Nachmittagsbetreuung bleibt im Kindergarten Heißenbüttel Elternargumente überzeugen Landrat

Hambergen. Unermüdlich haben sechs Mütter aus Hambergen mit der Gemeinde gerungen. Sie waren wie vor den Kopf gestoßen, als sie im Januar erfuhren, dass die Kommune das Nachmittagsbetreuungsangebot im Heißenbüttler Kindergarten Sonnentau streichen und ab August nach Ströhe verlegen wollte.
08.07.2010, 02:33
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Elternargumente überzeugen Landrat
Von Brigitte Lange

Hambergen. Unermüdlich haben sechs Mütter aus Hambergen mit der Gemeinde gerungen. Sie waren wie vor den Kopf gestoßen, als sie im Januar erfuhren, dass die Kommune das Nachmittagsbetreuungsangebot im Heißenbüttler Kindergarten Sonnentau streichen und ab August nach Ströhe verlegen wollte. Alle haben Kinder in Heißenbüttel, sind berufstätig und auf die Betreuung an dem Standort angewiesen, wie sie betonen. In letzter Instanz haben sie Landrat Dr. Jörg Mielke angerufen. Er sollte zwischen den Parteien vermitteln und eine Entscheidung herbeiführen. Das hat er nun getan: Im nächsten Kindergartenjahr werden sowohl in Heißenbüttel als auch in Ströhe nachmittags Kinder betreut.

Für den Landrat war es kein gewöhnlicher Termin. 'Ich kümmere mich nicht immer um die Akquise von fünf Kindergartenplätzen', eröffnete er das Treffen im Kreishaus. Aber in diesem Fall scheine es einen dicken Knoten zu geben. Bevor er es sich daher bei den Eltern oder der Gemeinde mit seiner Entscheidung verderbe - denn nur einer Seite könne schließlich das Ergebnis gefallen - wollte er beide Seiten hören.

Bürgermeister Reinhard Kock erklärte, Hambergen wolle künftig ein verlässliches Betreuungsangebot für Kindergartenkinder in den Nachmittagsstunden vorhalten. Aus Kostengründen kann sie dieses aber nicht in allen Kindergärten. Daher haben sich Politik und Verwaltung auf einen Standort verständigt: Ströhe. Der Kindergarten hat ab August auch vormittags Plätze frei. Dadurch hätten Eltern, die ihre Kinder den ganzen Tag in die Betreuung geben wollen oder müssen, die Möglichkeit, ihren Nachwuchs in Ströhe anzumelden. Der Kindergarten Heißenbüttel dagegen ist ausgebucht. Außerdem hätten ihnen sechs Interessenbekundungen für Ströhe vorgelegen, sagte Kock. Allerdings ist diese Zahl inzwischen auf drei bis maximal vier Kinder geschrumpft.

Sie müsse morgens ein Kind in die Krippe und eins in den Kindergarten bringen, schilderte Tanja Burghardt-Drazids, eine der Mütter, ihre Situation. Wenn sie dafür eines nach Heißenbüttel und eines nach Ströhe bringe, verlöre sie zu viel Zeit. Schließlich könnte sie das ältere Kind nicht im Wagen sitzen lassen, bis sie das Kleine sicher in der Krippe abgegeben habe. Der Zeitverlust sei einem Arbeitgeber nicht zuzumuten. 'Ich müsste mich von meiner Anstellung verabschieden', fürchtete sie. Als alleinerziehende Mutter würde es sehr schwierig für sie werden, ihre Tochter nach Ströhe zu bringen, beschrieb Kathrin Gasper ihre Lage.

Außerdem habe sich ihre Tochter gut im Kindergarten Sonnentau eingefunden. Würde sie das auch in Ströhe? Für ein letztes Kindergartenjahr, bevor sie in die Grundschule in Hambergen wechseln müsse? Wiebke Glöe-Carstensen sorgte sich ebenfalls darum. Ihr Kind müsste dann seinen sozialen Kreis innerhalb von zwei Jahren zweimal wechseln. Sie schüttelte den Kopf: 'Ich will nicht herausfordern, dass er vielleicht emotional auffällig wird, weil er das nicht verkraftet.' Die Kindergärten würden mit völlig unterschiedlichen pädagogischen Konzepten arbeiten, argumentierte Angela Lux. Beide Konzepte seien gut. Aber: 'Es hatte seine Gründe, warum ich mich für den Kindergarten Sonnentau entschieden habe.'

DRK unterstützt Eltern-Anliegen

Keines von Kocks Argumenten ließen die Frauen gelten. So führte Glöe-Carstensen an, dass in Heißenbüttel der Bedarf an einer Nachmittagsgruppe immer gegeben sei. Schließlich sei dort die Krippe untergebracht, und die werde vor allem von Eltern genutzt, die berufstätig und auf die Betreuung angewiesen seien. Das würde sich nicht dadurch ändern, dass die Kinder aus der Krippe in den Kindergarten wechselten. Und an der Problematik, ein Kind in die Krippe und das Geschwisterkind in den Kindergarten bringen zu müssen, ändere eine Grundsatzentscheidung der Gemeinde für Ströhe ebenfalls nichts.

Unterstützt wurden die Frauen vom Träger des DRK-Kindergartens. Angelika Krause, Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes, wies darauf hin, dass die Nachmittagsbetreuung in Heißenbüttel aufgrund der Kombination Krippe/Kindergarten sinnvoll sei. Es sei pädagogisch nicht sinnvoll, ein Kind nach Heißenbüttel und das Geschwisterkind nach Ströhe zu geben. Weder aus familienfreundlicher noch aus pädagogischer Sicht sei diese Entscheidung gut. Sie könne die Argumente der Mütter nachvollziehen, sagte Krause.

'Was täten Sie denn an unserer Stelle?', wollte Angela Lux von Samtgemeindebürgermeister Bernd Lütjen, der als Krippen-Zuständiger an dem Gespräch teilnahm, wissen. 'Ich würde kämpfen wie ein Löwe', stellte er klar.

Keine zwei Tage nach dem Treffen stand die Entscheidung des Landrates fest. Mit Hilfe des Landesprogrammes 'Familie mit Zukunft' werden die Mütter ihre Kinder an fünf Tagen die Woche von 14 bis 16 Uhr in Heißenbüttel betreuen lassen können. Auch in Ströhe wird eine Tagespflegegruppe am Nachmittag eingerichtet. Schließlich haben dort Eltern ihre Kinder bereits verbindlich angemeldet.

Martin Grotheer, Verwaltungsvertreter der Gemeinde Hambergen, ist nicht glücklich über die Lösung des Landrates. Der vom Hamberger Rat gefasste Beschluss sei damit unterlaufen worden, teilte Grotheer auf Nachfrage der Redaktion mit: 'Wir müssen uns damit auf jeden Fall auseinandersetzen.'

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