Erdbeben

Erdgasförderung sehr wahrscheinliche Ursache

Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie legt seinen Bericht zu den Erdbeben im Landkreis Verden im vergangenen November vor. Fracking schließen die Experten als Ursache aus.
05.05.2020, 15:56
Lesedauer: 2 Min
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Erdgasförderung sehr wahrscheinliche Ursache
Von Andreas Becker
Erdgasförderung sehr wahrscheinliche Ursache

Das Betriebsgelände für die Erdgasförderung in Völkersen: Hier liegen nach Ansicht der Gutachter die Ursachen für die Erdbeben im November 2019.

Björn Hake

Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat die Untersuchungen zu den Erdbeben am 20. November 2019 im Landkreis Verden abgeschlossen. Die Autoren des Berichts kommen zu dem Ergebnis, dass ein Zusammenhang mit der Erdgasförderung sehr wahrscheinlich ist. Am Erdgasfeld Völkersen wurden demnach seit 2008 insgesamt 21 Erdbeben registriert. Ein Zusammenhang zwischen diesen Erdbeben und der Erdgasproduktion ist laut LBEG durch frühere Untersuchungen belegt. Auch die Erdbeben am 20. November 2019 hängen aufgrund der Lage der Epizentren und einer Tiefe im Niveau der Erdgaslagerstätten sehr wahrscheinlich mit der Erdgasförderung im Erdgasfeld Völkersen zusammen. „So bewirkt die Entnahme von Erdgas eine Druckabsenkung in der Lagerstätte, die zu Veränderungen des Spannungsfeldes im tiefen Untergrund führt. Erhöhte Spannungen können wiederum durch Reaktivierung vorhandener Schwächezonen impulsartig durch ein Erdbeben abgebaut werden“, heißt es.

Fracking-Maßnahmen oder die Versenkung von Lagerstättenwasser können als Ursache für die beiden Ereignisse ausgeschlossen werden, so der Bericht der Experten. Das bislang letzte Fracking im Erdgasfeld Völkersen fand im Juni 2011 statt, Lagerstättenwasser wird hier nicht versenkt.

Die beiden im November 2019 verspürten Erdbeben ereigneten sich am Erdgasfeld Völkersen und erreichten Lokalmagnituden (ML) von 3,2 und 3,0. Sie entstanden in einer Tiefe von circa vier Kilometern. Die Epizentren – Punkte an der Oberfläche über dem Erdbebenherd in der Tiefe – befinden sich rund vier Kilometer nordwestlich von Kirchlinteln und etwa sechs Kilometer nördlich von Verden.

Insgesamt gingen über den Online-Fragebogen des LBEG 173 Meldungen aus der Bevölkerung ein. Die Meldungen stammen überwiegend aus Kirchlinteln, Langwedel und Verden. Im Detail berichteten die Anwohnerinnen und Anwohner von Erschütterungen sowie von klapperndem Geschirr, Türen und Fenstern. Hinzu kommen Beobachtungen zu verschobenen, umgefallenen und herabfallenden kleinen Gegenständen sowie von auf- und zuschlagenden Türen. Es wurden teilweise auch leichte Schäden, wie Risse im Innen- und Außenputz, beschrieben. Anhand dieser von den Anwohnerinnen und Anwohnern gemeldeten makroseismischen Beobachtungen bewerten die Autoren des Berichts die maximalen Auswirkungen der Erschütterungen nach der Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98) mit der Intensität V.

Die gemessenen, maximalen Bodenschwinggeschwindigkeiten an Erschütterungsstationen des Bundesverbandes Erdöl, Erdgas und Geoenergie (BVEG), der Wintershall Dea GmbH und an seismologischen Stationen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) stützen diese Einschätzung. So beträgt der höchste gemessene Wert der Bodenschwinggeschwindigkeit 5,1 Millimeter pro Sekunde. Er wurde an einer Messstation in einer Entfernung von etwa zwei Kilometern vom instrumentell ermittelten Epizentrum bestimmt. „Daher ist davon auszugehen, dass an einigen Gebäuden – vorrangig empfindlicher Bauart – kleine Schäden entstanden sind“, so der Bericht.

Das Gutachten hat der Niedersächsische Erdbebendienst im LBEG gemeinsam mit dem Erdbebendienst des Bundes – der BGR – erstellt. Grundlage der Untersuchungen bildeten die instrumentellen seismologischen Daten der BGR, des LBEG und der erdgasfördernden Unternehmen sowie die Beobachtungen aus der Bevölkerung (Makroseismik).

Die aktuelle seismologische Auswertung hat bestätigt, dass durch den Ausbau des Stationsnetzes im Bereich der Erdgasfelder in Niedersachsen inzwischen eine verbesserte Datengrundlage für Auswertungen vorhanden ist. Aktuell baut das LBEG sein eigenes seismisches Messnetz weiter aus.

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