächter sollen nicht nur durch den Stadtteil streifen und Schmuddelecken beseitigen. In erster Linie soll es darum gehen, sich mit den Müllverursachern auseinanderzusetzen und sie davon zu überzeugen, selbst für die Sauberkeit in der Umgebung zu sorgen. Die ersten Umweltwächter gab es im Übrigen in Blumenthal: Zwei fingen Anfang 2017 an, einer kam einige Monate später hinzu.

Björn Wehrs vom SPD Ortsverein Aumund-Vegesack möchte wissen, wie es mit den Umweltwächtern weitergeht. „Die Umweltwächter sorgen an vielen Stellen im Stadtteil Vegesack für Sauberkeit. Von montags bis freitags und bei Bedarf auch am Wochenende sind die aus jeweils zwei Mitarbeitern bestehenden Teams unterwegs. Ihr Einzugsgebiet reicht von der Weserpromenade bis zum Klinikum Bremen-Nord. Sie sind ein Teil des Vegesacker Stadtbildes geworden und sind überdies bei der Bevölkerung zu über 90 Prozent beliebt. Allerdings ist längst nicht klar, ob dies im kommenden Jahr so bleibt“, heißt es im Antrag der SPD.

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Derzeit sind laut Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack circa fünf in jedem Stadtteil unterwegs. Für ihre Tätigkeit werden sie nach dem derzeit gültigen Tarifvertrag der Länder (TVL) bezahlt. Arbeitgeber für die Umweltwächter ist die Senatskanzlei. Angestellt sind sie über die drei Ortsämter und koordiniert wird ihr Einsatz über das Arbeit und Lernzentrum (ALZ) an der Hermann-Fortmann-Straße.

„Diese Umweltwächter arbeiten allerdings laut Tarifvertrag von montags bis freitags“, macht Peter Nowack deutlich. Da er für die Blumenthaler Region weitere Probleme sieht, sind seit Oktober beziehungsweise November diesen Jahres schon zwei weitere Umweltwächter über den Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal angestellt worden. „Sie werden vor allen Dingen am Wochenende in den Sommermonaten im Einsatz sein. Abgestimmt nach geltenden Bedingungen und Tarifverträgen mit einer 39-Stunden-Woche“, macht Nowack deutlich. An den Wochenenden sei Grill- oder Treffzeit, beispielsweise auf der Bahrsplate. „Mittlerweile haben die Bürger zwar schon ein Einsehen und deponieren ihre Grillreste an den aufgestellten Mülleimern.

Aufräumen und die Bürger auf die Müllvermeidung aufmerksam machen

Doch gerade am Wochenende müssen die auf jeden Fall auch kontrolliert beziehungsweise sauber gemacht werden“, so Nowak über die Situation in den Sommermonaten. Auch während der derzeit laufenden Kohltouren sei die Bahrsplate am Wochenende ein beliebter Anlaufpunkt. „Deshalb sollten immer zwei Umweltwächter im Einsatz sein, um aufzuräumen aber auch die angetroffenen Bürger auf die Müllvermeidung aufmerksam zu machen“, macht Nowack deutlich.

Da laut Tarifvertrag zwei freie Wochenenden im Monat für die Umweltwächter möglich sein müssten, gibt es derzeit weiteren Vorstellungsgespräche. „Es soll noch eine dritte Stelle besetzt werden“, sagt Nowack . Die gerade frisch von der Bürgerstiftung Blumenthal als Umweltwächter eingestellten Langzeitarbeitslosen haben für fünf Jahre eine feste Anstellung, in der sie zum einen über lange Jahre der Arbeitslosigkeit aufgebaute Blockaden abbauen, zudem aber auch zusätzliche Rentenansprüche erarbeiten können. Für Peter Nowack ist es somit auch ein „soziokulturelles Projekt“.

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