Zu Gast in Bruchhausen-Vilsen: Journalist Franz Alt referiert am Dienstag, 23. August, im Gasthaus Puvogel Energiewende geht ihm nicht schnell genug

Von Karin Neukirchen-Stratmann
19.08.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Karin Neukirchen-Stratmann

Bruchhausen-Vilsen. Auf Einladung des Kreis- und Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen ist am Dienstag, 23. August, Franz Alt zu Gast in Bruchhausen-Vilsen. Ab 20 Uhr wird er über "Sonnige Aussichten - Wie Klimaschutz zum Gewinn für alle wird" im Gasthaus Puvogel an der Bundesstraße 6 referieren. Der WESER-KURIER sprach im Vorfeld mit dem Journalisten, der sich für die Nutzung von Sonnenenergie, Klimaschutz, erneuerbare Energie, Frieden und Menschenrechte einsetzt.

Der Ausstieg aus der Atomenergie ist beschlossen. Ein Grund zum Feiern für Franz Alt? "Ja, klar! Aber ich habe mir einen konsequenteren Ausstieg gewünscht. Das Bundesumweltamt hat der Kanzlerin vorgeschlagen, bis 2017 das letzte AKW zu schließen. Aber die Bundesregierung hatte wieder einmal Angst vor ihrer eigenen Courage und hat den Atomausstieg unnötigerweise auf 2022 verschoben", erklärt Alt. So entstehe noch mehr Atommüll, von dem keiner wisse, wohin damit. Und die gefährlichen Atommeiler liefen um Jahre länger als nötig.

In seinem Vortrag, der gleichzeitig auch Titel seines neuesten Buches ist, erläutert Franz Alt, dass der 100-prozentige Umstieg auf erneuerbare Energien möglich sei. Das stößt in der Bevölkerung nicht immer auf Gleichgesinnte, regen sich doch mitunter starke Proteste, wenn es zum Beispiel um die Errichtung von Windenergieanlagen oder Biogasanlagen geht. Für Franz Alt ist da ein "Lernprozess notwendig". "Wir Deutsche wissen oft, wogegen wir sind, aber sagen selten, wofür. Jede Energiegewinnung ist ein Eingriff in die Landschaft. Aber jeder will und braucht Energie. Wer gegen Windräder und Biogasanlagen protestiert, muss sich fragen lassen, wie sexy Atomanlagen oder Braunkohlelandschaften sind. Ich habe in den letzten 20 Jahren 300 Windräder und Windparks mit einweihen dürfen. Wenn die Menschen vor Ort eigene Erfahrungen mit erneuerbaren Energien haben oder auch selbst daran beteiligt sind, haben sie eine positive Einstellung dazu. Es ist meist ein Lernprozess."

Der ist in einigen Ländern offenbar noch nicht angekommen, andere Länder liegen dagegen schon weit voraus. Australien, China, Indien und Brasilien nennt Alt als Beispiele für Länder, die jetzt "im großen Stil" erneuerbare Energien ausbauen. "80 Prozent aller Sonnenkollektoren der Welt werden heute in China produziert und installiert. China ist Windkraftweltmeister vor den USA und Deutschland. Die anderen schlafen nicht. Deutschland hat große Exportchancen, weil wir technologisch bei Sonne, Wind und Biogas führend sind."

In Sachen Energieversorgung haben sich im Landkreis die Kommunen Syke, Bassum und Bruchhausen-Vilsen zusammengetan. Diskutiert wird dabei auch die Frage eigener Stadtwerke. Was hält Franz Alt von diesem Modell? "Die 100-prozentige Energiewende hin zu erneuerbaren geht nicht mit den Dinosauriern RWE und Eon. Eine dezentrale Energieversorgung braucht Akteure vor Ort. Das heißt: Ohne eine Renaissance der Stadtwerke kann es keine Energiewende geben. Die Gewinner der Energiewende sind Hausbesitzer, Handwerker, der Mittelstand, die Bauern und die Stadtwerke, also die Gesellschaft. Das Geld bleibt in der Region und die Arbeitsplätze entstehen vor Ort."

Bevor Franz Alt nach Bruchhausen-Vilsen kommt, trifft er seinen Freund, den Dalai Lama, in Hamburg. Bereits 26 Mal sind die beiden aufeinandergetroffen, kennen sich seit bald 30 Jahren, haben gemeinsam zwölf Fernsehsendungen produziert und zwei Bücher über Tibet geschrieben. "Ich finde seinen gewaltlosen Kampf um mehr Freiheit in Tibet vorbildlich. Von seiner buddhistischen Lehre der Güte und Toleranz und von seinem Humor auch in schwierigen Zeiten habe ich als Christ viel gelernt."

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