Syke, Bassum und Bruchhausen-Vilsen gründen Vorschaltgesellschaft Energielieferung bisher unklar

Landkreis Diepholz. Nach dem Auslaufen der Konzessionsverträge in Syke, Bruchhausen-Vilsen und Bassum ist noch nicht geklärt, welcher Energieversorger den Strom künftig liefern wird. Vielleicht werden Syke, Bassum und Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen eigene Stadtwerke gründen.
03.03.2010, 05:10
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jörn Dirk Zweibrock

Landkreis Diepholz. Woher kommt eigentlich der Strom? Na, aus der Steckdose. Das wird nach dem Auslaufen der Konzessionsverträge - 2012 in Syke und Bruchhausen-Vilsen, 2014 in Bassum - zwar auch noch so sein, doch die Frage ist, welcher Energieversorger ihn liefert. Oder gründen die Städte Syke und Bassum und die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen gar eigene Stadtwerke? 'Es gibt einen großen Strauß an Möglichkeiten', sagte Bruchhausen-Vilsens Verwaltungschef Horst Wiesch gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Bürgermeistern Harald Behrens (Syke) und Wilhelm Bäker (Bassum) im Rathaus der Samtgemeinde.

Heißt übersetzt: Alles kann, nichts muss. Fest steht, dass die drei Kommunen eine Vorschaltgesellschaft gründen und 'ergebnisoffen' die Optionen diskutieren, die sich ihnen nach Ende der Laufzeiten bieten. Das kann von der Verlängerung der Konzessionsverträge bis zum Rückkauf und gemeinsamen Betreiben der Netze gehen. Bereits im vergangenen Herbst haben die Räte einstimmig beschlossen, dass sie keine Einzelverhandlungen mit den Anbietern führen, sondern als gemeinsame Einheit mit rund 60000 Einwohnern auftreten. Steigt die Stadt Twistringen mit ins Boot, was immer noch möglich wäre, erhöht sich die Einwohnerzahl sogar auf 70000. Als starkes Trio haben Syke, Bassum und Bruchhausen-Vilsen ein deutlich größeres Gewicht bei den Verhandlungen mit den Energieriesen.

Bei der gemeinsamen Sitzung der acht Räte (der Städte Syke und Bassum sowie der sechs Mitgliedsgemeinden von Bruchhausen-Vilsen) wurden vergangenen Donnerstag im Syker Rathaus dafür die Weichen gestellt. Zuvor haben die Bürgermeister bereits ein gemeinsames Gespräch mit fünf Stromanbietern geführt. Die Marktchancen für das Dreiergespann seien gut, teilten die drei Hauptverwaltungsbeamten bei der gestrigen Pressekonferenz mit.

'Jetzt kommt die Gremienarbeit', sagte Sykes Bürgermeister Harald Behrens. Doch nicht alle 140 Mitglieder der insgesamt acht Räte können dauerhaft zusammen an einem runden Tisch sitzen, das würde den Rahmen sprengen. Also soll noch vor der Sommerpause eine Vorschaltgesellschaft oder ein Zweckverband ins Leben gerufen werden. Dieses politisch besetzte Gremium erarbeitet dann quasi eine Beschlussempfehlung, die von den Räten abgesegnet wird. Was soll mit dem interkommunalen Schulterschluss im Bereich Strom und Gas erreicht werden? Ausschließlich Mehreinnahmen oder mehr Kundennähe? Als Antwort auf diese Fragen soll die neue Vorschaltgesellschaft Zielvereinbarungen erarbeiten. Bis Frühjahr nächsten Jahres soll die weitere Vorgehensweise nach dem Auslaufen der Konzessionsverträge dann unter Dach und Fach sein. 'Wir wollen dieses Thema nicht in den Kommunalwahlkampf hineinziehen', erklärte Bruchhausen-Vilsens Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch.

Falls das Dreiergespann aus dem Landkreis Diepholz tatsächlich eigene Stadtwerke gründet - welchen Mehrwert hätte dies dann für die Verbraucher? Würde deren Stromrechnung etwa geringer ausfallen? Nicht direkt. Neben der Konzessionsabgabe hätten die Kommunen dann noch eine weitere Einnahmequelle, nämlich das Geld aus dem Netzbetrieb. Ist das Stadtsäckel gut gefüllt, kommt dies indirekt auch den Bürgern zugute - die Steuern würden dann beispielsweise nicht erhöht, wie Bassums Verwaltungschef Wilhelm Bäker anmerkte. Übrigens: Die niedersächsische Stadt Springe hat schon eigene Stadtwerke gegründet, als Trio wären Syke, Bassum und Bruchhausen-Vilsen damit landesweit allerdings Vorreiter.

Ist die Kooperation der drei Nordkreis-kommunen auf dem Gebiet der Energieversorgung etwa als Vorstufe zu einer weiteren Zusammenarbeit über Städte- und Gemeindegrenzen hinweg zu sehen? Nicht unbedingt. 'Wir wollen die Naherholung auf dem Schienenweg auf jeden Fall weiterbeleben', sagte Horst Wiesch. Harald Behrens pflichtete dem bei, er träumt noch immer von einer kleinen Gartenschau.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+