Elektromobilität

Abrechnung an Ladesäulen für E-Autos wird umgestellt

Für die Besitzer von E-Autos sind die Zeiten vorbei, in denen sie dank einer Flatrate an den Ladesäulen so oft und so viel Strom zapfen konnten wie sie wollten. Abgerechnet wird jetzt nach Verbrauch.
24.03.2021, 10:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Johannes Heeg, Lutz Rode
Abrechnung an Ladesäulen für E-Autos wird umgestellt

Wer sein Elektroauto an einer Ladesäule mit Strom betanken will, muss sich umstellen. Die Anbieter der Tankkarten sind gerade dabei, das Abrechnungssystem umzustellen. Die Autobesitzer müssen für jede gezapfte Kilowattstunde zahlen, die Zeiten der Pauschale sind vorbei.

Julian Stratenschulte / dpa

Fahrer von Elektroautos müssen sich daran gewöhnen, dass künftig auch sie fürs „Tanken“ bezahlen müssen. Bisher gab es bei den Osterholzer Stadtwerken, beim Bremer Energieversorger SWB und dessen Mutterkonzern EWE eine Flatrate: Kunden der jeweiligen Versorger zahlten 12,50 Euro im Monat – Nichtkunden 25 Euro – und konnten so viel und so oft laden wie sie wollten. Den Strom gab es praktisch geschenkt, und zwar nicht nur in der Region, sondern über den Ladenetz-Verbund an 30.000 Ladepunkten in ganz Deutschland und europaweit sogar an mehr als 75.000 Ladestellen. Das ändert sich gerade. Aber Obacht: Es gibt feine Unterschiede bei den hiesigen Stromkartenanbietern.

Für SWB und EWE gibt es immerhin eine Gemeinsamkeit: Die neuen Konditionen gelten seit 1. März für alle, die eine neue Stromtankkarte bestellen. Weiterhin zum Flatratepreis laden können Inhaber von alten Karten, so lange deren Verträge laufen. „Wer beispielsweise im November eine Karte bekommen hat, kann bis November 2021 kostenlos laden“, sagt SWB-Pressesprecherin Angela Dittmer.

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Wer in diesen Tagen eine neue SWB-Tankkarte bestellt, zahlt dafür eine Grundgebühr von 3,90 Euro im Monat, die auf Antrag erlassen werden kann. Auf jeden Fall bezahlt werden muss das Laden, für das fortan gestaffelte Preise gelten: 39 Cent je Kilowattstunde an Normalladesäulen, 49 Cent an Schnellladesäulen, 59 Cent an Normalladesäulen von Fremdanbietern und schließlich 69 Cent an Schnellladesäulen von Fremdanbietern. Die Konzernmutter EWE verlangt keine Grundgebühr, dafür aber eine einmalige Bestellgebühr in Höhe von 9,90 Euro. Ansonsten gibt es nur zwei Tarife: 39 Cent je Kilowattstunde fürs Normalladen, 49 Cent fürs Schnellladen, und zwar europaweit. Alle Ladestellen im EWE-Verbund werden mit Ökostrom betrieben. SWB-Sprecherin Dittmer: „Damit wird die CO2-neutrale Mobilität ein Stück weit Wirklichkeit.“

Die gleichen zwei Preisstufen gibt es seit 1. März bei den Stadtwerken Rotenburg, die ebenfalls zum Ladenetz-Verbund gehören und mit EWE kooperieren, was sich beispielsweise daran zeigt, dass die EWE-Störungshotline auch für deren vier im Stadtgebiet verteilten Ladesäulen zuständig ist. Die Rotenburger verlangen einmalig fünf Euro für die Ladekarte, eine Grundgebühr gibt es nicht. Ihre Ladesäulen sind, wie die SWB-Stromtankstellen, ebenfalls in der EWE-Smartphone-App namens Punktladung zu finden. Diese enthält auch eine Navi-Funktion und zeigt an, ob ein Ladepunkt belegt oder defekt ist. Und sie zeige die Kosten des Ladevorgangs an, sagt Dittmer.

Noch nicht ganz so weit in Sachen Abrechnung sind die Osterholzer Stadtwerke. „Spätestens am Ende der ersten Jahreshälfte 2021 werden wir eine Entscheidung haben“, so Sprecher Jürgen Möller. Ob es eine Grundgebühr für die Stromtankkarte geben wird, stehe noch nicht fest. 232 Karten der Stadtwerke sind derzeit im Umlauf. Dass der Strombezug an der Ladesäule künftig genau abgerechnet und bezahlt werden muss, liegt Möller zufolge an der „rechtlichen Verpflichtung zur eichrechtlichen Verbrauchsermittlung und der entsprechenden Abrechnung. Hier waren bei den Ladesäulen anfangs die technischen und eichrechtlichen Voraussetzungen nicht vorhanden.“ Außerdem sei am Anfang der Verbrauch an den Ladesäulen so gering gewesen, „dass es günstiger war, die Pioniere der Elektro-Mobilität mit kostenlosem Strom zu versorgen“, so Möller. Das habe sich inzwischen sehr stark geändert: „An gut frequentierten Ladesäulen ist der tägliche Absatz schon deutlich.“

Die mittlerweile auch vorgeschriebenen eichrechtlichen Regelungen seien auch Voraussetzung dafür, den Fahrern von Stromautos die Nutzung der Tankkarte im Rahmen der Ladenetz-Kooperation bundes- und europaweit ohne Zuzahlung zu ermöglichen. „Der Verbrauch wird uns dann in Rechnung gestellt“, so Möller. Wer bereits eine Tankkarte hat, könne diese weiter nutzen, so SWB-Sprecherin Angela Dittmer. Jeder Kunde mit gültiger Stromtankkarte erhalte rechtzeitig zum nächstmöglichen Vertragsende eine Änderungskündigung, der er per Klick zustimme oder, per Nicht-Klick, eben nicht. „Wer nicht zustimmt, hat nach Ablauf der Frist keine funktionierende Karte mehr. Dann muss eine Neue bestellt werden“, so Dittmer.

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Zur Sache

Schnellader werden ausgetauscht

Ausgerechnet einige der schnellsten Ladesäulen im Landkreis Rotenburg können nicht eichrechtskonform nachgerüstet werden, sie stehen vor der Ausmusterung. Die Schnellader - sie liefern 50 Kilowatt Gleichstrom - am Kreishaus in Rotenburg und am Rathaus in Bremervörde, die der EWE gehören, will das Unternehmen bis Mitte des Jahres durch gesetzeskonforme Stationen gleicher Leistung ersetzen. Anders ist das in Tarmstedt, wo im Juli 2016 die erste Schnellladesäule nach dem CCS-Standard im Landkreis Rotenburg und sogar im Elbe-Weser-Dreieck in Betrieb genommen wurde. Sie gehört dem Autohaus Warncke, das für die öffentlich zugängliche Stromtankstelle damals 60.000 Euro bezahlt hat und seitdem jeden Monat rund 80 Euro an Servicegebühr an EWE überweist. „Tarmstedts teuerste Steckdose“, wie Bürgermeister Wolf Vogel die mit rund 30.000 Euro aus Steuermitteln geförderte Anlage bei der Inbetriebnahme nannte, wird zwar nicht abgebaut, darf aber künftig nicht mehr von jedermann genutzt werden. Da VW von seinen Händlern aber eine öffentlich zugängliche Ladesäule verlangt, wird Warncke erneut investieren müssen. Geplant ist eine Stromzapfstelle mit zwei Ladepunkten und geringerer Leistung: mit 22 Kilowatt Gleichstrom und 22 Kilowatt Wechselstrom - selbstverständlich eichrechtskonform.

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